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Vergleichstest Vier Verstärker im Test

Mal eine andere Fragestellung: Gesucht ist der beste Verstärker-Klang für ein Minimum an Geld. Voilà, die Antworten der Tester.

Röhrenverstärker © Stereoplay

Audiolab 8200 A
Gesamturteil: gut, 65 Punkte
  • +vielseitige Ausstattung
  • -zurückhaltender Klang

Vorurteile, so alt wie Methusalem: Röhren-Verstärker "sounden" und hinken im Bass, Transistor-Amps hören sich knackiger und sachlicher an. Der sachliche Tester wird dies oftmals bestätigen - doch wenn eine besonders schöne Röhre vorbeikommt, gibt auch er sich dem betörenden Glaskolbenklang hin.

Hü oder hott, die Antwort auf diese Frage bedeutet für den stereoplay-Gast Stefan Nolle eine Kaufentscheidung. Eine für viele Musikfreunde durchaus spannende, denn in der Klasse knapp unter 1000 Euro werden heute nicht mehr bloß Halbleiter-Vollverstärker, sondern auch schmucke Röhren-Pendants angeboten.

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Wie die Rang-und-Namen-Liste zeigt, hat stereoplay von Ersteren die wichtigsten schon getestet. Aktuell kommt nun noch der brandneue Audiolab 8200 A für 900 Euro hinzu. Auf der Röhrenseite geht von dem kernig wirkenden, mit kräftigen EL 34 bestückten Audreal MT 3 für 840 Euro eine erhebliche Anziehungskraft aus. Nun nutzen viele HiFi-Youngsters wie Nolle Squeeze-Boxen und andere Multimedia- Portis als Quelle. Diese besitzen lautstärkegeregelte Line-Ausgänge, die (via Klinke/Cinch) auch einen Endverstärker ansteuern - unter Umständen mit Klanggewinn. Dafür bietet Audreal eine Endstufenversion namens MT 3 II an.

Und wenn schon, denn schon: Zu der Reihe gibt's auch eine Vorstufe. Sie kommt im Prinzip erst bei einem späteren Anlagen-Ausbau in Frage. Nolle, weitere Gäste und stereoplay waren aber jetzt schon mal neugierig.

SOLID STATE Audiolab 8200 A im Test

Die weiteren Verstärker im Test

  • Vorstufe Audreal XA 3200 Mk II, 690 Euro
  • Vollverstärker Audreal MT 3, 840 Euro
  • Endverstärker Audreal MT 3 II, 840 Euro

Audreal MT 3
Gesamturteil: gut, 67 Punkte
  • +geeignet für alle Einsteiger
  • +warmer Klang

Legte Xindak (deutscher Vertriebsname: Audreal) mit dem EL-84-Benjamin MT 1 einen überzeugenden Einstand hin, so empfingen die Tester jetzt gleich eine kleine Familie: die Röhren-Vorstufe XA 3200 Mk II für 690 Euro, den mit EL 34 bestückten Vollverstärker MT 3 für 840 Euro sowie den Endverstärker MT 3 II, der sich einzig durch den Wegfall zweier Line-Eingänge, des Quellenwahlschalters sowie des Lautstärke-Potis unterscheidet - und trotzdem ebenfalls 840 Euro kostet.

Diese Tatsache könnte nun so manchen HiFi-Freund zum Argwohn verleiten. Unnötig. Besser freut er sich darüber, dass die zu verstärkenden Musiksignale im IIer sich nicht durch ein Hin und Her kämpfen müssen, sondern über kurze Stücke Teflonkabel direktere Eingangswege vorfinden. So bleiben die Signale - auch wenn ein Röhrenamp mehr mit Spannungen als mit magnetisch kritischen Strömen arbeitet - gewiss besser vor Einstreuungen verschont.

Praxis: Bi- und Tri-Amping

So oder so bleibt es verwunderlich, was die in der ehrwürdigen Universitätsstadt Chengdu alteingesessene Firma fürs Geld alles bieten kann. Nach der ersten Anhebung in jeweils einem Triodensystem einer ECC 83 teilen nicht weitere ECCs, sondern physisch größere und teurere Doppelröhren des Typs 6SN7 die Musiksignale in gegensätzlich ausgelenkte Schwingungen auf. Dann steuern diese " Phasensplitter" - über feine Folienkondensatoren zur Gleichspannungs-Trennung - die EL-34-Gegentaktpärchen der Ausgangsstufen.

Feintuning der Verstärker

Audreal MT 3 II
Gesamturteil: gut - sehr gut, 71 Punkte
  • +klingt griffiger als der MT 3
  • +feiner und luftiger Klang

Multimeter-Besitzer finden zwecks Bias-Feinjustage der Leistungspentoden vier Wendelpotentiometer vor - und sogar noch zwei weitere Trimmer, über welche sie die in jedem Fall vorsichtig wirkende Über-alles-Gegenkopplung auf diverse Lautsprechermodelle abstimmen können.

Und noch eine Tuning-Möglichkeit: Neben den Endröhren postierte Kippschalter legen die Schirmgitter (die den Elektronenfluss zusätzlich beschleunigen) mal an die Schwingungen der Anoden und mal an konstant Plus - wobei stereoplay die letztere, "Pentode" genannte Position stets als offener, feiner, also günstiger empfand.

Spätestens nach der Betrachtung des Versorgungsteils kann man sein Glück kaum mehr fasssen. Der von der mittigen Abschirmhaube behütete Trafo besitzt separate Wicklungen für die rechte und die linke Endstufe. Zur Stromspeicherung stehen beiden Kanälen jeweils fünf Rubycon-Hochvoltelkos à 150 Mikrofarad Kapazität zur Verfügung. Allein sie kosten - wie Bauteile-Kataloge zeigen - schon ein kleines Vermögen.

Kaufberatung: Vollverstärker im Test

Anstatt sich bei seiner Röhrenvorstufe für 690 Euro zu bescheiden, schlägt Xindak hier eher noch heftiger zu: Alps-Motorpoti, Keramiksockel, Dale-Metallschichtwiderstände, Kapselrelais bei den vier Line-Ein- und zwei Ausgängen. Diese Liste deutet ganz klar auf eine höhere Klasse. Die sauber verlegten (braunen) Profi-Teflonkabel für den Signaltransport beruhigen die Konkurrenz ebenfalls nicht.

Das in einem Separée untergebrachte Netzteil besitzt einen abgeschirmten Extratrafo für die Bedienelektronik. Der Haupt-(Ringkern-)Umspanner versorgt nicht etwa über rabiat switchende Halbleiterdioden, sondern über eine sanftmütigere Doppel-Gleichrichterröhre die Verstärkerstufen.

Vorstufe Audreal XA 3200 Mk II: Klang

Audreal XA 3200 Mk II
Gesamturteil: gut - sehr gut, 73 Punkte
  • +preisgünstig
  • +schwungvoller Klang

Pro Kanal arbeitet die XA 3200 mit ingesamt vier Trioden-Systemen. Von ihnen verstärken nur je zwei im eigentlichen Sinne. Je ein Pendant hilft nach dem "Shunt Regulated Push Pull"-Prinzip bei der Aussteuerung und der Klirrvermeidung.

Bei all diesen Vorkehrungen wiegt der Audreal-Besitzer die mitgelieferte Vollmetall-Fernbedienung um so freudiger in der Hand, um dann eine Scheibe zu genießen. Dabei stellt die XA 3200 Mk II die Weichen ganz bewusst auf Entspannung.

Eine Klanglandschaft kann ihr gar nicht weit genug sein, ein Bass gar nicht zu schwarz und zu tief. Mit scheinbar lockerer Hand weist sie Akteure und Instrumente an ihre Plätze. Voll und flüssig, fruchtig-plastisch und am liebsten in warmen Farben liefern diese dann ihren Part.

Detailversessenheit jeder Art schätzt die Vorstufe aus Chengdu allerdings nicht. Das gerät bei Aufnahmen, die irgendwann digital leiden mussten, zum Fehler verzeihenden Vorteil. Den Präzisionsliebhaber kann das aber auch mal ärgern: wenn er bei Klavierattacken mal mehr Spitze oder etwa bei bestimmten Gesangspassagen von Ulita Knaus mehr vom fauchenden Trotzkopf hören will.

Vollverstärker Audreal MT 3: Klang

Die unterm Strich sehr angenehm klingende Vorstufe heimste in einer Referenzkette dennoch 50 Punkte ein. Da mochte der Audreal-Vollverstärker nicht groß zurückstehen. Das Piano polierte er - relativ gesehen - sogar etwas fleißiger. Doch auch der MT 3 sammelte in erster Linie Attribute wie rund, unangestrengt, harmonisch und dergleichen ein. Selbst an den nicht einfach zu versorgenden Arbeitslautsprechern Sonics Allegra zeigte er keine Zeichen von Stress.

Je ein kleiner und ein großer (roter) Folienkondensator führen die Signale gemeinsam nach draußen – und zwar zweimal. Dazwischen greift Audreal die Gegenkopplungsspannung ab. © Stereoplay
Je ein kleiner und ein großer (roter) Folienkondensator führen die Signale gemeinsam nach draußen – und zwar zweimal. Dazwischen greift Audreal die Gegenkopplungsspannung ab.

Im Gegenteil: Korrekt abgezirkelte Bühnen, ebenso feinfühlige wie urigbewegte Bässe, dreidimensional schimmernde Schlagzeugbecken und eine mit überzeugter Brust auftretende Ulita Knaus trugen ihm das Kompliment "komplett klingender Vollverstärker" ein.

Endverstärker Audreal MT 3 II: Klang

Der von diversen Edel-Vorstufen angetriebene MT-3-II-Endverstärker wuchs in jeder Hinsicht noch über diese Performance hinaus. Trotz der baulichen Ähnlichkeit mit dem Vollverstärker bekamen die Bässe über ihn ein Quantum mehr an Fülle, Kraft und Elan.

Hatte die Pot-and-Can-Percussion in Vienna Tengs "Radio" gerade schon, mit dem MT 3, spontanen Applaus ausgelöst, so rief sie nun, mit dem MT 3 II, Begeisterung hervor: Holzklöppel, die sich gespannter bogen, prallten viel echter auf die Glas- und Tonoberflächen, von den Klangfarben der Gefäße erfuhren die Zuhörer deutlich mehr. Tengs Stimme erschien in luftigerer Umgebung rosiger, frecher.

Hörgäste und Tester verneigten sich bald vor dem Audreal-Endverstärker. Denn für sage und schreibe 840 Euro kann er schon Eintrittskarten in fast highendige musikalische Paradiese einlösen.

Aus dem Hörraum

Jörn Thomas, Johannes Maier, Alexander Bloch, und Stefan Nolle (von links) lauschen mit Andacht.
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© Stereoplay
Jörn Thomas, Johannes Maier, Alexander Bloch, und Stefan Nolle (von links) lauschen mit Andacht.

Gleich drei Gäste nahmen an diesem Hörtest teil, dennoch herrschte absolute Einigkeit in Bezug auf die Sonderstellung des Röhren-Endverstärkers. Der Audreal MT 3 II harmonierte insbesondere mit einer Squeezebox von Logitech und einem Multimedia-Porti von Cowon auffällig gut. Das Einschleifen der Röhren-Vorstufe lieferte - indem die Bühnen sich verbreiterten und der Druck unten herum zunahm - weiteren Klanggewinn.

Das brachte Stefan Nolle aber nicht von seiner Kaufentscheidung ab: "Ich gönne mir zunächst nur den Endverstärker und hole später vielleicht die Audreal oder eine andere Vorstufe dazu - vor allem, damit ich dann auch andere Quellen einschleifen kann. Trotz seinem Faible für den MT 3 II mochte Jörn Thomas auch den Transistor von Audiolab: "Seine Auflösung reicht mir, sein unauffälliger Klang erleichtert mir den Langzeit-Musikgenuss."

 
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