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Familientest Plattenspieler Bauer Audio DPS2 und DPS 3.iT

Schon der erste DPS von Willibald Bauer beeindruckte durch konsequente Technik. Mit den Modellen DPS 2 und DPS 3 setzt der Münchner Perfektionist nun noch eins drauf.
Bauer Audio DPS2 und DPS 3.iT © Julian Bauer

Bauer Audio DPS 2 + Rega ST 700
Gesamtwertung: sehr gut, 82 Punkte
Preis/Leistung: überragend
  • +neutrale, plastische Wiedergabe
  • +weist teurere Konkurrenz in die Schranken

Wie doch die Zeit vergeht!, möchte man manchmal als HiFi-Tester ausrufen. Schon über sechs Jahre sind ins Land gezogen, seit wir diesen ganz und gar ungewöhnlichen und zudem in Deutschland gebauten Plattenspieler vorgestellt hatten. Der hört auf den einfachen, aber einprägsamen Namen „Der Plattenspieler“ (dps), bekam angesichts seiner ­Qualitäten im Test in 2/05 ein ­stereoplay Highlight verliehen und wurde insgesamt ein veritabler Erfolg.

Was aber seinen Erdenker Willibald Bauer nicht dazu bewog, sich zurückzulehnen, sondern die Entwicklung konsequent weiter zu treiben. Und nun ist es an der Zeit, die neuesten Versionen DPS 2 für 4850 Euro, bestückt mit dem Arm Rega ST 700, ­sowie DPS 3.iT für 9300 Euro mit dem selbst gebauten Einpunkt-Tonarm anzuschauen.

Bauer Audio DPS 2 + Rega ST 700 © Julian Bauer
Bauer Audio DPS 2 + Rega ST 700

Vom sinnvollen vielschichtigen Aufbau des Ur-DPS wich Bauer nicht ab. Geändert hat er den Unterbau. Jetzt besteht die Basis, die auf einer dämpfenden, grünen Kunststoffmatte ruht, aus einer Aluminiumplatte und nicht mehr aus Granit. Die Dämpfer aus geschäumtem ­Polymer, die in Schalen liegen und die Zarge tragen, blieben aber gleich. Die Zarge aus drei Lagen Birkenschichtholz – zwischen denen sich zwei resonanzmindernde Schwerfolien befinden – hat ebenfalls keine Veränderung erfahren. Und die Acryl-Platte, die das Lager und den Tonarm trägt, liegt weiterhin auf Kork auf der Zarge.

Antrieb

Überarbeitet hat Bauer den Antrieb. Jetzt versetzt ein Drei-Phasen-Synchronmotor mit zwölf Polen den Teller aus Röhm-Plexiglas über den Flachriemen in Rotation. Auch die Motorelektronik wurde über­arbeitet. Und deren zwei neue Versionen machen auch den Unterschied zwischen den Laufwerken DPS 2 und DPS 3 aus.

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Schon der DPS 2 hat eine deutlich komplexere Elektronik als der Ur-DPS, der mit einem Trafo und einer passiven Phasenschieberschaltung auskam. Die Elektronik des DPS 2 besitzt für 33 1/3 wie für 45 Umdrehungen einen Wienbrückengenerator, der eine überdimensionierte Endstufe ansteuert. Darauf folgt eine passive Phasenschieberschaltung.

Bauer Audio DPS 3.iT © Julian Bauer
Bauer Audio DPS 3.iT

Bei der Motorelektronik des DPS 3.iT ist der Aufwand nochmals deutlich größer. Hier wird der Motor mit drei gegeneinander verschobenen Sinus-Schwingungen angesteuert. Da sich aber die Motor­steuerungen einfach tauschen lassen, steht einer – auch nachträglichen – Aufrüstung nichts im Wege.

Dem Tellerlager hat Bauer nur kleine Veränderungen verordnet. Es ist weiterhin ein ­Inverslager, bei dem sich eine Büchse aus einem Kunststoff-Grafit-Kohlefaser-Mix auf einer Rubinkugel dreht. Neu ist aber, dass die feststehende Achse nun aus Harteisen besteht und nicht mehr aus Edelstahl. Was der Münchner beibehielt: Das Lager wird mit einem Ring aus Vitron stabilisiert und somit auch gebremst. Und es dreht sich in einem Silikonölbad.

Bauer Audio DPS 3.iT
Gesamtwertung: sehr gut, 87 Punkte
Preis/Leistung: sehr gut
  • +aufwendige Motorelektronik
  • +faszinierend differenzierte Spielweise

Bauer ist weiterhin davon überzeugt, dass Resonanzen so besser gedämpft sind, als wenn die Büchse direkt auf der Achse schleifen würde. Zudem ist seiner Meinung nach ein belas­teter Motor weniger anfällig für die Abbremskräfte der Nadel beim Abtasten. Die LP sollte fest mit dem Teller verbunden sein. Hier nutzt Bauer eine Schraubklemme aus PVC, deren Klemmart er in den letzten Jahren verfeinerte.

Tonarm

Ein guter Bekannter ist der Rega ST 700, mit dem Willibald Bauer den DPS 2 bestückte. Der Arm mit durchgehendem Rohr aus Aluminium, mit magneti­schem Antiskating sowie feineren Lagern als beim ST 301 bietet ein herausragendes Preis-Leistungsverhältnis.

Doch nur mit zugekauften Armen war Bauers Ehrgeiz nicht befriedigt. So arbeitete er seit Jahren an einem eigenen Modell. Und das heißt, wie bei der Münchner Edelschmiede  üblich, schlicht und einfach Tonarm. Dabei entschied sich Bauer für ein Einpunktlager mit einer feinen Spitze aus Hart­eisen.

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Bewusst wählte er einen relativ hohen Schwerpunkt, ­indem er das Gegengewicht auf der Höhe des Tonarmrohrs aus Kohlefasergeflecht positionierte. Damit will er erreichen, dass bei gewellten Platten der Tonarm leichter reagiert und sich die Spulenposition des ­Abtasters innerhalb des Mag­netfelds nur wenig verändert. Eine gewisse Trägheit ist aber trotzdem sinnvoll, da sonst der Tonarm zu sehr taumeln würde. Deshalb gibt es zwei Paddel am Tonarmrohr, die in dämpfendes Silikonöl tauchen.

Bei einem einpunktgelagerten Tonarm lässt sich der ­Nadelazimuth fein einstellen, selbst wenn die Headshell mit dem Rohr verklebt ist. Dazu hat der  Bauer-Arm ein Gegengewicht mit einem kleinen Lot.

Der Bauer Audio Tonarm

Der Bauer Audio Tonarm 1

Das rasterlose Antiskating ist zwar sehr fein dosierbar, erfordert aber einen Kenner.

Hörtest

Im Hörraum durfte sich erst mal der DPS 2 mit dem Tonarm Rega ST 700 beweisen. Das tat er fulminant mit tiefem, aber auch höchst konturiertem Bass – schon bei den ersten Tönen waren die Tester fasziniert. Nur selten bisher ertönten die Tiefbassorgien von Ricardo Villa­lobos‘ „Easy Lee“ („Alcachofa“ / Playhouse) so druckvoll in tiefer Schwärze bei gleichzeitig scharfer Kontur. Zudem glänzte der DPS 2 mit einer exemplarischen tonalen Neutralität. Da er obendrein eine geradezu gespenstische plastische Abbildung zauberte und auch in Tutti-Passagen klar durchzeichnete, gaben wir ihm nicht nur gleich zwei Punkte mehr als dem Vorgänger „Der Plattenspieler“, sondern verliehen ihm auch ein dickes stereoplay Highlight.

Natürlich waren wir neu­gierig, wie sich der Wechsel der Motorelektronik bemerkbar machen würde. Eine Steigerung war schon mit DPS 3.iT und Rega-Tonarm unüberhörbar. Denn leise Passagen gewannen deutlich an Spannung, feine Betonungen traten klarer hervor, während sich einzelne Instrumente bei große Orchestereinsätzen deutlicher voneinander unterscheiden ließen.

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Noch deutlicher wurde dieser Zuwachs an Klangqualität in der 3er-Version mit dem ­Tonarm von Bauer. Nachteile gab es gegenüber dem DPS 3 mit ST 700 nicht zu verzeichnen. Denn der DPS 3.iT mit dem hübschen hauseigenen Einpunkt-Tonarm glänzte ebenfalls durch einen höchst konturierten Bass, der sogar noch ein wenig tiefer reichte. Auch die Klangfarben gerieten beim Topmodell noch minimal neutraler. Dadurch traten die Eigenheiten der Instrumente klarer hervor. Vor allem aber begeisterte die Hörcrew die Steigerung der Ortbarkeit von Instrumenten oder Stimmen.

Hier war der DPS 3.iT sogar dem deutlich teureren Referenz-Laufwerk Linn LP 12 Radikal mit Tonarm Ekos SE minimal überlegen. Der Linn behauptete sich dennoch, wenn auch knapp, mit etwas besserer Artikulation von Stimmen und einer leicht schwungvolleren Musikalität.

Dadurch brach dem DPS 3.iT kein Zacken aus der Krone, da er in Kombination mit dem Bauer-Tonarm nun zu den aller­besten Plattenspielern gehört, die stereoplay kennt.

Fazit

Wie richtig es ist, sich nicht auf einem sehr guten Ergebnis auszuruhen, zeigt Willibald Bauer mit seinen neuen DPS-Krea­tionen. Schon der DPS 2 mit dem Arm Rega ST 700 ist ein Hit. Der DPS 3.iT mit Bauer-Tonarm schließt dank seiner unfasslich plastischen Darstellung sogar zu den Spitzen der analogen Wiedergabe auf.

 
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