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Vergleichstest Amps von Sugden und Lavardin im Test

Die beiden Verstärker Sugden Masterclass IA 4 (4950 Euro) und Lavardin IS Reference (3300 Euro) zeigen weder Allüren noch viel Leistung – aber sie bringen alles für eine glänzende Zukunft mit.
Verstärker Sugden und Lavardin © Julian Bauer

Keine Frage, es genügt nicht, wenn die Firma Sugden in einem altehrwürdigen, in der Nähe von Leeds gelegenen Mühlen-Städtchen wie Heckmondswike ihr Handwerk betreibt. Wenn die Engländer 4950 Euro für ihren Vollverstärker namens Master­class IA 4 aufrufen, müssen sie schon etwas Besonderes bieten. Für den IS Reference, der 3300 Euro kostet, gilt Ähnliches. Dieser Hersteller residiert im zentralfranzösischen Fondette und firmiert unter dem Label Lavardin – das ist der klangvolle Name unter anderem eines nahe gelegenen, mittelalterlichen Loire-Dörfchens, das zu den schönsten des Landes zählt.

Lavardin

Dem skeptischen High Ender genügt noch nicht, dass Lavar­din zu dem nur 6,5 Kilo schweren IS eine Sperrholzplatte mitliefert und diese als einzig würdige Unterlage anpreist. Zu diesem Verstärker empfiehlt Lavardin eigene Anschlusskabel, quasi mit Loire-Wassern gewaschen.

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Das Interesse könnte bei der Beschreibung der Firmenphilosphie im Prospekt sogar gänzlich erlöschen. Sie beschwört „Memory Distortions“, die ein Lavardin-Amp angeblich vermeiden kann. Das heißt zu Deutsch „Erinnerungsverzerrungen“! „Danke, das reicht“, erregt sich jetzt der kritische Geist. Dann schnürt er den Lavardin-Sack lieber wieder zu und erst wieder auf, wenn er Konkreteres von der Arbeit des Firmengründers Gerard Perrot erfährt. Der Mann hat sich sein Leben lang – mathematisch und messtechnisch – mit Verstärkern befasst. Mit einer (in den USA patentierten) Schaltung schaffte er es, ein Grundübel der Halbleiterei anzugehen: Arbeitspunkte wackeln – thermisch bedingt – wie Kuhschwänze. Dies wiederum bedeutet, dass ein gängiger Transistor-Amp sich mal so und mal so geriert, was das menschliche Ohr irritiert – und ganz und gar nicht schön klingt. 

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Referierte Perrot über seine Verzerrungen (wegen zeitlichen Verzugs „Memory“ genannt) frank und frei sogar in Fernost, hat die Firma heute absolute Geheimhaltung angesagt. So bleibt dem Tester nicht anderes übrig, als den Signalweg im IS Reference selbst zu verfolgen, der von einzeln mit der Rückwand verschraubten Eingangsbuchsen über Kupferlack-Drähtchen zu Finder-Relais führt. Von dort aus ziehen sich längere Platinenbahnen zu einem Alps-Potentiometer hin und zu einem Kunststoffklotz, der mit Sicherheit nicht nur als Sichtschutz dient. Er hält vielmehr – während Kühlkörper-bewehrte Profi-Regler konstante Versorgung sichern – die vergossenen Bauelemente thermisch bei der Stange.

In den folgenden Spannungsverstärker-Stufen arbeiten  Gruppen von Einzeltransistoren, deren Anordnung der Patentschaltung von Perrot gleicht (und ein wenig an „SuSy“ von Nelson Pass erinnert, siehe Ausgabe 8/08).

Pro Kanal findet sich dann – von Spannfedern an ein rot gefärbtes Alublech geklemmt   – ein Pärchen TIP 142 / 147 von ST-Electronics. Die Kärrner-Arbeit der Stromaufbereitung überlässt Lavardin also sogenannten Darlington-Halbleitern, die End- und Treibertransistoren in einem Gehäuse beinhalten. 

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Zur Ernährung stehen vier feinste British-Components-Elkos (die das Vielfache von Normalware kosten) auf der Hauptplatine bereit. Doch beim Rest des Netzteils wollte sich Lavardin nicht die Finger schmutzig machen. Deshalb kaufte man eine (vernietete und nur mit Gewalt zu öffnende) Fertigpackung zu.

Lavardin IS Reference

Lavardin IS Reference

Lavardin kauft zwar die Aluminium-Schachtel von der verschwägerten Firma CEVL komplett zu, doch darin befindet sich nicht etwa ein Schaltnetzteil, sondern ein kleiner, feiner, klassischer Ringkern-Netztrafo.

Sugden

Solch eine Vorgehensweise  käme für die Crew von Sugden nicht in Frage. Sie erzählt auch keine Romane auf der Homepage – etwa, dass James E. Sugden schon in den 60ern (!) die Vorteile von Class A akribisch beschrieb und wohl die ersten Class-A-Amps an Musikfans verkaufte. Nein, die Crew aus Heckmondswike schraubt lieber Stück für Stück hitze- und austrocknungsfeste Elkos mit stabilen Fassungen an das ein Zehntel Zoll (2,54 Milli­meter) dicke Bodenblech.

Die Mitte des Verstärkers Sugden Masterclass IA 4 füllt ein Eisen­topf aus. Darin sitzt ein kerniger 350-Watt-Ringkerntrafo, der die linken und rechten 10000-Mikrofarad-Kondensatoren über separate Wicklungen laden kann. Die supermassiven Seiten-Kühlkörper, die aus einem Stahl-Alu-Sandwich bestehende Frontplatte – bei Sugden strotzt alles nur so vor Solidität. Selbst den Körper des Einschalters drehten die Sugden-Leute aus einem ordentlichen Stück Vollmetall.

Mit all dem wollen sie aber nicht unbedingt optischen Eindruck schinden. Ihnen ging es vielmehr darum, eine möglichst hohe Wärmekapazität zusammenzubringen, und darum, dass der Amp mit allen Teilen viel Wärme abschlagen kann.

Ziel ist letztlich, die verstärkenden Transistoren mit sehr hohen Ruheströmen betreiben zu können – so hohen, dass die Halbleiter immer ganz eng bei ihrem optimalen Arbeitspunkt bleiben und der Musiksignal-Umsatz nur einen kleinen Teil des Ladungsverkehrs ausmacht. Also: Wenn der Lavardin mit Schaltungstricks für minimale Verzerrungen sorgt, stellt ­Sugden mit Energie-Gewalt die Ruhe des besagten Kuhschwanzes her.

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Zur Freude des High Enders liefert der Masterclass IA 4 auch ein ordentlich klingendes MM-Phonoteil, mit zusätzlichen symmetrischen Eingängen sowie mit Pre-Outs. Zählen die messingschweren Boxen-WBTs auf der Insel offenbar ebenfalls zum Must Have, schnalzt der Fan doch erst mit der Zunge, wenn er das signalführende, hellbraun ummantelte Profi-Teflon-Koax im Innern des aufgeräumten Verstärkers entdeckt (die etwas dickere Variante RG 142 empfahlen die Tester in stereoplay 5/05 zum Eigenbau von Superkabeln). Selbst der nur wenige Zentimeter ­lange Weg von der Eingangsplatine zum Alps-Motorpoti wird mit dem besten vom besten Isolationsmaterial sowie mit dichtem, versilbertem Abschirmgeflecht überbrückt.

Sugden Masterclass IA 4

Sugden Masterclass IA 4

Aber das wär’ doch nicht nötig: Als Hauptstromspeicher kommen im Sugden besonders austrocknungsfeste Elkos zum Einsatz, die statt der üblichen 85 Grad stressfrei 105 vertragen.

Hörtest

Im Hörraum durfte sich erst einmal der Lavardin beweisen. Er benahm sich zunächst ganz und gar unauffällig. „C‘est la vie“, hieß es, mal lieblich, mal zornig, immer ausdrucksstark; so singt Ulita Knaus eben. Schon recht, die großen Becken müssen kupferschwer und sanft schaukeln, sich runden und dann erst die Ohren streifen – statt mit teutonischem Tschingdarassa sofort in sie hineinzustechen. Jawoll, es passte schon alles, der Lavardin hätte nur mit dem Bumm nicht so geizen ­sollen – was aber erst bei Pop richtig klar wurde.

So zurückhaltend sich der Lavardin gab, im Vergleich mit vielen anderen Verstärkern ragte er letztlich doch heraus. „Kann sich der Verstärker X denn nicht besser benehmen?“, lautete bald eine Klage. „Wozu muss er sackweise aufgeblähte, von schreiigen Stimmen begleitete Bässe in den Hörraum schleppen“?  Schnell zurück, um sich in der freundlichen Lavardin-Natur wieder zu erholen.

Dann kam Verstärker Y, der bei der Schilderung eines Orchesters wolkig-fadenscheinig nach Ausflüchten suchte und schließlich quietschend ins Schleudern kam. Was für ein Glück – Inspektor Lavardin (der aus den legendären Chabrol-Filmen) sorgte für Ordnung.
Er befahl die Akteure wieder an ihre Pulte. Und bei den Geigen stellte er zwischen herbem und süßem Harz wieder Ausgleich her.

Sehen wir vom sparsamen Bass ab, fand der Lavardin erst in ganz großen Vollverstärkern seine Meister – und auch in dem teureren Sugden Masterclass IA 4. Aber nicht mit jeder Musik. So zeigte der Franzose bei den „Songs I’ve Always Loved“ von Frank Chastenier (Universal) noch mehr Talent, den funkelnden Schatz an Klavierfinesse ans Licht zu heben.

Sobald aber dem Pianisten Brad Mehldau ein tatendurstiger Holzbassist plus Perkussion zur Seite trat, ließ der hochanständige Lavardin dem Sugden – quasi freiwillig – den Vortritt. Einfach, weil der Engländer nun die reiferen, die volleren Tasten-Tontrauben von sich gab. Und die Hände des Perkussionisten stoben über fester eingespannte, ledrigere Conga-Felle. Der Bass schließlich – praller, doch nie zu fett – steuerte unbeirrter ­seinen rhythmischen Kurs oder ließ sich beherzt auf schwungvolle Eskapaden ein.

Ein noch größeres Lob ­verdiente sich der Sugden mit Klassik. Wenn alles – wie beim Lavardin – stimmte, so verströmte das Orchester über den ­Masterclass doch noch mehr Fülle und bewegte Innigkeit.

Vorsicht: Knallbumm und Randale hasst auch der Sugden. Doch ehrlich gefragt: Wer will heutzutage so etwas?

 
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