Menü

Testbericht Wilson Audio Sasha W/P

David A. Wilson baut mit die besten und teuersten Boxen der Welt. Doch sein charaktervollster und typischster Schallwandler ist die Sasha für 30 000 Euro.

Wilson Audio Sasha W/P

Hersteller
Wilson Audio
UVP
30000.00 €
Wertung
68.0 Punkte
Testverfahren
1.0
Tester
stereoplay

Die Geschichte von Wilson Audio ist tausendfach erzählt. Es ist die Geschichte von einem, der auszog, um mit Keith Johnson die legendären Reference Recordings zu machen, dem aber alle damals gängigen Abhörmonitore zu schlecht ­waren.

Es ist die Geschichte von dem weisen Mann David A. Wilson, der schon  frühzeitig bestimmte Kriterien als wesentlich für einen optimalen Lautsprecher entwickelte – und von diesen Kriterien rückt er bis heute nicht ab. Etwa die charakteristische, Pyramiden-ähnliche Gehäuseform seines Erstlingswerks namens Watt/Puppy, die wegen ihrer hervorragenden akustischen ­Eigenheiten weltweit vielfach kopiert wurde und sich auch in der hier vorgestellten Sasha spiegelt.

Oder Wilsons Einschätzung, dass Holz – in welcher Spielart auch immer – nie die Steifigkeit und das Dämpfungsverhalten haben wird, die er als absolut notwendig unterstellt. Oder, wie er mir auf der diesjährigen CES  versicherte: „Ich werde nie wieder ein Lautsprechergehäuse aus MDF bauen.“ Somit ist es auch die Geschichte eines Suchenden, der mit Keramik-Gehäusen bei seinen ersten Watt/Puppy-Kombinationen begann und spätestens jetzt mit der Sasha und ihrem Mix aus verschiedensten Plattenmaterialien ziemlich nah am Ziel zu sein scheint. Hinter den etwas kryptisch als „X“ und „M“ bezeichneten Materialien verbirgt sich eine Art Kunststein. Genau ­handelt es sich hier um mit Mineralien gefüllte Phenolharzplatten.

Für sauberste Impulse

Die Schallwande beispielsweise bestehen fast immer aus den extrem harten X-Platten, damit – wesentlicher Bestandteil der Wilson-Doktrin –  keine Energie verloren geht oder Impulse der Tief- und Mitteltöner dadurch verwässert werden, dass die Front nachgibt – was bei Holz durchaus geschieht. Das Material mit X-Faktor ist so steif
und fest, dass man hier direkt ­Gewinde einfräsen kann.

Für die Seitenwände verwendet Wilson hingegen gern das etwas weichere M-Material, das in verschiedensten Härte- und Bedämpfungsgraden existiert. Das Gehäuse der Sasha W/P ist ein akustisch fein ausgeklügeltes System aus unterschiedlich harten Platten.

Doch so brauchbar dieser Kunststein für den Aufbau von Boxengehäusen auch scheint, so schwierig gestaltet sich seine Verarbeitung. Der Prozess, wie aus diesen Platten eines der stattlichen Wilson-Gehäuse entsteht, ist äußerst langwierig. Nach vielen Schleif- und Lackierstufen entstehen kleine Kunstwerke, die, weil Wilson zwei Lackierstraßen im Haus hat, auch wirklich in jeder Farbvariante zu haben sind.

Doch man kann die Sasha nicht auf ihr einzigartiges ­Gehäuse reduzieren. Wilson ist Neutralitäts- und Dynamik-Verfechter, und er weiß, dass dafür auch eine gewisse Effi­zienz seiner Lautsprecher vonnöten ist. Die beiden 8-Zoll-Bässe von Seas, der selbst ­entwickelte 7-Zoll-Mitteltöner und die inverse Titankalotte von Focal sind klanglich bestens beleumundet und gelten als ­relativ wirkungsgradstark. Die TESTfactory ermittelte für die Sasha einen Wert von über 87 Dezibel (2 Volt / 1 Meter). Das ist gemessen an der highendigen Konkurrenz sehr ordentlich – wie auch der Maximalpegel
von 108 Dezibel; man kann mit der Sasha also durchaus Live-Pegel fahren.

Weiche unter Verschluss

Sollte es dennoch einmal zu laut werden, brennen die Hochleistungswiderstände vor Mittel- und Hochtöner durch. Sie sind leicht zugänglich. Ganz im Gegensatz zur Weiche, aus der Wilson ein echtes Staatsgeheimnis macht. Meinen Wunsch nach einer Einzelweiche oder nach Bildern lehnte er freundlich, aber sehr bestimmt ab. Hier steckt wohl zu viel Wissen drin, um sie der Öffentlichkeit und damit den Mitbewerbern aufzuzeigen.

Einen Grundsatz seiner Weichen-Philosophie gab Wilson dennoch preis: „Die Weiche darf niemals in einem Gehäuse mit den Bässen sitzen; die Beeinflussung ist viel zu groß.“ Bei der Sasha residiert die Weiche in einem hermetisch abgetrennten Trakt im Bodenteil. Ein umlaufendes Blechkleid aus MU-Metall schützt die Bauteile zusätzlich gegen jede Form von elektromagnetischen Störungen. Damit die Spulen nicht durch den hohen Stromdurchfluss zu rappeln beginnen, wird die gesamte Metallwanne mit einem dämpfenden Kleber vergossen. Sollte je ein Bauteil kaputtgehen – was so gut wie nie passiert – muss die gesamte Weiche ausgewechselt werden.

Spikes sind Pflicht & Kür

Nicht nur unter der Sasha selbst legt Wilson Wert auf Spikes. Unterschiedliche Längen unter dem Mittelhochton-Kopf sorgen für die optimale Ausrichtung auf den Kopf des Zuhörers. Und erstaunlicherweise ist mit der Sasha jede Änderung nachvollziehbar. Es gibt bei ihr diesen Punkt, an dem das Klang­bild einrastet. Dann ist das ­Hören mit ihr ein Traum. Ich schließe die Augen, und die ­Sasha versetzt mich in den Aufnahmeraum.

Die Watt/Puppy-Nachfolgerin lässt nicht einmal im Ansatz den Verdacht aufkeimen, dass hier nur ein Lautsprecher spielt. Auf einmal stehen das Klavier und die Violine des „Valse Bluette“ (Track 5 der Titel-CD) wie zum Greifen nah vor dem Hörsessel. Die mikrodynamischen Details der Geige kommen so mühelos und unvermittelt, als würde Daniel Gaede direkt vor meiner Nase spielen. Auch die Intensität, mit der die Sasha das Sächsische Vocalensemble sein „Vulnerasti cor meum“ (Track 9 der Cover-CD) singen lässt, ist gänsehautfördernd und weckt den Wunsch nach mehr. Offenkundig hat Wilsons Idee vom Gehäuse, das kaum Energie speichert, doch ihre Berechtigung.

Die Vorzüge werden besonders dann deutlich, wenn Tieftonkost auf dem Programm steht. Die harten Tritte, mit denen Pepe Romero („Flamenco“) den Holzboden traktiert, das wummerige Nachschwingen der Bühne – all das drückt die ­Sasha 1:1 in den Hörraum. Und wie fein sie dabei noch differenziert – das ist nichts Geringeres als eine Sensation.

Womöglich gibt es Boxen, die im Hochton feiner auflösen und insgesamt etwas geschmeidiger spielen. Aber diese Intensität beim Musikhören, das ­direkte Erleben solcher Auf­nahmen zelebriert kaum ein Lautsprecher beeindruckender als Wilsons Sasha W/P.

Wilson Audio Sasha W/P

Wilson Audio Sasha W/P

Doppelbass-Bestückung und Mittelhochton-Teil in Pyramidenform: Die Sasha W/P ist die konsequente Weiterentwicklung der zweigeteilten Lautsprecher-Ikone Watt/Puppy und sieht ihr von weitem auch sehr ähnlich. Wohl deshalb findet sich der Zusatz W/P im Namen.

Alle Daten und Testergebnisse zum Wilson Audio Sasha W/P

 
x