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Vergleichstest Drei Röhren-CD-Spieler im Test

CD-Spieler mit Röhren-Ausgangsstufe sind en vogue. stereoplay erkundete im Test die Vorzüge von drei Geräten mit recht unterschiedlichen technischen Ansätzen.

Drei CD-Spieler mit Röhren-Ausgangsstufe
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© Hersteller / Archiv

Drei Röhren-CD-Spieler

  • AVM Evolution CD 5.2 (4000 Euro)
  • Ayon CD 07s (2450 Euro)
  • Vincent CD S7 DAC (2000 Euro)

Das hätten sich anno 1982 die CD-Systemerfinder Philips und Sony sicher nicht träumen lassen. Drei Jahrzehnte später meint eine wachsende Zahl von HiFi-Enthusiasten: "Wenn schon CD, dann bitte mit Röhren." Angesichts nahezu perfekter Messwerte heutiger Halbleiterschaltungen mag das zunächst anachronistisch erscheinen. Andererseits ist es im Audio-Bereich nicht ungewöhnlich, dass Technologien mit nach aktuellen Maßstäben ungünstigeren messtechnischen Eigenschaften dennoch bevorzugt werden – aus klanglichen Gründen eben.

Diese Haltung eint HiFi-Fans und Profis. Nicht wenige Toningenieure sind der Auffassung, Musikproduktionen gleich welcher Art sollten mindestens eine analoge Stufe, beispielsweise eine Bandmaschine durchlaufen, um wirklich gut zu klingen. So betrachtet, sind die drei hier vorgestellten CD-Spieler mit Röhren-Ausgang geradezu ideal. Sie spielen nämlich nicht nur Silberlinge ab, sondern bieten gleich mehrere Digitaleingänge, weshalb man sie sogar als externe D/A-Wandler nutzen kann.

AVM Evolution CD 5.2
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AVM Evolution CD 5.2

Der AVM CD 5.2 geht eigene Schaltungswege, um die klanglichen Vorteile der Röhre in die Halbleiterwelt zu bringen.

Und nicht nur das: Alle drei Geräte besitzen eine integrierte Lautstärkeregelung, so dass sie Endstufen oder Aktivmonitore direkt ansteuern können. Und weil die Kleinsignalkabel in solchen Fällen manchmal einige Meter lang ausfallen, bringen die drei auch noch besonders störunempfindliche symmetrische XLR-Ausgänge mit.

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CD-Spieler enthalten von Haus aus viele elektronische Baugruppen, die sich nur mit Halbleitern wirtschaftlich realisieren lassen – beispielsweise die D/A-Wandler. Drum gilt auch für dieses Trio nicht durchgängig das bei Vollröhren-Komponenten gern zitierte Konzept "Kein Sand im Signalweg" – vielmehr stützen sich alle Testkandidaten auf Halbleiter und setzen die glimmenden Glaskolben im Wesentlichen als analoge Ausgangsstufe nach der D/A-Wandlung ein. Erstaunlich ist jedoch, wie unterschiedlich die drei Player das Thema Röhren-Ausgangsstufe interpretieren.

Die Röhren-CD-Player im Test

Der AVM CD 5.2 (zum Test) setzt seine beiden 12AX7-Doppeltrioden ein, um einer Operationsverstärker-Schaltung die entsprechende klangprägende Kennlinie einzuimpfen – im Grunde seines Wesens ist er ein Silizium-Scheibendreher mit Röhrenkennlinie.

Der Ayon CD 07s (zum Test) wünscht sich als Top-Lader einen Stellplatz ganz oben im Rack. Den hat er auch verdient: Seine gefällige Formgebung, verbunden mit hochkarätiger Verarbeitung, macht ihn zu einem echten Schmuckstück, das weitaus kostspieliger erscheint, als es mit seinem Kurs von 2450 Euro tatsächlich ist.

Richtig "vintage" wird es dann mit dem Vincent CD S7 DAC (zum Test). Nicht nur, dass ein extrem passgenau verabeitetes, panzerstabiles Stahlblechkleid den neun Kilogramm schweren Boliden umgibt – auch weckt das robuste Laufwerk Erinnerungen an Antriebe aus den goldenen HiFi-Tagen von Sony.

Röhren-CD-Player: Hörtest

Bei CD-Wiedergabe wurde es den Testern mit dem Vincent so richtig warm ums Herz. Mit vollmundiger, saft- und kraftvoller Intonation sowie einem kernigen Antritt transportierte der Player jede Menge Röhren-Flair in den Hörraum. Verführerisch auch sein durchsichtiger Mitteltonbereich, der Gesangsstimmen anheimelnd rüberbrachte. Der zum Vergleich herangezogene Creek Destiny 2 (61 Punkte) agierte da etwas kühler, punktete aber mit minimal mehr Randschärfe und Detailpräzision.

Von ganz anderer Seite zeigte sich der Ayon CD 07s, war er doch keineswegs darauf aus, spektakulären Röhrensound zu produzieren – von den ersten Takten an faszinierte er durch seine im wahrsten Sinne elegante Vorstellung. Der Ayon vereinte Spielfreude, Sauberkeit und Neutralität in unwiderstehlich-charmanter Mischung – ein Traum. Per USB klang’s zwar ein wenig kantiger, aber die neuen Geräte kommen ohnehin mit 192-Kilohertz-USB-Controller.

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Noch einen Tick direkter, temperamentvoller und dynamisch zwingender gab sich der AVM CD 5.2. Sogar das stereoplay-Highlight Ayre CX 7e agierte etwas zurückhaltender, konterte dafür aber mit mehr Gelassenheit in der Interpretation. Von den drei Testgeräten entsprach der AVM definitiv am wenigsten dem Klischee des Röhrenklangs. Er trat aber auch nicht als Vertreter der überanalytischen Halbleiter-Zunft auf.

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Äußerst spannend verlief der Vergleich zwischen den unterschiedlichen Samplefrequenzen und den Filtertypen. Bei CD-Kost bevorzugte die Jury klar 44,1 Kilohertz mit dem "sharp"-Filter, was deutlich mehr Energie ins Spiel brachte als die "smooth"-Variante. Diese jedoch empfahl sich als die bessere Alternative im 192-Kilohertz-Upsampling-Betrieb.

Fazit

Wie der Test zeigt, stellen Röhren-CD-Spieler tatsächlich eine klangliche Alternative zu ihren Halbleiter-Pendants dar – eine, die nicht mal mehr kostet. Erfreulich, dass sich die Röhrlinge auch in messtechnischer Hinsicht gut schlagen. Dank der digitalen Vorstufen-Funktion lassen sich mit ihnen recht minimalistische Anlagenkonzepte verwirklichen, die in Sachen USB nun auch allmählich mit gängigen DACs aufschließen können.

 
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