Vergleichstest Vier Verstärker im Test
© Stereoplay
Gesamturteil: gut, 65 Punkte
- +vielseitige Ausstattung
- -zurückhaltender Klang
Hü oder hott, die Antwort auf diese Frage bedeutet für den stereoplay-Gast Stefan Nolle eine Kaufentscheidung. Eine für viele Musikfreunde durchaus spannende, denn in der Klasse knapp unter 1000 Euro werden heute nicht mehr bloß Halbleiter-Vollverstärker, sondern auch schmucke Röhren-Pendants angeboten.
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Und wenn schon, denn schon: Zu der Reihe gibt's auch eine Vorstufe. Sie kommt im Prinzip erst bei einem späteren Anlagen-Ausbau in Frage. Nolle, weitere Gäste und stereoplay waren aber jetzt schon mal neugierig.
SOLID STATE Audiolab 8200 A im Test
Die weiteren Verstärker im Test
- Vorstufe Audreal XA 3200 Mk II, 690 Euro
- Vollverstärker Audreal MT 3, 840 Euro
- Endverstärker Audreal MT 3 II, 840 Euro
Gesamturteil: gut, 67 Punkte
- +geeignet für alle Einsteiger
- +warmer Klang
Diese Tatsache könnte nun so manchen HiFi-Freund zum Argwohn verleiten. Unnötig. Besser freut er sich darüber, dass die zu verstärkenden Musiksignale im IIer sich nicht durch ein Hin und Her kämpfen müssen, sondern über kurze Stücke Teflonkabel direktere Eingangswege vorfinden. So bleiben die Signale - auch wenn ein Röhrenamp mehr mit Spannungen als mit magnetisch kritischen Strömen arbeitet - gewiss besser vor Einstreuungen verschont.
So oder so bleibt es verwunderlich, was die in der ehrwürdigen Universitätsstadt Chengdu alteingesessene Firma fürs Geld alles bieten kann. Nach der ersten Anhebung in jeweils einem Triodensystem einer ECC 83 teilen nicht weitere ECCs, sondern physisch größere und teurere Doppelröhren des Typs 6SN7 die Musiksignale in gegensätzlich ausgelenkte Schwingungen auf. Dann steuern diese " Phasensplitter" - über feine Folienkondensatoren zur Gleichspannungs-Trennung - die EL-34-Gegentaktpärchen der Ausgangsstufen.
Feintuning der Verstärker
Gesamturteil: gut - sehr gut, 71 Punkte
- +klingt griffiger als der MT 3
- +feiner und luftiger Klang
Und noch eine Tuning-Möglichkeit: Neben den Endröhren postierte Kippschalter legen die Schirmgitter (die den Elektronenfluss zusätzlich beschleunigen) mal an die Schwingungen der Anoden und mal an konstant Plus - wobei stereoplay die letztere, "Pentode" genannte Position stets als offener, feiner, also günstiger empfand.
Spätestens nach der Betrachtung des Versorgungsteils kann man sein Glück kaum mehr fasssen. Der von der mittigen Abschirmhaube behütete Trafo besitzt separate Wicklungen für die rechte und die linke Endstufe. Zur Stromspeicherung stehen beiden Kanälen jeweils fünf Rubycon-Hochvoltelkos à 150 Mikrofarad Kapazität zur Verfügung. Allein sie kosten - wie Bauteile-Kataloge zeigen - schon ein kleines Vermögen.
Kaufberatung: Vollverstärker im Test
Anstatt sich bei seiner Röhrenvorstufe für 690 Euro zu bescheiden, schlägt Xindak hier eher noch heftiger zu: Alps-Motorpoti, Keramiksockel, Dale-Metallschichtwiderstände, Kapselrelais bei den vier Line-Ein- und zwei Ausgängen. Diese Liste deutet ganz klar auf eine höhere Klasse. Die sauber verlegten (braunen) Profi-Teflonkabel für den Signaltransport beruhigen die Konkurrenz ebenfalls nicht.
Das in einem Separée untergebrachte Netzteil besitzt einen abgeschirmten Extratrafo für die Bedienelektronik. Der Haupt-(Ringkern-)Umspanner versorgt nicht etwa über rabiat switchende Halbleiterdioden, sondern über eine sanftmütigere Doppel-Gleichrichterröhre die Verstärkerstufen.
Vorstufe Audreal XA 3200 Mk II: Klang
Gesamturteil: gut - sehr gut, 73 Punkte
- +preisgünstig
- +schwungvoller Klang
Bei all diesen Vorkehrungen wiegt der Audreal-Besitzer die mitgelieferte Vollmetall-Fernbedienung um so freudiger in der Hand, um dann eine Scheibe zu genießen. Dabei stellt die XA 3200 Mk II die Weichen ganz bewusst auf Entspannung.
Eine Klanglandschaft kann ihr gar nicht weit genug sein, ein Bass gar nicht zu schwarz und zu tief. Mit scheinbar lockerer Hand weist sie Akteure und Instrumente an ihre Plätze. Voll und flüssig, fruchtig-plastisch und am liebsten in warmen Farben liefern diese dann ihren Part.
Detailversessenheit jeder Art schätzt die Vorstufe aus Chengdu allerdings nicht. Das gerät bei Aufnahmen, die irgendwann digital leiden mussten, zum Fehler verzeihenden Vorteil. Den Präzisionsliebhaber kann das aber auch mal ärgern: wenn er bei Klavierattacken mal mehr Spitze oder etwa bei bestimmten Gesangspassagen von Ulita Knaus mehr vom fauchenden Trotzkopf hören will.
Vollverstärker Audreal MT 3: Klang
Die unterm Strich sehr angenehm klingende Vorstufe heimste in einer Referenzkette dennoch 50 Punkte ein. Da mochte der Audreal-Vollverstärker nicht groß zurückstehen. Das Piano polierte er - relativ gesehen - sogar etwas fleißiger. Doch auch der MT 3 sammelte in erster Linie Attribute wie rund, unangestrengt, harmonisch und dergleichen ein. Selbst an den nicht einfach zu versorgenden Arbeitslautsprechern Sonics Allegra zeigte er keine Zeichen von Stress.
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Endverstärker Audreal MT 3 II: Klang
Der von diversen Edel-Vorstufen angetriebene MT-3-II-Endverstärker wuchs in jeder Hinsicht noch über diese Performance hinaus. Trotz der baulichen Ähnlichkeit mit dem Vollverstärker bekamen die Bässe über ihn ein Quantum mehr an Fülle, Kraft und Elan.
Hatte die Pot-and-Can-Percussion in Vienna Tengs "Radio" gerade schon, mit dem MT 3, spontanen Applaus ausgelöst, so rief sie nun, mit dem MT 3 II, Begeisterung hervor: Holzklöppel, die sich gespannter bogen, prallten viel echter auf die Glas- und Tonoberflächen, von den Klangfarben der Gefäße erfuhren die Zuhörer deutlich mehr. Tengs Stimme erschien in luftigerer Umgebung rosiger, frecher.
Hörgäste und Tester verneigten sich bald vor dem Audreal-Endverstärker. Denn für sage und schreibe 840 Euro kann er schon Eintrittskarten in fast highendige musikalische Paradiese einlösen.
Aus dem Hörraum
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Das brachte Stefan Nolle aber nicht von seiner Kaufentscheidung ab: "Ich gönne mir zunächst nur den Endverstärker und hole später vielleicht die Audreal oder eine andere Vorstufe dazu - vor allem, damit ich dann auch andere Quellen einschleifen kann. Trotz seinem Faible für den MT 3 II mochte Jörn Thomas auch den Transistor von Audiolab: "Seine Auflösung reicht mir, sein unauffälliger Klang erleichtert mir den Langzeit-Musikgenuss."