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Vergleichstest AV-Receiver Test-Duell: Arcam AVR 360 vs. Marantz SR 7007

Moderne AV-Receiver überschlagen sich mit Hightech-Zauberkunststücken. Zwei Könner von Arcam und Marantz setzen trotzdem auf bewährte Tugenden: Der Arcam AVR 360 und der Marantz 7007 wollen nicht nur hoch-technische, sondern auch höchst musikalische Übermittler sein.

Böse Zungen könnten behaupten: Wenn Arcam und Marantz bei ihren neuen Multikanalern den Klang in den Vordergrund stellen, dann kann der eher kleine britische Hersteller gar nicht anders – während der japanische es so will! Denn obwohl Marantz ungeniert auf viele Mannjahre Programmierarbeit zurückgreifen kann, wird beim SR 7007 (1600 Euro) trotzdem die klassische Klangabstimmung betont.

Arcam AVR 360
Klangurteil: 98 Punkte
Preis/Leistung: überragend
  • +für musikbewusste Anwender zugeschnittener Multikanaler
  • -klingt via Pre-out nicht ganz so toll

Verkabelt man den 200 Euro teureren Arcam AVR 360 mit einem Monitor, wird der dezidierte Rückstand geradezu sichtbar. Statt bunt-bildreichen Assistenzen wie beim Marantz erscheint so etwas wie ein brav geführtes Schulheft. Darin fragt der AVR 360 dann aber unter "Input Configuration" immerhin, ob er die gewählte Quelle mit Lipsync versehen, im Eingangspegel anheben oder mit Dolby ProLogic II zusätzlich verräumlichen muss. Oder ob er gar die Arcam- Raumeinmessung zum Einsatz bringen soll (was die Anleitung aber nur für ganz schlimme Akustik-Notfälle empfiehlt).

Arcam AVR 360: Ausstattung

Schulheft hin, Schulheft her: Für Videoquellen bietet der AVR 360 von Brightness bis Noise Reduction (Video-In für Video-In) individuelle Justage-Tools an. Und dank vorbildlicher Übersichtlichkeit gelingt dem AVR-360-Lernenden auch der Boxen-Set-up im Nu. Bleibt letztlich nur eine Unart übrig: die Funktion "Dolby Volume" (nebst Leveller), für die Arcam ein zusätzliches Prozessor-IC verschwendet – und die unbedingt auf „off“ gestellt werden muss.

Arcam AVR 360
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Arcam AVR 360 um 1800 Euro: Oben haust die Video-Elektronik, das Board darunter bereitet – inklusive DAB- und Netzwerk – Digitalton auf. Die Hauptplatine blieb ausschließlich für die Verstärkerzüge reserviert. Die Ventilatoren springen nur im Notfall an.

Bevor der gegenteilige Verdacht aufkommt: An wirklich Wichtigem bietet der AVR 360 alles, etwa eine USB- und eine Ethernetbuchse, über die der Brite gern auch App-gesteuert iPhone-Titel spielt oder zu vTuner-Netzradio – oder gapless und in CD-Qualität – auf FLAC-Downloads zugreift. Für alle Fälle bringt der Arcam ein (zum Rauschen tendierendes) UKW- und ein DAB+-Empfangsteil mit, dessen stark reduzierte und nur da und dort zu empfangende Magerkost aber niemand vom Hocker reißt.

Der Universalität zuliebe offeriert der AVR 360 analoge Multikanaleingänge und ebenso Pre-outs. Dank vier entsprechender Eingangsbuchsen verhilft er nicht nur FBAS-Einfach- und Dreikomponenten-Signale, sondern auch S-Video zur Umwandlung in HDMI. Der Heimcineast nimmt diese Vorzüge um so dankender an, wenn er erfährt, dass der Arcam für diese Aufgaben unter anderem den edel-altbewährten Torino-Baustein von Faroudja beschäftigt.

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Überhaupt erschließt sich der besondere Wert des Engländers erst bei eingehender Beschäftigung. Freudig bemerkt man dann etwa, dass ein Anti-Jitter-IC dem multikanaligen, aber im rauscharmen Differential-Modus arbeitenden Cirrus-Digital-Analogwandler hilft. Oder dass Arcam (laut Service-Manual!) in den ersten Verstärkerstufen eng tolerierte 1-Prozent-Widerstände nimmt, um ein bestimmtes Klirrverhalten zu erreichen. Welches dann von blechgekapselten und einzeln gekühlten Treibertransistoren möglichst nicht mehr verschlechtert wird.

Schließlich setzt Arcam für jeden der sieben Ausgangskanäle ein Paar kräftiger 200-Watt-Typen von On Semiconductor ein. An dieser Stelle brennt sicher auch deshalb nichts mehr an, weil sich diese Halbleiter dank eingebauter Wärmefühler blitzschnell auf wechselnde Umstände einregeln können.

Bei den Endstufen des günstigeren SR 7007 wollte Marantz nicht ganz so viel Aufwand treiben. Hier reichten die in einer Reihe von DM-Produkten bewährten Treiber/Endstufen-Doppeltransistoren (2SB1647/2SD2560). Dafür schießen die Japaner bei den feinst komponierten "High Dynamic Amplification"-Vorstufen-Kreisen, die pro Kanal neben einigen ICs nicht weniger als 12 Einzeltransistoren enthalten, den Vogel ab.

Marantz SR 7007: Ausstattung

Im Gegensatz zum Arcam, der seine Pre-outs aus dem Lautstärkeregel-IC direkt ernährt, kommt die fleißige Marantz-Vorarbeit auch externen Verstärkern zu Gute. In puncto Jitterunterdrückung und störarmer Differential-D/A-Wandlung leistet der SR 7007 zumindest laut Schaltplan dasselbe.

Marantz SR 7007
Klangurteil: 94 Punkte
Preis/Leistung: sehr gut
  • +gediegener Multikanaler
  • +vollständige Ausstattung
  • +viel HiFi-Flair
  • -spielt Klangkultur eher via Pre-outs aus

Klanglich gebühren also auch ihm jede Menge Vorschusslorbeeren. Diese serviert er im Gegensatz zu dem Arcam allerdings mit einer Riesenportion Sahne. Etwa mit einem aktuellen Chipsatz von Analog Devices (ADV 7850 plus ADV 8003), der sich bei der Videowandlung und der Vollzeilenbild-Herstellung sichtbar in einsamer Perfektion übt (während sich der immer noch gute Torino da und dort kleine Artefakte erlaubt). Außerdem rechnet er beliebiges Video bis aufs neue 4K-Format hoch (mit 3840 x 2160 Zeilen).

Der Marantz mag mit seiner schlicht-edlen Alu-Front, dem Bullaugendisplay und der sonstiges Bediengefitzel bedeckenden Klappe noch so sehr das highendige Unschuldslamm spielen: Seine USB-Buchse bandelt nichtsdestotrotz digital mit iPhones an. Via Ethernet holt er nicht nur FLAC und vTuner rein, sondern auch Flickr-Dias und den angesagten Abo-Musikdienst Spotify.

Wenn nicht bereits installiert, kann ein Update nicht nur für lückenlose, sondern auch hoch aufgelöste Klassik sorgen (24 Bit/192 Kilohertz). Selbstredend lässt sich der Marantz auch über Apps bedienen. Via Airplay und WLAN lässt er sich drahtlos mit Apple-Portis und iTunes-Rechnern ein. Zu alledem gibt der SR 7007 via HDMI 3 eine extra anzuwählende Quelle – nach Einstecken eines HDMI-Senders auch zum Streamen – fürs Schlafzimmer aus.

Arcam AVR 360 vs. Marantz SR 7007: Klangduell

Auch wenn er gerne auf allen Hochzeiten tanzt, so demonstrierte der Marantz bei der CD-Nagelprobe doch so etwas wie heiligen Ernst. Geradezu würdevoll schritten wohlproportionierte Bässe dahin. Mit viel Nachdruck und Körper übertrug er Stimmen. In den Höhen flimmerte es stets angenehm – der SR 7007 übertrug sie mit sanft-goldenem Glanz.

Insofern dem etwas ruppigeren Konzern-Verwandten AVR 3313 überlegen, legte sich der SR 7007 tapfer mit dem AVR 360 von Arcam an. Jawoll, der Marantz schilderte etwa eine Vienna Teng etwas fraulicher, runder. Der Arcam ließ die Stimme dagegen schlanker, fahriger und fast zu jung erscheinen.

Damit wären die Arcam-Sünden freilich bereits aufgezählt. Denn während der Marantz seine Bässe scheinbar geduldig ausformte, hatte der AVR 360 schon längst zugeschlagen – sehniger, punktgenauer. Obenrum pflegte der SR 7007 den Teint eher allgemein, während der AVR 360 – natürlicher und einfach näher dran – einzelne Poren zeigte.

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"The Falcon Will Fly Again" von Brad Mehldau zeigte die Unterschiede exemplarisch: Der Arcam ließ die Pianoläufe ungehemmt in die Höhe schießen und wildeste Kapriolen schlagen, während der dem Runden verpflichtete Marantz bei dem ungezügelten Treiben eher die Hand drauf hielt.

Bei Filmen mit datenreduzierten Dolby- oder DTS-Ton änderte sich das Bild allerdings. Der SR 7007 schilderte etwa Flugzeugturbinen nicht gar so zum Schneiden hart und zum Verbrennen heiß, er deutete den Raum auch nicht ganz so fleißig bis in die letzten Winkel aus. Er schuf aber ruhig, tragend und mit volleren Stimmen das gemütlichere Fluidum, in dem sich der Filmfreund auch nach mehreren Stunden Aufenthalt immer noch pudelwohl fühlen kann.

Luftiger und ausdrucksstärker (außer bei Jane Monheits Marantz-naher voller Stimme): Mit Dolby- und DTS-HD-Titeln gewann der Arcam mit seiner ausgesprochenen Impulsivität und Schnelligkeit wieder die Oberhand.

Was aber noch nicht das Ende des Tests bedeutete. Denn: Viele High-Ender schließen die Receiver ja über die Vorverstärkerausgänge (über die Stereo-Rechts und -Links, zweikanalig plus Center oder auch über alle Surround-Pre-outs) an erwachsene externe Verstärker an. Und siehe da, nun verdiente sich der SR 7007 den Siegerkranz. Nun baute er seine bis dato vor allem schönen Perspektiven zu extrem feinen und weitläufig imposanten aus.

Dagegen wirkte der AVR 360 trotz Zusammenarbeit mit dem Endverstärker SA 8 von AVM blasser und beschränkter – leider! Oder auch zum Glück, denn jetzt weiß jeder genau,welcher der beiden Kandidaten für ihn der Richtige ist

Fazit

Ein klarer Fall! Wer einen supermusikalischen Siebenkanaler für den Stand-alone-Einsatz sucht, erhält von Arcam mit dem AVR 360 ein tolles Sonderangebot. Wer auf Audysseys Front-Height- und Wide-Emulationen nicht verzichten will, nimmt den SR 7007 von Marantz – und denkt an zusätzliche externe Verstärkung.

Arcam AVR 360

Arcam bietet einen röhrenartigen Klirrverlauf ...

Messlabor

Beide AV-Receiver zeigen einen musikfreundlichen Klirrverlauf bei wechselnden Pegeln. Der Arcam AVR 360 bietet aber eine noch harmonischere – offensichtlich mit viel Tuningarbeit erzielte – Abstufung der zweiten, dritten und vierten Oberwelle, die bei insgesamt geringerem Pegel der einer guten Röhre gleicht. Bei noch geringerem Gesamtklirr verhält sich der SR 7007 von Marantz vor allem mit der zweiten Oberwelle brav, die höheren liegen – allerdings bei subtilen Pegeln – relativ dicht beisammen.

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© Archiv, MPS, J. Bauer

Die Eigenschaften spiegeln sich weitgehend auch bei der neuen Messung zur Klirrstabilität bei wechselnder Boxenimpedanz wieder. Die Abstufung bleibt beim Arcam günstiger. Für den sehr konstanten, waagrechten Verlauf der Messlinien, der nur in den Höhen leicht abhebt, haben aber beide Receiver ein dickes Lob verdient. Dem Leistungswürfel des Arcam gebührt schließlich ein Hurra, der Urkraft des Marantz sogar ein doppeltes. Beide bieten auch bei schwierigeren Boxen höchst willkommene Reserven.

Netzwerk-Fähigkeiten: Marantz vorn

Beide Receiver in diesem Test haben einen vollwertigen, exzellent klingenden Netzwerkplayer eingebaut, der Audio-Dateien von einem UPnP-Server im Heimnetzwerk spielt. Arcam (rechts) unterstützt dabei nur CD-Auflösung (16bit/44,1kHz), Marantz auch HD-Files bis 24bit/192kHz). Gapless-Wiedergabe beherrscht der Arcam bereits, Marantz bereitet gerade ein Update vor ("Herbst 2012"), mit dem dann auch der BridgeCo-Chipsatz im 7007 durchgehende Alben ohne lästige Aussetzer zwischen den Tracks wiedergibt.

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Weit voraus ist Marantz bei der Bedienung via Netzwerk: Das hauseigene App kontrolliert den kompletten Receiver, während das Arcam-App eher enttäuscht – Gapless etwa funktioniert nur bei Bedienung über Display und Fernbedienung; auch sonst ist die Kommunikation zwischen App und Receiver hakelig. Den im Marantz integrierten Streamingdiensten last.fm und Spotify hat Arcam nichts entgegenzusetzen, auch bei AirPlay kann der Brite leider nur "sorry" sagen.

 
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