Menü

Vergleichstest Arcam FMJ D33 und Musical Fidelity M6 DAC im Test

Zwei brandneue D/A-Wandler aus dem Vereinigten Königreich wollen auch anspruchsvolle Musikhörer bezirzen. Ob Arcam und Musical Fidelity dieses Vorhaben wohl gelingt?

D/A-Wandler im Test © Julian Bauer, MPS, Archiv

Vielleicht ist es Zufall – vielleicht war es von ihren Machern aber auch so geplant. Mit dem Arcam FMJ D33 und dem Musical Fidelity M6 DAC stehen sich jedenfalls zwei D/A-Wandler gegenüber, die erstaunlich viel gemeinsam haben. Zunächst mal stammen beide aus Großbritannien und kosten mit 2.500 beziehungsweise 2.550 Euro beinahe das Gleiche. Zudem nehmen beide Hersteller für sich in Anspruch, vor rund 35 Jahren die digitale Audiotechnik mit dem ersten externen D/A-Wandler spürbar vorangetrieben zu haben.

Auch strategisch schlagen die britischen Hersteller den gleichen Weg ein und wenden sich mit ihren 43-Zentimeter-Vollformat-Gehäusen vorrangig an die Besitzer gestandener HiFi-Systeme, die bereits eine analoge Vorstufe oder einen Vollverstärker besitzen. Denn weder der D33 noch der M6 DAC bringt eine Lautstärke-Einstellung oder einen Kopfhörer-Verstärker mit – D/A-Wandler pur sozusagen. Dafür punkten beide Kandidaten neben den üblichen Cinch-Analogausgängen mit elektronisch symmetrierten XLR-Ausfahrten sowie beigepackten Fernbedienungen.

Ausstattung

Da der Arcam und der Musical Fidelity die gleiche Zielgruppe ansprechen, sind weitgehend identische Ausstattungsmerkmale beinahe unvermeidlich. Bei D/A-Wandlern zeigt sich das in erster Linie an den Digital-Eingängen: Die zwei Geräte besitzen neben den üblichen koaxialen und optischen S/P-DIF-Anschlüssen auch einen symmetrischen 110-Ohm-AES/EBU-Eingang.

Praxis: Alles über D/A Wandler

Selbstverständlich verarbeiten beide Briten High-Resolution-Audiomaterial bis zu 24 Bit bei 192 Kilohertz Abtastfrequenz (96 Kilohertz über die optischen Toslink-Eingänge). Und wie es sich für hochwertige DACs heutzutage gehört, verfügen sie auch über USB-Schnittstellen, die im Jitter-reduzierenden Asynchron-Modus arbeiten und Hi-Resolution-Kost bis hin zum 24/192-Format verarbeiten können.

Arcam FMJ D33

Arcam FMJ D33, 2500 Euro

Natürlich gibt es auch ausstattungsmäßige Besonderheiten. So verfügt der Arcam über eine kabelgebundene iPod-Schnittstelle mit digitaler Signalübertragung. Der Musical- Fidelity-Wandler wiederum punktet mit einem Bluetooth-Interface zum drahtlosen Audiosignal-Transfer von mobilen Quellen, das auch die anspruchsvollen EDR- und apt- X-Standards beherrscht – sofern vom Sendegerät unterstützt.

Arcam FMJ D33
Gesamtwertung: überragend, 92 Punkte
Preis/Leistung: sehr gut
  • +hochwertig verarbeitet
  • +gute Ausstattung
  • +atmosphärischer Klang
  • -kein Lautstärkesteller

Spezialität des Arcam ist sein zweiter USB-Eingang nach Audio-Class-1-Norm, der bei den gängigen Betriebssystemen ohne Installation zusätzlicher Treiber die Tonübertragung von Signalen mit maximal 96 Kilohertz Samplingrate ermöglicht. Der Musical Fidelity hingegen profiliert sich mit seiner schaltbaren Eingangspegel-Einstellung, über die sich Lautstärkesprünge beim Umschalten der digitalen Tonquellen vermeiden lassen. Während der Arcam die aktuelle Digitalquelle über LEDs anzeigt, benutzt der Musical Fidelity hierfür ein Display, das auch alle anderen Betriebszustände anzeigt – sogar eine individuelle Namensvergabe für die Tonquellen ist möglich.

Arbeitsweise

Beim Blick unter die Haube offenbaren sich dann aber doch größere Unterschiede. Der wohl wichtigste: Der Musical Fidelity M6 DAC arbeitet unabhängig vom Eingangssignal als konsequenter Upsampler stets mit 192 Kilohertz Abtastrate. Hierfür beschäftigt er den asynchronen Konverter-Baustein SRC 4392 von Texas Instruments, der die beiden kanalgetrennten, im verzerrungsmindernden Differentialmodus arbeitenden DAC-Chips (Burr-Brown DSD 1796) versorgt. Durch das Upsampling bleibt Tonquellen-bedingter Jitter weitgehend außen vor.

Drei digitale Vorverstärker im Test

Der Arcam D33 hingegen erspart sich eine zusätzliche Abtastratenkonvertierung: Bei ihm erfolgt die D/A-Wandlung stets mit der aktuellen Sampling-Frequenz der Tonquelle. Als DAC-Chips verwendet er zwei ziemlich kostspielige PCM 1792 von Burr-Brown, die wie die Exemplare im Musical Fidelity im Differentialmodus arbeiten. Allerdings umgeht er deren integrierte Digitalfilter und setzt stattdessen auf eine Arcam-eigene Lösung in Form eines Field Programmable Gate Array (FPGA) vom Marktführer Xilinx.

Musical Fidelity M6 DAC

Musical Fidelity M6 DAC, 2550 Euro

Stromversorgung

Individualismus zeigen die beiden Briten auch in Sachen Stromversorgung: Während sich der Arcam mit zwei recht üppigen Ringkerntransformatoren getrennt für Analog- und Digitalteil eher klassisch gibt, setzt der Musical Fidelity auf ein Metalldach-geschirmtes Schaltnetzteil, dem eine aufwendige Siebkette mit 32 Folienkondensatoren und einer sogenannten stromkompensierten Drossel (Choke) nachgeschaltet ist. Dank ihrer gegensinnigen Wicklungsweise lässt diese auch impulsförmige Versorgungsströme nahezu ungehindert passieren, während sie für hohe Gleichtakt-Frequenzen (zum Beispiel netzbedingte Störkomponenten) eine nahezu unüberwindbare Hürde darstellt.

Hörtest

Wie kaum anders zu erwarten, boten die Kandidaten im Hörtest eine gleichermaßen hochkarätige Vorstellung. Individuelle Ausprägungen äußerten sich dabei nicht als Qualitätsunterschiede. Pointiert ausgedrückt, schlug der Wandler von Musical Fidelity die eher Grundton-orientierte, organischere Richtung ein, während sein Widersacher etwas luftiger daherkam.

Kaufberatung: Digitale Vorverstärker im Test

Unabhängig vom Eingangssignal gab sich der Musical Fidelity meist etwas trockener, konkreter, zielbewussster. Er machte die randscharfe Darstellung der Klangkörper zu seinem Anliegen, der Arcam D33 wiederum zauberte viel Atmosphäre. In Sachen Raumabbildung staffelte er die virtuelle Bühne denn auch ein wenig weitläufiger, derweil der M6 eher die Bühnentiefe ausloten wollte. 

Musical Fidelity M6 DAC
Gesamtwertung: überragend, 93 Punkte
Preis/Leistung: sehr gut
  • +perfekt verarbeitet
  • +üppige Ausstattung
  • +sauberer Klang
  • -kein Lautstärkesteller

So erstaunt es nicht, dass der Musical Fidelity alles in allem etwas nüchterner wirkte, während sich der Arcam minimal bewegter, emotionaler gab. Bei High-Resolution-Kost via USB trat der Arcam unten herum noch eine Spur temperamentvoller auf und ließ zum Beispiel die Drums in "Please Read The Letter" mit Robert Plant & Alison Krauss etwas ungezügelter krachen. Für einen Vorsprung reichte es aber nicht, da der Musical Fidelity im Gegenzug ein wenig aufgeräumter, geordneter auftrat. Ein tolles Feature war überdies seine Bluetooth-Schnittstelle, die mit iPhone & Co. erstaunlich gut klang.

So konnte das einzig gerechte Ergebnis auch nur lauten: Gleichstand für beide.

Fazit

Mehr lesen

Es kommt nicht oft vor, dass sich zwei Testkandidaten so exakt auf Augenhöhe begegnen wie diese beiden anspruchsvollen D/A-Wandler von der Insel. Normalerweise finden Tester immer irgendein Haar in der Suppe – doch egal, ob Ausstattung, Verarbeitung, Messwerte oder Klang: Die Probanden zeigten sich gleichermaßen in Bestform.

Wünschen würde man sich allenfalls für beide eine integrierte Lautstärkeeinstellung zum direkten Anschluss von Aktivlautsprechern. Angesichts des Gleichstands darf guten Gewissens der Klang entscheiden: Wer's etwas lockerer, luftiger mag, wählt den Arcam, wer hingegen Akkuratesse und Stringenz bevorzugt, der greift zum Musical Fideltity.

 
Anzeige
Anzeige
x