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Mai: Phantom Limb - The Pines (Naim Edge / Indigo, CD, LP):
2:35 dauert es, ehe Yolanda Quartey erstmals so richtig zeigt, was sie in der Kehle hat. Bis dahin gestaltet sie den Eröffnungs- und Titelsong „The Pines“ mit kontrollierter Emotionalität, während ihre vier Mitstreiter mit Banjo und pedal steel (prominenter Gast: Greg Leisz) entspannte Countrystimmungen ausbreiten. Dann aber wechselt der Rhythmus vom lockeren Trab in einem mittelschnellen Galopp, aus tiefster Seele kommender Soul tritt hinzu – und das zweite Album von Phantom Limb nimmt Fahrt auf. Wie sehr dieses in Bristol ansässige Quintett dann nach den US-Südstaaten der späten sechziger Jahren klingt, ist schlicht verblüffend.
Von Marc Ford (The Black Crowes) für das Naim-Label wunderbar warm und raumfüllend produziert, transportiert dieses Album das Erbe von Country, Gospel und R&B, von Mavis Staples oder Al Green, auf denkbar beste Weise in die Gegenwart: authentisch, mätzchenfrei, nur der Musik verpflichtet.
Klingt wie: James Cleveland, K. D. Lang, Adele, Ry CooderMusik: 4,5 von 5 PunktenKlang: 4,5 von 5 PunktenJetzt kaufen!
© Edel Content / Edel Kultur
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Mai: WDR Rundfunkorchester Köln feat. Pe Werner, Götz Alsmann, Tim Fischer - Von Kopf bis Fuß (Edel Content / Edel Kultur, CD, LP)
Wenn sie nichts weiter hätte als ihre Stimme – es genügte, um dein Herz zu brechen,“ so schwärmte einst Ernest Hemingway über Marlene Dietrich. Zum 20. Todestag der Diva aus Schöneberg inszenierte das WDR-Rundfunkorchester 2012 eine hin- und mitreißende Live-Hommage. Für alle Interpretationen konnte man auf die Originalpartituren zurückgreifen, und auf der Bühne des WDR-Funkhauses am Kölner Wallrafplatz fand sich ein erstklassiges Entertainer-Trio zusammen: Frech-frisch gibt Pe Werner die „Fesche Lola“, zärtlich singt sich Tim Fischer durch „Allein in einer großen Stadt“, und Götz Alsmann croont „Ich hab noch einen Koffer in Berlin“.
Als Trio lassen sie sogar „Lili Marleen“ temperamentvoll auferstehen, und „Frag nicht warum ich gehen“ gestalten Pe & Götz als ausdrucksstarkes Duett. Das Klangbild ist ein Exempel für besten Live-Sound: mit feiner Auflösung, Homogenität und sauberer Stimmartikulation.
Klingt wie: Hildegard Knef, Lale AndersenMusik: 4 von 5 PunktenKlang: 4,5 von 5 PunktenJetzt kaufen!
© Glitterhouse/Indigo
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April: The DeSoto Caucus - Offramp Rodeo (Glitterhouse/Indigo, CD, LP)
Desoto Caucus? Nie gehört“, sagt das Auge beim Blick aufs Cover. „Ach was, diesen Sound kenn’ ich doch!“, kontert das Ohr nach ein paar Takten – und hat Recht: Hinter dem leicht sperrigen Namen stecken nämlich die Herren Dombernowsky/Heyman/Lund/Pedersen – Qualitätsmusikfreunden bekannt als Begleitband von Howe Gelb, dem heimlichen CEO der Americana-Szene. Außerdem musiziert der Vierer aus dem dänischen Aarhus (klar doch – seit wann haben Cowboys das Monopol auf TexMex-Musik?) auch für Mark Lanegan und Lambchop.
Nun gibt’s zum zweiten Mal nach 2008 Lieder aus eigener Feder: staubige, herrlich melodische („Leaving Odessa“) Moritaten zwischen Country, Folk und Blues, vertont mit dunkel raunender Stimme, typischem Americana-Instrumentarium (plus Posaune, Klarinette und Piano) und eingefangen in einem trockenen, warmen Vintage-Sound, Lichtjahre entfernt vom Bits-&-Bytes-Klangterror der Gegenwart.
Klingt wie: Calexico, Friends Of Dean MartinezMusik: 4,5 von 5 Punkten Klang: 4,5 von 5 PunktenJetzt kaufen!
© Anti/Indigo
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April: Milk Carton Kids - The Ash & Clay (Anti/Indigo, CD, LP)
Zwei Sänger, zwei Gitarren – that’s it. Ein denkbar einfaches Konzept ... das indes schnell langweilig werden kann: Selbst Größen wie Simon & Garfunkel bauten nicht ausschließlich auf die Magie ihrer Stimmen und ihre Fingerfertigkeit. Kenneth Pattengale und Joey Ryan aus Kalifornien dagegen haben die Chuzpe, nur mit einer 1951 Gibson J-45 und einer Martin 0-15 Baujahr 1954 vor Neumann- und AEA-Mikrofone zu treten und ihre zwölf Folk-Songs mal eben live einzuspielen – ganz aufs Wesentliche konzentriert.
Harmonische Vocals und virtuos gezupfte Gitarren ergeben in intimem Tête-à-Tête ein prächtiges Album, das zudem mit lupenreinem Sound überzeugt. Okay, die Ortbarkeit der Instrumente könnte etwas ausgeprägter sein – die Gitarren nehmen mitunter das ganze Stereopanorama ein, sind ineinander verwoben. Doch immer bleibt die Aufnahme durchlässig, natürlich und warm timbriert. Wenn nur alles im Leben so einfach wäre.
Klingt wie: Everly Brothers, Simon & GarfunkelMusik: 4 von 5 Punkten Klang: 4,5 von 5 PunktenJetzt kaufen!
© Provogue/Mascot/Rough Trade
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März: Robben Ford - Bringing It Back Home (Provogue/Mascot/Rough Trade, CD)
Wer unbedingt das Haar in der Suppe sucht: Auf der Gesangstimme liegt für manchen Geschmack vielleicht ein Tick zu viel Hall. Ansonsten aber leistete Tonmann Ed Cherney (Rolling Stones, Bonnie Raitt) im The-Village-Studio von Los Angeles vorzügliche Arbeit und packte Robben Fords rund 50-minütigen Flirt mit Blues und Fusion auf eine großzügige, aber nicht überdimensionierte Bühne. Lässt die Hammondorgel voluminös wabern, die Gitarrensounds funkeln und die Bläser aus der Tiefe kommen.
Und natürlich atmet der makellos dynamische und blitzblank polierte Sound auch den nötigen Schuss historische Patina – schließlich fieselt sich das Saiten-Ass aus Kalifornien hier herrlich old fashioned durch smoothe Zwölftakter und beseelten weißen Soul. Vertont wurde das mit Cracks wie Larry Goldings (Orgel) oder David Piltch (Bass) extrem relaxt, aber stets kompositions orientiert: die perfekte Disc für das Glas Rotwein an einem Freitagabend.
Klingt wie: Joe Cocker - Hand Of Blues (1995).Musik: 4 von 5 Punkten Klang: 4,5 von 5 Punkten.Jetzt kaufen!
© Emarcy/Universal
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März: China Moses - Crazy Blues (Emarcy/Universal, CD,LP)
Das nennt man perfektes Zusammenspiel: Hellwach reagieren Pianist Raphaël Lemonnier und die Bläser-Solisten auf Temperamentsausbrüche und subtile Fingerzeige ihrer Chefin China Moses. Auf ihrem fünften Album leuchtet die Tochter von Dee Dee Bridgewater in die Räume zwischen Blues-Rock und Lounge-Entertainment und spielt ihr famosen Vokal-Qualitäten voll aus – unterstützt von einer transparenten Tontechnik, die dankbar jeden dieser Pastelltöne registriert.
Dank solcher Arbeitsbedingungen atmet sogar der Rhythm-&-Blues-Standard „I Just Want To Make Love To You“ enorme jazzige Sophistication, ohne seine Frivolität zu verlieren – im Gegenteil: China tröpfelt das Öl ins Feuer anstatt damit Wogen zu glätten. Dass just Donna Summers „Hot Stuff“ wie kalter Kaffee klingt: na und? Spätestens bei „Move Over“ muss jeder Fan des Originals gestehen: Die Ausdrucksmöglichkeiten von China Moses besaß eine Janis Joplin nicht.
Klingt wie: Dinah Washington - China (1997)Musik: 4 von 5 Punkten Klang: 4, 5 von 5 PunktenJetzt kaufen!
© Nonesuch/Warner
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Februar: Nataly Dawn - How I Knew Her (Nonesuch/Warner, CD)
Kreativität benötigt nicht viel Geld – nur Mut und innovatives Denken. Das kalifornische Indie-Duo Pomplamoose überraschte ab 2008 mit solchen Tugenden. Jack Conte & Nataly Dawn hinterlegten auf YouTube einige teils geniale Coverversionen von Michael Jacksons „Beat It“ oder Lady Gagas „Telephone“, die mehr als 80 Millionen Views erzeugten. Nun präsentiert Nataly ihr zweites Soloalbum, und Jack (Produktion) sorgte mit Bob Ludwig (Mastering) für eine klangliche Klarheit, die bis in die Tiefen dieser Songperlen hineinhorchen lässt.
Die Instrumente wurden fein aufeinander abgestimmt, die Bassdrum klingt warm und wirkt als treibende Kraft, die Dynamik ist vorbildlich. Im Fokus steht die liebliche, aber dominante Stimme der Missionarstochter, die auf einen mal zarten, mal fast in Tom-Waits-Manier rumpelnden Sound zwischen Folk, Blues und Art-Rock trifft: eine Kombination von immensem Reiz und massivem Charisma.
Klingt wie: Eleni Mandell, Beth Orton, Rickie L. JonesMusik: 4,5 von 5 Punkten Klang: 4,5 von 5 PunktenJetzt kaufen!
© Minor Music / in-akustik
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Februar: Lisa Bassenge - Wolke 8 (Minor Music / in-akustik / CD, LP):
Nanu, die Stimme kennt man doch! Richtig: Lisa Bassenge prägte mit ihren charismatischen Vocals bereits Formationen wie Nylon oder Micatone. Ihr drittes Solo-Album „Wolke 8” nahm die deutschiranische Sängerin nun zusammen mit Paul Kleber (Bass), Christoph Adams (Klavier), Kai Brückner (Gitarre) und Rainer Winch (Schlagzeug) im AudioCue-Tonlabor in Berlin auf. Dabei dauerte es nur drei Tage, um das Grundgerüst aller Tracks einzuspielen. Das spricht für die stimmige Chemie innerhalb der Gruppe, die sich auch im organischen Gruppensound und in der Tontechnik spiegelt.
Neben den hintersinnigen Texten gefallen auf „Wolke 8” die luftige Instrumentierung und der dynamikreiche Sound. Effekte kommen zwar oft, dafür aber stets auf dezente Weise zum Einsatz – immer der Stimmung der teils entspannten, teils spritzig-koketten Arrangements zwischen Chanson und nostalgischem Rock ’n’ Roll angepasst.
Klingt wie: Micatone, NylonMusik: 4 von 5 Punkten Klang: 5 von 5 PunktenJetzt kaufen!
© Daisy Rings / DA Music
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Januar: Ashley Davis - Songs Of The Celtic Winter (Daisy Rings / DA Music, CD):
Weihnachten ist durch, der Winter aber noch lang – da darf schon noch einige Wochen am Christstollen genascht werden. Und an Platten wie dieser: Erhaben zieht „Songs Of The Celtic Winter“ mit Ashley Davis seine Bahn. Wollte man die Sache kurz und knapp auf den Punkt bringen, hieße das Fazit: Hier gibt’s einfach „nur“ schöne Musik in schönem Klang. Das Geheimnis indes liegt in der richtigen Dosierung. Pathos in den Arrangements, Tremolo in der Stimme? Schon, aber nicht zu viel. Hall im Klang? Unbedingt – aber ohne den berüchtigten „Kathedralen“- Effekt, bei dem der Raum in einen übertrieben weiten Himmel wächst.
So gelang der Lady aus Kansas (die in Limerick Irische Musik studierte) ein stimmiges Potpourri aus Eigenkompositionen und keltischen Traditionals. Und wo Genre-Topstar Enya gerne mal ein wenig kitschig klingt, gibt sich Ashley Davis zwar ähnlich feierlich, aber Folk-verbundener im Ton.
Klingt wie: Enya, Clannad, Loreena McKennittMusik: 4,5 von 5 Punkten Klang: 4,5 von 5 PunktenJetzt kaufen!
© Glitterhouse/Indigo
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Januar: Dakota Suite - An Almost Silent Life (Glitterhouse/Indigo, CD, LP):
"The most beautiful sound next to silence“ – diese Zeile kreierte einst das Münchner Label ECM als ultimativen Claim für eine Plattenfirma. Einen ähnlichen Ton schlägt hier Chris Hooson an: „An Almost Silent Life“ nennt der Kopf des englischen Ensembles Dakota Suite dieses neue Album – und zeigt in ruhigen Grenzgängen zwischen Folk und Minimal Music, dass auch er genau weiß, wie wichtig Stille, an den richtigen Stellen gesetzt, für die Aura der Musik ist.
Die Technik unterstreicht diese Philosophie mit einem fein aufgelösten Sound, der gar nicht daran denkt, jedes Stäubchen aus der Tonspur zu kehren – und so diese leisen, von Piano, Gitarre oder Klarinette getragenen Akustikpretiosen intim-atmend abbildet. Im Sinne von Vorbildern wie den Jazz-/Klassik-Feingeistern Bill Evans und Arvo Pärt wird hier jeder Ton reflektiert und hinterfragt und nur gespielt, was unbedingt nötig ist. Dass dennoch alles Seele hat, zeigt die Handschrift wahrer Könner.
Klingt wie: Willard Grant Conspiracy, LambchopMusik: 4 von 5 Punkten Klang: 4, 5 von 5 PunktenJetzt kaufen!