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Surround-Set Canton Reference-Set im Test

Kraftpaket mit besten Manieren: Canton liefert neue Center und Woofer für die Reference-Serie – mit gigantischen Kräften und betont kultiviertem Klang. stereoplay hat sie getestet.
Canton Reference-Set im Test © Julian Bauer

Mann, ist der groß geworden! Der Spruch, der bei Heranwachsenden akuten Großtantenalarm auslöst, passt auch zum neuen Reference-Center von Canton. Das wuchtige Tonmöbel streckt sich auf 80 Zentimeter Breite und drückt mit 44 Kilogramm, inklusive serien­mäßigem Fuß, gen Süden.

Ein wenig täuscht der Eindruck, weil der Center auf dem Foto weiter vorn steht als die Standboxen, die Reference 5.2 DC heißen. Dennoch geriet die Dimensionierung großzügig – sie ist der Tatsache geschuldet, dass der mittlere Kanal bei Multichannel vielfach besonders intensiv gefordert wird.

Praxis: Lautsprecher richtig aufstellen

Der Breitling nutzt die gleichen Treiber wie die Standbox, nur anders angeordnet und zur Kompensation des so veränderten Rundstrahlverhaltens geringfügig anders beschaltet. Die starke akustische Verwandschaft garantiert gleichbleibende Klangfarben und ­stabile räumliche Bezüge. Falls der Center durch nahe Möbelstücke oder Bildflächen doch mal abweichend tönen sollte, helfen Ortsfilter an der Rückseite bei der Wiederherstellung der nötigen Harmonie.

Die Woofer nutzen stromsparende Digitalamps mit Schaltnetzteilen. © Julian Bauer
Die Woofer nutzen stromsparende Digitalamps mit Schaltnetzteilen.

Genau wie die Standboxen verfügt auch der Center über ein integriertes Hochpassfilter, das die Boxen vor unsinnigen Subsonic-Frequenzen schützt und simultan im hörbaren ­Bereich einen beachtlichen Tiefgang sichert. Es reicht bis etwa 38 Hertz.

Subwoofer als Spaßmacher

Wo wir gerade bei der Messtechnik sind: Bis zu 110 Dezibel Schalldruck stemmen die Komponenten jeweils für sich. Zu fünft (vier Standboxen, ein Center) reichen die Reserven bei gleichzeitiger Vollaussteuerung noch mal einige Dezibel höher; immer unter der Voraussetzung, dass die Endstufen nicht vorzeitig schlapp machen.

Die Fernbedienung mit LED-Rückmeldung ist nur so groß wie eine Scheckkarte. © Julian Bauer
Die Fernbedienung mit LED-Rückmeldung ist nur so groß wie eine Scheckkarte.

Subwoofer sind bei derart erwachsenen Boxen nicht zwingend nötig, doch sie erhöhen den Spaß vor allem mit Filmton nochmals beträchtlich. Optisch und klanglich optimal passt
der erst kürzlich präsentierte SUB 850 R, der gleich im Doppelpack zum Test antrat.

Praxis: Raumeinmessung selbst gemacht

Das über 30 Kilogramm schwere Gerät trägt einen hubfreudigen 12-Zöller in Kombination mit einer Passivmembran gleicher Größe, die in Richtung Fußboden abstrahlt. Der sanft gerundete Bassbrocken ist DSP-gesteuert und lässt sich über eine Scheckkarten-Fernbedienung feinfühlig anpassen.

Der 12 Zoll große Aluminium-Konus der Aktivwoofer ist mit verschiedenen Radien ausgestattet und deshalb extrem steif. Eine mehrfach gefaltete Sicke aus Gummi gestattet größte Hübe. © stereoplay
Der 12 Zoll große Aluminium-Konus der Aktivwoofer ist mit verschiedenen Radien ausgestattet und deshalb extrem steif. Eine mehrfach gefaltete Sicke aus Gummi gestattet größte Hübe.

Der für Aktivwoofer obligatorische Limiter arbeitet beim SUB 850 frequenzselektiv und kann so die Hubfähigkeiten der Schwingsysteme maximal ausnutzen. Die Pegelreserven sind ähnlich hoch wie die der Standbox, bei ungleich ausgedehnterem Tiefgang.

Während in sehr kleinen ­Boxensets meist alle Tiefbassanteile unbedingt den Subwoofern zugewiesen werden müssen (Speaker-ModeSmall“), sind solche Manöver für das Canton-Reference-Set zwar ebenfalls denkbar, aber nicht wirklich notwendig. Im Hörtest klang die Kombination im „Large“-Modus authentischer als mit Beschneidung.

Der Center bietet Ortsfilter  zur klanglichen Anpassung. © Julian Bauer
Der Center bietet Ortsfilter zur klanglichen Anpassung.

Großformatige Standboxen wie die Reference 5.2 auch für die hinteren Kanäle einzusetzen, mag übertrieben erscheinen, ist es aber keineswegs. Die Zeiten, wo den hinteren Zweigen nur ein band- und vielfach dynamikschwaches Signal zufloss, sind schon lange vorbei.

Keine Filterung nötig

Der Einsatz von Direktstrahlern rundum – Dipole hat Canton nicht im Programm – sichert eine hohe Abbildungspräzision bei mehrkanaligen Musikaufnahmen. Falls die Direktheit bei Filmen stört, lässt sich die gewünschte Diffusität durch ein Wegdrehen der Rear-Speaker vom Hörplatz erzeugen.

Besondere Aufmerksamkeit widmeten die Canton-Entwickler den Gehäusen ihrer Spitzenbaureihe. Die Wände sind aus noblem Schichtholz gefertigt, das unter Druck und Hitze verformt wird und so eine überragende Steifigkeit erzielt. Die Oberflächen sind furniert oder hochglänzend lackiert.

Kaufberatung: Empfehlenswerte Lautsprecher unter 700 Euro

Mit fünf Standboxen, einem Kompaktmodell und demnächst auch einem zweiten Center unterhalb des hier getesteten 55.2 eröffnet die Reference-Baureihe zahlreiche Optionen für Mehrkanal-Freunde.

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Die getestete Kombination mit vier Standboxen und identisch bestücktem Center verspricht eine perfekte Kanalgleichheit und ist deshalb auch für audiophile Ansprüche geeignet. Die Säulen vorne sind obendrein dem klassischen ­Stereobetrieb vollauf gewachsen, selbst wenn die Subwoofer ausgeschaltet bleiben. Dies wird in der Praxis allerdings kaum passieren, denn die beiden SUB 850 sind gewissermaßen die Sahnehäubchen zu einem sowieso schon erstklassigen Schallwandler.

Die Reference 5.2 begeistert mit vorbildlicher Neutralität und feinster Aussprache, welche selbst in stressigen Situationen erhalten bleibt. Auch der für viele Hörer so wichtige Bassbereich kommt absolut sauber, obwohl der allerletzte Tiefgang nicht übertragen wird. Dieses Manko lässt sich aber mit dem SUB 850 leicht aus der Welt schaffen. Speziell mit zwei boxennahen Exemplaren erwächst ein 2.2-Setup von allerhöchster ­Homogenität.

Mehr zur Sache geht es naturgemäß im Mehrkanalmodus. Bei Konzertmitschnitten werden leise Publikumsäußerungen wie selbstverständlich hinzu­addiert, ohne dass die Verständlichkeit des eigentlichen Geschehens darunter leiden würde. Die räumliche Illusion eines Konzertsaals oder gar einer Sportarena gelingt atemberaubend realitätsnah.

Kaufberatung: Top-Speaker um 2000 Euro

Richtig spannend wird es, sobald hochauflösender Filmton die Schwingspulen flutet. Der hyperneutrale und glockenreine Charakter, selbst in Szenen, die Dialoge, Musik und Geräusche gleichzeitig beinhalten, lässt das Equipment völlig in den Hinter­grund treten. Man konzentriert sich auf die künstlerischen Inhalte und genießt eine mediale Dichte, die alle Sinne gleichzeitig anspricht.

Von Action-Spektakeln wie „Tron Legacy“ mag man halten, was man will, der Spaßfaktor ist auf jeden Fall gigantisch. Er reicht bis in die Magengrube, wo die Subwoofer und nicht nur sie einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Zeitweise wirkt die Intensität der Soundeffekte so überwältigend, dass man fast Angst um die Boxen bekommen möchte. Die aber stecken das Spektakel locker weg.

Wenn am Ende das Gute wieder mal gewonnen hat, bekommt man Lust auf einen versöhnlichen Ausklang mit leiser und sanfter Musik zum Runterkommen. Auch da bewährt sich das Set rundum.

 
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