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Testbericht Weiss DAC 202 im Test

Der D/A-Wandler Weiss DAC 202 (5180 Euro) ist durch kompakte Maße unauffällig. Kenner lässt er aber durch seine Firewire-Schnittstelle aufhorchen.

Weiss DAC 202

Hersteller
Weiss
UVP
5180.00 €
Wertung
69.0 Punkte
Testverfahren
1.0
Auszeichnung
Weiss DAC 202: stereoplay Referenz 9/2011
Tester
stereoplay

Die ganze HiFi-Welt spricht über D/A-Wandler mit USB-Eingang. Die ganze? Nein, vor allem im professionellen Studio-Bereich ist Firewire als Schnittstelle nicht nur verbreitet, sondern Standard. Und da die Schweizer Schmiede Weiss ihre Wurzeln im Profi-Bereich hat, ist es kein Wunder, dass deren Wandler DAC 202 zu 5180 Euro auch Anschlüsse für dieses Bus-System hat.

Die Lautstärke von Kopfhörerausgang und Analogausgang  lässt sich getrennt anpassen. Die absolute Phase kann am Gerät  oder per Fernbedienung eingestellt werden. © Julian Bauer
Die Lautstärke von Kopfhörerausgang und Analogausgang lässt sich getrennt anpassen. Die absolute Phase kann am Gerät oder per Fernbedienung eingestellt werden.

Die hohe Verbreitung von Firewire in Studios geht aber nicht auf das Bestreben der Profis zurück, sich vom Consumer-Segment abzusetzen, sondern auf einige Vorteile dieser Schnittstelle. So ist Firewire keine serielle Verbindung wie USB, bei dem ein Bit nach dem anderen übertragen wird, sondern ein paralleler Bus, der ganze Bit-Wörter übermittelt.

Dadurch ist Firewire nicht nur prinzipiell schneller, sondern auch asynchron, da die Wörter in einem Speicher landen und dann nach dem Takt des Empfängers ausgelesen werden. So hängt der Wandler nicht vom wackeligen Takt des Computers ab.

Neuere USB-2.0-Schnittstellen haben nun in der Geschwindigkeit der Daten­übertragung nachgezogen. Neue Chipsätze ermöglichen zudem, dass auch der D/A-Wandler asynchron läuft. Doch bei Firewire ist die ­Datensicherheit immer noch höher. Den Vorteil, mehrere Firewire-Geräte hinterein­ander schalten zu können (Daisy-Chain), hat dieses System exklusiv, auch wenn das vor allem Profis freut.

Trotz aller Vorteile ist es auch Daniel Weiss klar, dass eine gute Schnittstelle zwar ein wichtiger, aber eben nur ein Baustein für einen guten Wandler ist. So gab er dem DAC 202 noch einige höchst sinnvolle Features mit. Der 202er besitzt so ­neben zwei Firewire-Anschlüssen auch einen Cinch-S/P-DIF-Eingang sowie einen symmetrischen AES/EBU-Anschluss und eine optische TOSLINK-Buchse. Da die Firewire-Schnittstelle bidirektional ist, kann man mit dem DAC 202 über die vorhandenen Digital-Eingänge Musikdaten in den Computer übertragen sowie von diesem über die Digitalausgänge des DAC 202 ausgeben.

1.Die Hauptarbeit der digitalen Kommunikation nach außen erledigt ein Chip mit 32-Bit-Prozessor von  TC Applied Technologies. 2.Der D/A-Wandler aus der Saber Serie von ESS arbeitet mit 32 Bit Genauigkeit und besitzt symmetri­sche Ausgänge. 3.Der kleine blaue Print-Trafo ist sowohl für den Standby-Betrieb als auch für einen Teil der digitalen Strom­versorgung zuständig. © Julian Bauer
1.Die Hauptarbeit der digitalen Kommunikation nach außen erledigt ein Chip mit 32-Bit-Prozessor von TC Applied Technologies. 2.Der D/A-Wandler aus der Saber Serie von ESS arbeitet mit 32 Bit Genauigkeit und besitzt symmetri­sche Ausgänge. 3.Der kleine blaue Print-Trafo ist sowohl für den Standby-Betrieb als auch für einen Teil der digitalen Strom­versorgung zuständig.

Für die Digital/Analog-Wandlung setzt Weiss einen exzellenten Chip von ESS aus dessen Saber-Reihe ein (ES 9018). Er besitzt acht Kanäle, wovon vier für die Hauptausgänge zuständig sind und vier für den Kopfhörer-Output. Da sich ­Kopfhörerausgang und die Hauptausgänge getrennt auf der digitalen Ebene regeln lassen, kann man so die ­Pegelregelung etwa für die Hauptausgänge überbrücken, während die für den Kopfhörer-Output weiterhin funktioniert.

Nach dem Wandler geht‘s strikt symmetrisch weiter. Pro Kanal werden zwei Ausgänge zusammengeschaltet, das Rauschen verringert sich. Der asymmetrische Output ist dem symmetrischen gleichwertig, da Weiss dessen Pluspol parallel zur Cinch-Buchse schaltet.

Die mitgelieferte solide Fernbedienung aus Metall ist sehr sinnvoll und praktisch ausgelegt. Mit ihr kann man nicht nur Eingänge anwählen und die Lautstärke verändern, sondern auch die absolute Phase schalten. Denn leider ist es nicht immer gesichert, dass sie bei der Aufnahme beachtet wurde, und im Fall einer invertierten Phase erspart man sich das Umpolen der Boxen.

Zwei unterschiedliche Filter lassen sich ebenfalls bequem aus dem Sessel anwählen. Das eine ist eher frequenzgangoptimiert, das andere auf die Impulswiedergabe hin. Aber hier ist Weiss an weiteren Versionen dran, und es soll ein Software-Update geben, das zusätzliche Filterarten besitzt.

Wer die digitale Lautstärkeregelung des DAC 202 verwenden will, freut sich über die zusätzlichen vier einstellbaren Verstärkungsstufen. So lässt sich erreichen, dass die digitale Pegelregelung mit größerer Auflösung arbeitet. Einstellen sollte man dies folgendermaßen: Die Hauptlautstärke auf -6 dB jus­tieren und den Ausgangspegel (beginnend beim niedrigsten Wert) so optimieren, dass der Schalldruck so ist, wie wenn man besonders laut hören möchte. Dann hat man nicht nur einen weiten Regelbereich, sondern vermeidet auch Klangeinbußen im Leisen – und besitzt dennoch Reserven im Lauten.

Symmetrische und asymmetrische Analog-Ausgänge wie auch Digitalein- und Ausgänge zieren den DAC 202. Er kann ein Synchronsignal ausgeben oder von einem externen Takt gesteuert werden. © Julian Bauer
Symmetrische und asymmetrische Analog-Ausgänge wie auch Digitalein- und Ausgänge zieren den DAC 202. Er kann ein Synchronsignal ausgeben oder von einem externen Takt gesteuert werden.

Wie gut die DAC-202-Lautstärkeregelung in der Praxis funktionierte, zeigte sich auch im Hörraum. Dort verbanden die Tester den Wandler symmet­risch mit den Referenz-Mono-Endstufen Ayre MX-R , um zu klären, ob eine zusätzliche Vorstufe klanglich nötig ist. Aber selbst mit dem stereoplay Highlight Akurate Kontrol von Linn war es eher eine Geschmacks- denn eine Qualitätsfrage. Direkt angeschlossen, schien der Weiss minimal besser durchzuzeichnen, mit der Linn Akurate kam dezent mehr Druck ins Spiel.

Erst die Referenz-Vorstufe ­ Thorens TEP 3800 brachte eine nachvollziehbare Verbesserung der Durchzeichnung bei geringem Pegel. Somit kann stereoplay den DAC 202 im direkten Betrieb an Aktiv-Lautsprechern oder Endstufen empfehlen.

Der Vergleichbarkeit wegen absolvierte der Weiss-Wandler die nächsten Hördurchgänge mit ausgeschalteter Pegelregelung und an der Thorens-Vorstufe gegen die Wandler-Referenz Audio Research DAC 8 . Doch von dieser Macht ließ sich der kompakte Schweizer nicht einschüchtern.

So spielte der DAC 8 über S/P-DIF oder Toslink überzeugend schwung- und druckvoll. Der Weiss aber antwortete mit etwas feineren Obertönen und einer schlüssigen Raumdarstellung. So setzte er etwa die Sänger und Instrumente bei Bachs KantateAlles was von Gott geboren“ („6 Favourite Cantatas“, Joshua Rifkin, The Bach Ensemble) nicht nur in einen minmal größeren Kontext, sondern gab dem Nachhall eine natürlichere Aura. Der DAC 8 hingegen erweckte fast den Eindruck, die Musiker könnten sich in verschiedenen Räumen befinden, es fehlte ­minimal an Homegenität.

Noch klarer wurde dieser Unterschied, als wir mit Hochbit-Kost den Firewire und den USB-Eingang des DAC 8 verglichen. Hier der fast schon überschäumende DAC 8, dort der etwas feinere, jedoch zusammenhängender musizierende Weiss DAC 202. Somit gab es keinerlei Zweifel mehr: Der kleine Schweizer ist nun die glorreiche Co-Referenz bei stereoplay.

Weiss INT 202

Firewire für alle - Weiss INT 202

Wenn ein Wandler keinen Firewire-Anschluss besitzt, muss man nicht auf die Vorteile dieser Verbindung verzichten. Denn Weiss bietet Ersatz mit dem INT 202 zu 950 Euro. Er wandelt Firewire-Daten in S/P-DIF- oder AES/EBU-Digitalsignale. Die können per Schalter sogar als kanalgetrennte Informationen zur Verfügung stehen.

Zusätzlich lässt sich die Lautstärke via optionale Fernbedienung (240 Euro) verändern. Selbst ein Gerät mit hervorragendem USB-Port wie die stereoplay-Referenz Audio Research DAC 8 profitierte klanglich durch dezent mehr Feinzeichung von dem Weiss-Kästchen. Dies zeigt, dass eine Firewire-Schnittstelle Potenzial abrufen kann.

Alle Daten und Testergebnisse zum Weiss DAC 202

 
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