Im Lauf der 35-jährigen AUDIO-Geschichte hat sich die Technik stark gewandelt. Heute prüfen wir fünf hochmoderne Standboxen aller Klassen. Welche Neuentwicklung hat die Nase vorn?
Lautsprecher bieten zahlreiche Stellschrauben, an denen Entwickler drehen können. Gehäuse, Frequenzweichen, Treiber und Rundstrahlverhalten sind hier die wesentlichen Bereiche, und sie beeinflussen sich obendrein wechselseitig. Boxenentwicklung ist deshalb eine Mischung aus Grundlagenwissen, Materialkunde, Hörerfahrung und Intuition. Es überrascht daher nicht, dass die Hersteller angesichts dieser Komplexität recht unterschiedliche konstruktive Akzente setzen.
So legt Gauder Akustik (vormals Isophon) besonderen Wert auf ausgefuchste Weichen. Heco spendiert seinem Mitteltöner ein nobles Alnico-Magnetsystem. Cabasse hat sein legendäres Koaxialsystem weiter perfektioniert. Dali setzt auf Treiber mit ultralinearen Antrieben. Die CWT 1000 von T+A erzeugt Zylinderwellen mit einer Vielzahl von Treibern.
Messlabor Die besten Ergebnisse bei den Frequenzgangmessungen zeigen Dali und Heco mit den geringsten Abweichungen vom Ideal. Die Heco schluckt am wenigsten Leistung und kassiert so auch die kleinste AUDIO-Kennzahl. Die Dali lässt sich aus Verstärkersicht ebenfalls sehr leicht treiben, ihre Impedanzkurve ist sogar linearisiert. Die Gauder-Box zeigt einen Bass-Peak bei 90 Hz. Die Kurven der T+A geben sich etwas wellig. Eine Anhebung im Bass und wenig Präsenz zeigt die Cabasse. Beim Klirr (rechtes Diagramm) liegen alle Modelle im grünen Bereich. Im Bass klirrt speziell die Dali wenig, in den Mitten sind CWT 1000 und Arcona 60 die Besten. Schlusslicht beim Maximalpegel (bezogen auf 1 m) ist mit 98 dB die Gauder-Box, Spitzenreiter sind Heco mit 109 und Dali mit 111 dB.
Fazit
Dank Klippel und Co. hat sich im Boxenbau viel getan. Die Chassis arbeiten deutlich linearer, Filter und Abstrahlverhalten sind besser zu optimieren als noch vor ein paar Jahren.
Das erklärt, warum die ehemaligen Topmodelle mit den aktuell getesteten Spitzenreitern der Hersteller klanglich nicht mehr mithalten können. Von der mal samtigen, mal brachialen Klangdichte und Autorität einer Epicon 8 oder CWT 1000 konnte die HiFi-Gemeinde seinerzeit nur träumen. Auch die übrigen drei Modelle sind enorm klangstark und zählen zu den besten ihrer Klasse. Sie dürfen mir glauben: Das sind alles echte Rosinen.