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Vergleichstest Surround-Sets im Test

Bei Heimkino gilt oft: je größer die Boxen, desto teurer. Dabei suchen besonders anspruchsvolle Besitzer edler Flat-TVs eine smarte, unauffällige 5.1-Lösung. Voilà - auch renommierte Hersteller wie B&W und Canton können ihre Satelliten schrumpfen.
Canton Movie 160, 5.1 lautsprecher © Josef Bleier, Stefan Rudnick

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Ein wohlbekannter amerikanischer Hersteller von Surround-Anlagen hat es vorgemacht: Die 5.1-Sets mit den kleinsten Satelliten sind die edelsten und begehrtesten, und das macht ja angesichts des Trends zu immer flacheren Fernsehern auch Sinn. Da wollen die renommierten Lautsprecherhersteller natürlich nicht nachstehen und züchten auch ihre edlen Sets immer mehr auf Miniaturisierung und Wohnzimmerintegration.

Miniatur und Grenze

Indes: Beliebig klein lassen sich auch die Satelliten eines 5.1-Sets nicht bauen. Der Sub kann zwar die tiefen Frequenzen übertragen, die viel Membranfläche und Luftverschiebevolumen erfordern und vom menschlichen Gehör wegen ihrer langen Schwingungsdauer praktisch nicht geortet werden können.

Er darf deshalb - mit raumakustischen Einschränkungen, damit er nicht dröhnt oder phasig klingende Auslöschungen produziert - quasi überall platziert werden. Doch spätestens bei etwa 200 Hz hört dieses psychoakustische Phänomen auf und der Sub droht, vom Gehör doch geortet zu werden.

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Eine gewisse Mindestgröße an Satelliten und deren Mitteltönern ist also physikalisch geboten, denn auch Frequenzen zwischen 200 und 500 Hz erfordern noch eine nennenswerte Luftbewegung.

Um genug Membranfläche und Volumen dafür bereitzustellen, hat jeder Hersteller einen anderen Trick beim Satellitenbau: Man kann etwa zwei Mitteltöner übereinander bauen und die Box so besonders schmal halten. Die Verwendung eines Koaxial-Chassis mit Hochtöner vor dem Mitteltöner bietet sich ebenfalls an.

Und schlussendlich gilt es, das vorhandene Bruttovolumen möglichst gut zu nutzen, also wenig Platz für Gehäusewände und Chassis zu verschwenden. Alu- oder Plastikwände haben sich hier gegenüber Holz durchgesetzt, und beim Magnetmaterial setzen viele auf Neodym. Beim Konzept dagegen bleibt man aus guten Gründen klassisch: Gerade ein Satellit, der oft am Rande des physikalisch Machbaren agiert, profitiert sehr von einem zusätzlichen Hochtöner, den alle

Heco Ambient 5.1A um 700 Euro

Wer heutzutage auf der Suche nach einem gut klingenden Surroundsystem ist, das auch optisch ordentlich was her macht, könnte bei Heco fündig werden. Die Entwickler aus Pulheim blicken auf diesem Sektor nicht nur auf eine lange Tradition zurück, sondern verwenden inzwischen auch neuere Fertigungstechniken, die in diesem Preissegment vor einigen Jahren noch unvorstellbar gewesen wären.

Heco Ambient 5.1A
Klangurteil: 70 Punkte
Preis/Leistung: Überragend
  • +Sehr räumlich und erfrischend klingendes Set
  • +Hohe Spielfreude in Musik und Film
  • +Einfache Handhabung
  • -Im Bass spürbar limitiert

So wurde das Gehäuse der Satelliten aus stabilen Aluminium gefertigt - dies erlaubt aufgrund seiner Eigenschaften eine hohe Festigkeit und Resonanzarmut bei extrem dünnen Materialwänden. Das Plus an Innenvolumen kommt letztlich auch dem Klang zugute. Ein edles, sehr fein und hochwertig gebürstetes Finish erfreut das Auge und macht im Wohnzimmer eine gute Figur.

Auch das Innenleben der Satelliten kann sich sehen lassen: Der 20-mm-Gewebekalotte sowie dem 75-mm-Tiefmitteltöner wurde ein teures Neodym-Magnetsystem implementiert - das ermöglicht durch seine im Vergleich zu herkömmlichen Ferrit-Magneten viel größere Feldstärke einen deutlich höheren Wirkungsgrad.

Der Center verfügt über zwei der 75-mm-Konen, welche dank ihrer Konstruktionsweise aus optimierter Schwingspule und kraftverstärktem Papier überhaupt in der Lage sind, einen hohen Hub innerhalb eines geschlossen Gehäuses zu vollbringen. Damit und in Kombination mit dem Alu-Gehäuse schafft Heco das Kunststück, einen hohen Wirkungsgrad bei kleinsten Ausmaßen zu realisieren.

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Sofort spürbar ist das erstaunliche Gewicht der Aluminiumsatelliten. Das mag zugegeben auch an der stylishen, sechs Millimeter starken Glasplatte liegen, die als Standfuß dient. Aber Stabilität und Standfestigkeit sind schließlich beruhigende Attribute, die Appetit machen auf mehr.

WOMANS WORLD: Edles Äußeres aus Alu und Lack – welche Frau (aber nicht nur) könnte hier schon wiederstehen? Eine Fußplatte aus sechs Millimeter starkem Sicherheitsglas sorgt für sicheren Stand. © Audio
WOMANS WORLD: Edles Äußeres aus Alu und Lack – welche Frau (aber nicht nur) könnte hier schon wiederstehen? Eine Fußplatte aus sechs Millimeter starkem Sicherheitsglas sorgt für sicheren Stand.

Mit der Aufstellung kann je nach Raum und Geschmack experimentiert werden: frei aufgestellt oder wandnah - alles machbar. Im Bereich Tiefton blieb Heco konventionell und fügte dem Set einen nach dem Down-Fire-Prinzip arbeitenden und in seinen Ausmaßen überschaubar gebliebenen Subwoofer hinzu.

Trotz aller Kompaktheit - irgendwo muss das Bassfundament ja herkommen. Und wenn nicht aus dem Gehäusevolumen, dann eben durch den Input an Leistung. Ob Heco hier auch ausreichend liefert? Man durfte gespannt sein, welche Wahrheiten sich im Hörraum auftun würden.

Donnerwetter: Was hier geboten wurde, übertraf die Erwartungen. Im Musikbetrieb klang das Set bei einer Übernahmefrequenz von 150 Hz am homogensten, begeisterte durch einen enorm lebendigen, luftigen und vor allem sehr sauberen Klang. Der Mitschnitt des Livekonzerts "Live At Last" von Stevie Wonder verblüffte durch eine fesselnde und zupackende Gangart, wobei der Woofer in Sachen Bass gerne etwas tiefer reichen dürfte.

Ähnlich bei Filmmaterial. In "Der unglaubliche Hulk" fackelten die Hecos nicht lange und inszenierten ein Spektakel, das mit respekteinflößender Dynamik und packenden Effekten eine prickelnde Atmosphäre schuf. Dialoge kamen mit einer extrem guten Sprachverständlichkeit rüber und transportierten ordentlich Emotionalität. Toll, Chapeau, Heco!

Canton Movie 160 um 720 Euro

Auch bei Canton blickt man mittlerweile auf jahrzehntelange Erfahrungswerte zurück - ein groß klingendes Ensemble mit minimalen Abmaßen auf die Beine zu stellen, ist also eine der leichteren Übungen für die Hessen. Ähnlich wie Heco versucht auch Canton, bei den Satelliten ein größeres Innenvolumen durch möglichst dünne Gehäusewände zu erzielen.

Canton Movie 160
Klangurteil: 68 Punkte
Preis/Leistung: Sehr gut
  • +Schickes Design
  • +Edel wirkende Oberflächen
  • +Klanglich angenehm warm timbriert
  • -Feinzeichnung im Mittenbereich könnte besser sein

Anstelle von Aluminium wurde in diesem Fall Kunststoff gewählt, ein Material, das leicht verarbeitbar ist und bei minimaler Stärke eine ordentliche akustische Festigkeit bietet. Die Satelliten erhielten eine schöne, geschwungene Form, welche stehende Wellen und Resonanzen innerhalb des Luftvolumens minimiert. Die geschlossene Konstruktionsweise kostet zwar Tiefgang, aber der lässt sich über eine höhere Trennfrequenz zum Subwoofer wieder auffangen.

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Nicht nur die Optik, auch die Bestückung kann sich im heimischen Wohnzimmer sehen lassen: Die nur 15 Millimeter und damit ungewöhnlich kleinen Hochtöner wurden aus Aluminium gefertigt, wohingegen die 90 mm großen Chassis für den Tief-Mittelton lediglich optisch auf den Alu-Look getrimmt wurden - im Innenaufbau aber aus klassischem Papier-Pappe-Gemisch bestehen.

Sie dürfen den oberen Grenzfrequenzbereich beackern, wobei ihnen dabei der tiefbauende und nach dem Bandpassprinzip arbeitende Subwoofer gerne und bei Bedarf auch schon recht früh unter die Arme greift. Beim einem solchen System agiert der Woofer - hier im 20-Zentimeter-Format - im Inneren des Gehäuses und gibt den Schall nur über das Resonatorsystem - sprich Luftvolumen und Rohr an die Außenwelt. Ein ausgeklügelter Filteralgorithmus sorgt dafür, dass die Bandbreite vergrößert wird und somit ein im Pegel gewachsener Bass entsteht.

Wand oder Regal? Egal!

Wie bei auch bei Heco lassen sich die Satelliten entweder ins Regal stellen, per mitgelieferter Wandhalterung platzsparend an selbiger befestigen oder auf optional lieferbare Ständer stellen. Alles recht unkompliziert soweit, lediglich die ebenfalls der Miniaturisierung zum Opfer gefallenen Lautsprecherklemmen gaben Anlass zum Grummeln. Für Bananenstecker sind diese schlicht zu klein, so dass auf blanke Drahtenden zurückgegriffen werden muss.

BILDHÜBSCH: Erhältlich in weißem oder schwarzem Finish, verschönern die Cantons dank ihrer gerundeten, harmonischen Form jedes Wohnzimmer. © Audio
BILDHÜBSCH: Erhältlich in weißem oder schwarzem Finish, verschönern die Cantons dank ihrer gerundeten, harmonischen Form jedes Wohnzimmer.

Nach erfolgreich absolvierter Anschluss-Prozedur entschädigte das Canton-Set aber mit einem relaxten, eleganten Auftritt. Dialoge wie z.B. aus dem Film "Stealth - Unter dem Radar" erhielten nicht den ansonsten üblichen glasigen Touch, sondern erklangen natürlich und mit ordentlichem Volumen. Die Rears fügten sich homogen ein und sorgten für ein stimmiges Gesamtbild.

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Schloss man bei etwas gehobenem Pegel die Augen, vergaß man glatt, dass "nur" ein vergleichsweise schmächtiges Set für diesen respektablen Auftritt verantwortlich war. Der Subwoofer konnte, bedingt durch sein schmales Volumen, nicht in die tiefsten Regionen hinabsteigen, aber für den normalen Alltag sorgt er für ausreichend Pegelfestigkeit. Er blieb in seiner Spielweise unaufdringlich, zwar nicht ganz so trocken wie gewünscht, tönte aber auch wiederum nicht zu wattig.

Trotzdem machte er Spaß und sorgte für ordentlich Druck in Richtung des Auditoriums. Bei dem Stück "You Are The Sunshine Of My Life" von Stevie Wonder (von der Blu-ray "Live At Last") konnten die Cantons die enorme Spielfreude der Hecos zwar nicht ganz erreichen und ließen den Obertonglanz und das leuchtende Farbenspiel in den mittleren Frequenzbereichen ein wenig in den Hintergrund treten. Doch zauberten sie eine große Bühne und klangen schön seidig, und entspannt und luden zu stressfreiem Hören ein.

Teufel Cubycon 2 um 1300 Euro

Maximal viel Box fürs Geld - unter diesem Motto machte sich Teufel besonders mit großvolumigen THX-Sets für ernsthafte Heimkinoanwendungen einen guten Namen. Das Cubycon läuft dieser Philosophie mit voller Absicht zuwider, hier durfte ein Gutteil vom Budget auch in eine Miniaturisierung und eine edle Verkleidung besonders der Satellitenlautsprecher fließen.

Teufel Cubycon 2
Klangurteil: 73 Punkte
Preis/Leistung: Überragend
  • +Ausgewogenes Set
  • +Klare Musikwiedergabe
  • +Knackiger Bass
  • -Mehr Grundtonwärme und Pegel täten bei Filmen gut

Die gaben mit ihrer Formgebung zweier gestapelter Würfel - Ähnlichkeitkeiten mit den Sats eines großen amerikanischen Herstellers sind nicht ganz zufällig - dem Sextett auch seinen Namen. Wobei sich die beiden Hälften hier nicht gegeneinander verdrehen lassen, sondern eine massive, feste Einheit aus eloxiertem Aluminiumprofil darstellen.

Das einzige Zugeständnis an den Spieltrieb des Nutzers ist das magnetisch haftende Teufel-Logo, dass sich für einen liegenden Betrieb flugs umetikettieren lässt. Im Gegensatz zu klassisch aufgebauten Satelliten ist es dem Teufel-Sat akustisch relativ egal, ob er liegend oder stehend betrieben wird. Denn der akustisch relevante Mittelhochton wird von einem Koaxial-Chassis wiedergegeben, das lediglich im Grundton von einem zweiten Konustöner - darunter oder daneben, je nach Aufstellung - unterstützt wird.

Für die Wandmontage, ebenfalls wahlweise vertikal oder horizontal, sind zwei rückseitige Ösen ins Alu integriert, die ein problemloses Aufhängen ermöglich. Lediglich die Kabel müssen noch hinter den Alu-Quadern vorbeiführen, die Terminals selbst machen einen absolut soliden Eindruck.

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