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Vergleichstest Blu-ray-Player Arcam BDP 300 und Marantz UD 7007 im Vergleich

Zwei Blu-ray-Player, die den Anspruch die Bezeichnung „High End“ erheben, haben sich unsere Tester näher angeschaut. Die Gehäuse und die Preise verheißen gehobene Qualität. Doch auf die inneren Werte kommt es an. Oder etwa nicht nur?
Arcam BDP 300 vs. Marantz UD 7007 © Archiv/hersteller

stereoplay Testurteil

Arcam BDP 300
Gesamtwertung: überragend
Preis/Leistung: sehr gut
  • +Schneller Player in dezentem Design und schöner Systemfernbedienung
  • +Knackscharfes Bild, auch von DVD
  • +Klingt charakterlich glockenklar und dabei fließend musikalisch

stereoplay Testurteil

Marantz UD 7007
Gesamtwertung: überragend
Preis/Leistung: überragend
  • +Flotter Universal-Player mit SACD und DVD-Audio
  • +Audio/Video-Streaming-Client, mehrkanaltauglich
  • +Analoge XLR-Ausgänge
  • +Klingt tendenziell warm und wunderbar räumlich

Es ist mittlerweile viel leichter, einen Blu-ray-Player für unter 100 Euro zu kaufen als einen, den man als gestandener High-Ender für seiner Anlage akzeptieren würde, wenn selbst japanische Hersteller mit traditionell hohem Anspruch kein Exemplar mehr für über 500 Euro anbieten. Solch ein Budget reicht weder für eine ernstzunehmende Gehäuseverarbeitung noch für das entsprechende Drumherum und erst recht nicht für das entsprechende Innere.

Da ist es erholsam, dass es trotz des massenhaften Abwärtstrends noch Hersteller wie Arcam und Marantz gibt, die den Aufwand wagen und zu einem vierstelligen Preis entsprechend aufwendige Zuspieler für Gourmets konstruieren.

Die Tester luden sich den Arcam BDP 300 und den Marantz UD 7007 ein, die jeweils mit 1.200 Euro zu Buche schlagen. Beide Player glänzen mit vorbildlicher Verarbeitung, unterscheiden sich aber in Sachen Ausstattung und vor allem Anschlussmöglichkeiten ganz erheblich, was den Vergleich besonders interessant gestaltet und entsprechend unterschiedliche Käufer anlocken dürfte.

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So zielt Arcam mit dem BDP 300 offensichtlich auf den Kunden, der den passenden Player zu seinem Receiver oder seiner Vorverstärker-/Endstufen-Kombination aus eigenem Haus ergänzen möchte, und hat fast alles an Ausstattung weggelassen, was man Schnickschnack nennen könnte. Dafür hat Arcam dem Player beispielsweise eine vollwertige Systemfernbedienung beigelegt.

Marantz hingegen scheint außer auf den Heimkino-Fan auch auf den Kunden zu zielen, der seinen klassischen CD/ SACD-Spieler durch ein neues Gerät ersetzen möchte und das durchaus in einem traditionellen Stereoumfeld. Dazu spendiert der Hersteller dem UD 7007 eine aufwendige Analogplatine mit symmetrischem Ausgang.

Verarbeitung

Vergleicht man das Testduo rein äußerlich, bewegen sich die Kontrahenten auf einem ähnlichen Niveau. Die Frontplatten sind präzise gearbeitet, die Tasten besitzen einen präzisen Druckpunkt und die beiden dimmbaren Displays zeigen in klaren Ziffern und gutem Kontrast die Titel und Spielzeiten so groß an, dass man sie auch aus einigen Metern Entfernung vom Hörplatz aus als normalsichtiger Anwender gut ablesen kann. Daneben zeigen kleine Statussymbole weitere Informationen zu Tonformaten etc. an, die man allerdings nur aus der Nähe erkennt.

Arcam BDP 300

Arcams Player fügt sich nahtlos in die FMJ-Serie ein. Besonderheit: Statt des üblichen Tasters für Standby bietet der BDP 300 rechts auf der Front einen echten Netzschalter für Stromsparer.

Die beiden Gehäusekonstruktionen belegen die Mühen der Entwickler, Vibrationen und Schall von den Mikrofonieempfindlichen Bauteilen wie den Quartzen zur Taktgenerierung und dem eigentlichen Laufwerk fernzuhalten.

Die englischen Entwickler verkleben dazu den Deckel zu einem schweren, stark dämpfenden Blech-Sandwich und montieren ihn dann mit richtigen Maschinenschrauben mit ordentlich geschnittenen Gewinden, um den besten Verbund mit dem stabilen Blech-Chassis zu gewährleisten. Das Laufwerk und die Platinen sind darin mit der Bodengruppe verschraubt.

Die japanischen Kollegen gehen genau den umgekehrten Weg. Sie beschweren, versteifen und dämpfen die Bodenplatte mit einem ganzen Stapel unterschiedlicher Bleche und verwenden einen konventionellen, wenngleich vergleichsweise schweren Deckel aus einlagigem Blech, der mit Blechschrauben Halt findet. Hier werden also die Platinen und vor allem das Laufwerk vor Körperschall- Einflüssen durch die Masse und Dämpfung der Bodengruppe geschützt.

Zusätzlich verbirgt Marantz sein Laufwerk in einer Blechkapsel, die nochmals elektrisch und mechanisch die bewegten von den unbewegten Teilen isoliert. Auch die eigentliche Plattenauflage der Lade wird nochmals mit einer samtigen Gummischicht mechanisch beruhigt.

Marantz UD 7007

Die sanft gleitende Plattenlade des gekapselten Marantz-Laufwerks dämpft eine samtige Gummierung. Praktisch: Der immer seltener werdende USB-Eingang der Front ermöglicht mal eben Fotos zu schauen.

Einen ähnlichen Weg gingen die Ingenieur-Teams bei den analogen Tonausgängen, indem sie einer eigenen Platine für die D/A-Wandlung und die Ausgangsstufen mit diskretem Aufbau entwickelten und einsetzten. Arcam deklariert den normalen Ausgang der Decoder-Platine einfach als Zone 2 und den Stereo- Ausgang der eigenen Analogplatine als Zone 1.

Die Wandlung zu Analog übernimmt hier ein präziser Wolfson WM 8471. Er verarbeitet PCM-Signale bis 192 Kilohertz und bis zu 32 Bit. Marantz vertraut auf Texas Instruments‘ Wandlerchip PCM 1795, der ein ähnliches Leistungsprofil aufweist und ebenfalls neben PCM- auch DSD-Datenströme von SACD direkt verarbeitet. Das kann der Wolfson auch, allerdings spielt der Arcam im Gegensatz zum Marantz keine SACDs ab. Natürlich liest der UD 7007 („UD“ steht für Universal Disc) auch das andere alte hochauflösende Disc-Format: DVD-Audio.

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Nach der Wandlung in die analoge Welt arbeiten im Marantz vier analoge Verstärkungszweige mit diskret aufgebauten und schnell reagierenden HDAM-Schaltungen, Marantz‘ patentiertes Substitut für die sonst üblichen Operationsverstärker. Anschließend verteilen sich die beiden völlig gleichwertigen Signalzweige auf XLR- und Cinch-Ausgänge.

Ausstattung

In Sachen Ausstattung setzt Arcam auf die aktuellen Standards für Blu-ray-Player, beherrscht Java, BD-Live und 3D und spielt selbstverständlich auch DVD-Video und CD. Audiodaten, Fotos und Videos dürfen per CD, DVD oder rückseitiger USB-Buchse gereicht werden. Marantz hat darüber hinaus neben DVD-Audio- und SACD-Abspielmöglichkeiten einen kompletten Streaming-Client für Audio, Foto und Video eingebaut.

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Beide Player spielen hochauflösende FLAC- und WAV-Dateien auch in Surround ab. Marantz bietet auch Streaming aus dem Internet, wenngleich aktuell nur von You- Tube. Als letztes Highlight bietet der UD 7007 zwei HDMI-Ausgänge, die parallel oder nach Audio und Video getrennt betrieben werden können. In Sachen Ausstattung hat er damit die Nase vorn.

Hörtest

Im Hörraum verhielten sich beide Player mechanisch ähnlich. Beide lasen in knapp über zehn Sekunden Scheiben aller Art ein und liegen in Sachen Geschwindigkeit – auch bei der Navigation – im Spitzenfeld. Auffällig war beim Arcam die lautere Mechanik während des Einlesens, beim Abspielen lagen die zwei Probanden aber gleichauf.

In Sachen Bildqualität ähnelten sie sich wieder. Egal, ob eine DVD oder Blu-ray wiedergegeben wurde, das Bild zeigte stets knackige Details, Ruhe und Stabilität, die sich auch auf großen Displays und selbst einer großen Heimkino-Leinwand gut macht, was am stabilen De- Interlacing und knackscharfen Scaling lag. Dieser Test endete im Patt.

Auch auf der digitalen Seite liegen Arcam und Marantz nah beieinander. Kein Wunder: Ein vergleichbarer mechanischer Aufwand am Gehäuse und die gleiche Decoder-Technik von MediaTek sorgen für ähnliche Grundbedingungen an den digitalen Ausgängen. Hier und da hatten die Tester das Gefühl, der Marantz klinge via HDMI ein wenig ruhiger, der Arcam einen Hauch spritziger. Der Unterschied rechtfertigte aber keinen Punktevorteil für einen der beiden, lediglich die Charaktere unterschieden sich.

Praxis: Musikarchiv anlegen und ordnen

Das änderte sich deutlich, als die Tester die analogen Audioausgänge verglichen. Jetzt drifteten die zwei Charaktere signifikant weiter auseinander. Der Arcam BDP 300 spielte vergleichsweise glockenhell, ohne dabei auch nur den Anschein von schrill zu sein oder einfach Höhenbetonung zu liefern. Sein Klangbild gelang extrem klar und transparent und dennoch fernab jeder Aggressivität. Trotzdem wirkte es alles andere als dünn oder substanzlos. Dadurch erschien die Abbildung zunächst sehr aufgeräumt und konturiert, die Staffelung in der Lateralen wirkte wunderbar scharf. Klar, dieser Player ist etwas für Fans des transparenten Klangs.

„Faithful Musical Joy“ ( FMJ) nennt Arcam die Serie des BDP 300, und das kann man in diesem Fall genau so stehen lassen. Der Zone-2-Ausgang klang ebenfalls gut, aber erreichte bei Weitem nicht das Niveau der Extra-Analogplatine aus der Feder der Arcam-Ingenieure.

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Der Marantz wirkte im Kontrast zum Arcam über Cinch und ebenso über XLR im ersten Moment fast behäbig. Aber das wuchtigere und kompakter wirkende Klangbild des Japaners entpuppte sich als ausgesprochen ausgewogen und nicht minder musikalisch. Auch wenn er im ersten Moment weniger gefällig klang als sein englischer Gegner, so wippten die Füsse der Tester doch genauso im Takt mit.

Auch mangelte es ihm nicht an Auflösung, die feinen Details und Texturen von Becken im Hochton- und Saxofon im Mitteltonbereich bildeten sich genauso deutlich aus. Aber beim UD 7007 besaßen alle Klangkörper etwas mehr Masse und Präsenz.

Fazit

Da haben wir zwei Player kombiniert, die im ersten Moment sehr ähnlich wirkten und sich trotz des gleichen Preises signifikant unterscheiden. Arcams schnörkelloser BDP 300 ergänzt die FMJ-Serie um einen geradlinigen 3D-Blu-ray-Player ohne Ballast oder Schnickschnack. Er ist schnell, klingt analog und digital wunderbar klar.

Marantz packt deutlich mehr Ausstattung in seinen UD 7007 mit gleich großem mechanischen Aufwand. Er bietet bei perfekter Digitalwiedergabe zwei hochwertige Analog-Ausgänge, sogar mit XLR-Anschlüssen. Im Paket der Japaner sind aber auch DVD-Audio - und SACD-Wiedergabe und ein vollwertiger Streaming-Client für hochauflösendes Audio und Video enthalten. Das macht den Arcam mindestens zum Preis-Leistungs-Sieger.

 
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