Vergleichstest Denon AVR 2313 und Pioneer SC 2022 im Test
Denon AVR 2313 und Pioneer SC 2022 im Vergleichstest: Die Anschaffung von HiFi- und Heimkino-Verstärkern will stets wohlüberlegt sein. Was ist am wichtigsten? Maximale Ausstattung, fetteste Endstufen oder einfachste Handhabung? Welches Feature bringt wirklich klangliche Fortschritte? Einige wenige Hersteller bieten die im Folgenden getestete Kombination an, die sich in der Theorie zunächst vernünftig anhört: Man nehme die Decoder-und Video-Mimik aus der kleineren Serie, verbinde sie mit der Endstufentechnik der Topmodelle und setze als Sahnehäubchen – statt noch mehr unsinnige Features aus der Fantasie des Marketings – einen laienfreundlichen Einrichtungsassistenten auf die komplexe Struktur des Boliden.
© WEKA
Denon wiederum arbeitet an einem Firmware-Update. Es bietet lückenloses Gapless-Streaming für Klassik- und Livemusik-Fans und soll auch Apple-Lossless-Audio, kurz ALAC, spielen können.
Denon AVR 2313 und Pioneer SC 2022 im Vergleichstest: Unterschiede
Grundlegend unterscheidet sich das Duo in seinen Einmessverfahren. Während Denon traditionell auf Audyssey setzt, das sich neben Pegel und Justage hauptsächlich mit dem Frequenzgang beschäftigt, setzt Pioneer exklusiv auf MCACC (Multi-Channel Acoustic Calibration), das sich über die genannten Themen hinaus um die Gruppenlaufzeiten und damit das Zeitverhalten der Lautsprecher sowie des Raums kümmert und ebenfalls hervorragend funktioniert – insbesondere bei der Kombination konstruktiv verschiedener Boxen in einem Surround-System. Im Versuch gelang MCACC das eine oder andere Mal die Ankopplung kleiner Lautsprecher an den Subwoofer besser als Audyssey, und das Set spielte anschließend wie aus einem Guss. Doch auch Audyssey macht seine Sache stets mehr als ordentlich. Korrekt angewendet, leisten beide Systeme gute Dienste.
Denon AVR 2313 und Pioneer SC 2022 im Vergleichstest: Installation
Wieder auf der gleichen Spur wandelten die konkurrierenden Entwickler bei der Handhabung der komplexen Verstärker – und das vor allem beim Einrichten des Systems. Pioneer wie Denon bieten ausführliche Installationsassistenten. Sie begleiten in klarem Deutsch mit Schrittfür-Schritt-Anleitungen den gesamten Anschluss- und Einmess-Prozess. In der technischen Ausführung unterscheiden sich die Lösungen aber wieder. Während Denon die Anleitung exklusiv auf dem TV einblendet – der zumindest muss schon mal angeschlossen sein –, bietet Pioneer seinen Einrichtungsassistenten auch für Windows-Computer, iOS (Apple) und Android an und setzt statt des Fernsehers eine funktionsfähige Netzwerkverbindung voraus.
© WEKA
Auch an anderer Stelle setzen die Teams unterschiedliche Schwerpunkte. So verbaut Pioneer eine etwas einfachere Videotechnik, verarbeitet alles bis Full-HD und 3D, kann aber beispielsweise keine Infos wie etwa die Lautstärkeeinstellung ins laufende Bild einblenden. Und bei einfach per Cinch (FBAS) angeschlossenen Quellen hält sich die Schärfe in Grenzen. HDMI-Material aber setzt der SC 2022 dank sehr guten De-Interlacers und Scalers perfekt und knackscharf um. Denon haut in Sachen Video schon ein Pfund mehr drauf – und das bis zur vierfachen Full-HD-Auflösung, 4K genannt (weil horizontal circa 4.000 Pixel verwendet werden). Der AVR 2313 kann selbst bei dieser erst zukünftig relevanten Riesenauflösung noch Menüs über das laufende Filmbild einblenden. Auch analog zugespieltes Video schaut etwas knackiger aus als beim Pioneer.
Denon AVR 2313 und Pioneer SC 2022 im Vergleichstest: Hörtest
Im Hörtest schließlich durften die zwei AV-Experten ihre Endstufen-Muskeln spielen lassen. Das konnten sie beide sehr gut, denn an Kraft mangelt es ihnen wahrlich nicht. Aber die Lösungsansätze für die Krafterzeugung stammen erneut aus entgegengesetzten Philosophien. Denon übernimmt das Schaltungskonzept seiner Topmodelle mit konventionellen analogen Endstufen und Einzeltransistorpärchen pro Kanal. Pioneer verbaut hochmoderne Schaltendstufen von hoher Leistung und weitem Arbeitsbereich, was auch den Einsatz echter Vier-Ohm-Lautsprecher erlaubt. „Direct Energy HD-Verstärker“ nennen die Japaner das. Die hocheffizienten Endstufen arbeiten mit sehr hohem Wirkungsgrad und erzeugen daher nur wenig Abwärme. Sie sind in einer eingekapselten Kammer hinten im AV-Receiver verbaut und werden bei Bedarf mit einem kleinen Ventilator zwangsbeatmet, der sich im Test unauffällig verhalten hat.
Denon AVR 2313 und Pioneer SC 2022 im Vergleichstest: Analog- vs. Digital-AMP
© WEKA
Klare Sache: Ein weiteres Gerät als Maßstab musste her – und das fanden die Tester in Gestalt des Yamaha RX A 2010 im Regal. Dieser Receiver klang wunderbar ausgewogen und kraftvoll. Der Denon ähnelte ihm am ehesten und unterlag dem teureren Konkurrenten nach längeren Vergleichen in nur wenigen Teilaspekten. Zwar lieferte der AVR 2313 noch etwas konturiertere Mitten, aber im Bass zog er den Kürzeren, mit weniger Masse und Kraft. Auch bildete er den Raum nicht ganz so tiefenscharf ab.
© WEKA
Denon AVR 2313 und Pioneer SC 2022 im Vergleichstest: Fazit
Da fällt die Wahl schwer. Der Denon bringt die etwas bessere Ausstattung mit, der Pioneer das noch cleverere Einmesssystem. Beim Denon gefällt die aufgeräumte Fernbedienung. Pioneer kontert wiederum mit den besseren Apps. Fakt ist, und das stellt eigentlich schon das größte Lob dar: Mit beiden Receivern lassen sich Film und Musik einfach stressfrei über Stunden genießen.