Testbericht Test: Vollverstärker Resolution Audio Cantata 50
- Testbericht
- Datenblatt
- stereoplay
Resolution Audio Cantata 50
- Hersteller
- Resolution Audio
- UVP
- 4000 €
- Wertung
- 120.0 Punkte
- Testverfahren
- 1.0
- 1. Test: Vollverstärker Resolution Audio Cantata 50
- 2. Cantata MC: Perfekter Partner
© Herbert Härle
Das Hirn hinter dem Cantata ist unzweifelhaft Denis Morecroft – der auf seiner Homepage so wunderbar entspannt und ironisch sich selbst beschreibt: „For the last two decades, Denis Morecroft has been working in areas of audio technology that are normally ignored.“ Ein Andersdenker also. Den die Kollegen des US-Magazins Stereophile erst kürzlich direkt mit Giordano Bruno verglichen haben – jenem Philosophen, der die Unendlichkeit des Weltraums ausrief und dafür von der Inquisition mit dem Scheiterhaufen bestraft wurde (so geschehen 1600 in Rom; genau vierhundert Jahre später hat die katholische Kirche dies als „offensichtliches Unrecht“ eingeräumt).
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Der Cantata 50 hat so überhaupt nichts von diesem Entwurf – äußerlich markiert er die Gegenwelt, innerlich dagegen durfte sich Morecroft auf Basis seiner eigenen Verstärker ausleben.
Wer den Resolution Audio Cantata 50 live begegnet, streichelt ihn sofort. Die Oberfläche zieht die Hände an. Eine aus dem massiven Aluminium gefräste Skulptur. Auf deren Front sehr clever eine Punktmatrix eingelassen wurde, die Quelle und Lautstärke anzeigt. Wow, das ist smart – und läuft nie Gefahr, als billige Show zu erscheinen. Zu perfekt sind Inszenierung, Verarbeitung und das Gespür für die praktischen Momente.
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Bei all diesen sinnigen Ausstattungsdetails bleibt der dominante Eindruck des wuchtigen Aluminium-Gehäuses. Das hat etwas vom Unibody-Konzept, wie es Apple so erfolgreich bei seinen MacBooks pflegt – und auf eine sehr klar umrissene Zielgruppe trifft. Sofort spricht der kleine Teufel im Unterbewusstsein: Was so edel aussieht, hat sicherlich viel Geld gekostet. Als Musikfreund sponserst Du also eine Hülle. Die inneren Werte werden auf der Strecke geblieben sein. Womit wir wieder bei dummen Vorurteilen sind: Schönheit weckt Verlangen, aber auch Misstrauen. Über Bord damit – denn unter seiner Haube ist der Cantata 50 nicht weniger begehrenswert.
Denis Morecroft trennt die Stromversorgung: Er stellt dem großen Netztrafo für die Audiosektion einen kleinen Gefährten für alle Steuerungsfunktionen, die Anzeige und den Standby zur Seite (vorbildlich nebenbei: ein „echter“ Ausschalter auf der Rückseite). Der Cantata entwickelt unter seiner Haube in A/B-Schaltung gemäßigte Hitze – die in der große Aluhaut aber die maximale Kühloberfläche findet. Problemlos also. Die Signale werden symmetrisch weitergereicht; abgezapft wird von zwei Cinch- oder zwei symmetrischen Ports.
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Wie steht es um diese Kraftreserven? Die Ziffer im Namen markiert den maximalen Output: 50 Watt pro Kanal stehen zur Verfügung. Das ist gut. An leistungshungrigen Lautsprechern aber mitunter eine Spur zu ambitioniert? Gerade bei diesem offensichtlichen Vorurteil ist der Amp nicht zu packen. Wir waren erstaunt, wie der Cantata 50 selbst eine großformatige, nicht immer ganz einfach zu versorgende Standbox wie die KEF 207 Reference bei Spiellaune hielt.
Der norwegische Komponist Geirr Tveitt (1908-1981) wird gerade entdeckt – auch und insbesondere von Freunden des gepflegten Klangrauschs. Tveitt tobt sich mitunter in dynamischen Schüben aus, Orchestermusiker nehmen die Rolle eines großen gemeinsamen Formel-1-Motors an, der kurz abbremst, um nach der Kurve umso heftiger zu beschleunigen. Da wird dem Hörer warm ums Herz und vielen Verstärken kalt an den Füßen – die Treibstoffzufuhr gelingt nicht.
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Ein Mysterium, woher der Cantata im Test seinen Treibstoff bezog. Die aufbrausende Phrase der Kontrabässe setzte er in den Raum, als wäre es eine Fingerübung. Den schweren Schlägen der Kesselpauke verlieh er Körper, Bass und Raum, wo andere Amps sich mit dem hellen Ton von Fell und Filz begnügten.
Ein weiterer Test auf ein Vorurteil: Der britische Chef-Entwickler wird bestimmt nach der Tradition seines Landes die Mitten über Proportion ausstellen? Tut Denis Morecroft nicht. Wenn Katie Melua ihren „Shy Boy“ besingt – dann haben mittel- und hochtonfreudige Verstärker verloren. Meluas Tontechniker haben die „S“-Laute als künstlerisches Mittel zugespitzt. An Show-Elektronik wird es dann scharf und unangenehm. Nichts davon beim Cantata. Mehr noch: Er wirkte im Test offen, in jeder Situation unangestrengt, sehr auf musikalische Entwicklung und Atmosphäre bedacht. Das hatte Charme und Reichtum weit über den Erwartungen der Preisklasse.
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Obwohl: Vielleicht hat Denis Morecroft ja eine eigene Zwergengestalt von sich geschaffen und für die Kommandozentrale des Resolution Audio Cantata 50 genetisch multipliziert. Im Ernst: Das ist der „schlauste“ Verstärker der jüngsten fünf bis zehn Jahre, der im Hörraum aufgespielt hat. Man liebt ihn nicht für seine Schönheit, nicht für sein Design, sondern für seine Cleverness.
Fazit
Liebe macht hellhörig. Der Resolution Audio Cantata 50 ist eben nicht der modische Schönling, sondern ein wirklich einmaliger Musik-Gefährte. Schwächen? Vielleicht an niederohmigen Boxen, die Leistung brauchen. Ansonsten ein wahrer Glücksbringer: Die Harmoniefreude ist eben keine Harmoniesucht, die Analyse eben immer auf musikalische Werte bezogen, nie spitz, nie aggressiv, immer authentisch. Ein großer Wurf, ein großer Sprung in AUDIOs Bestenliste.
Alle Daten und Testergebnisse zum Resolution Audio Cantata 50
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