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Testbericht Vollverstärker Cayin A 100 T

Der Cayin A 100 T bietet für 3800 Euro eine ungewöhnliche Röhrenpracht.

Cayin A 100 T

Hersteller
Cayin
UVP
3800.00 €
Wertung
57.0 Punkte
Testverfahren
1.0
Bewertung
Vollverstärker Cayin A 100 T
Tester
stereoplay

Die Rückseiten-Knöpfe wählen die zu justierenden Endröhren an. © Julian Bauer
Die Rückseiten-Knöpfe wählen die zu justierenden Endröhren an.

Nach der Abnahme des Schutzkäfigs – was dank der praktischen Feder-Haltestifte im Nu gelingt, aber bitte nur bei ausgeschaltetem Gerät – bietet der Cayin eine ungewöhnliche Röhrenpracht. Da stehen nicht das übliche Gegentakt-Pärchen, sondern vier dicke Endröhren des Typs KT 88 hüben und drüben. Und zwar nicht irgendwelche, sondern Quartette, deren Mitglieder der slowakische Hersteller JJ von Haus aus schon als feinst aufeinander abgestimmt offeriert.

Die Vorstufen-Röhren lugen aus einem vibrationsmindernden Alublock heraus. Neben der gängigen Doppeltriode ECC 83 für die Eingangsverstärkung finden sich etwas stromkräftigere ECC 82, die aus dem Eintakt- ein Gegentaktsignal für die entsprechende Endstufen-Aussteuerung erzeugen. Wenn‘s heftig hergeht, verläuft diese nicht ganz leistungslos. Seltene Konsequenz: Mit etwas höher gewachsenen 6 CG 7 baute Cayin zusätzliche Puffer ein, die Rückwirkungen von den KT 88 auf die empfindsamen Phasensplitter unterbinden (siehe Beitrag "Technik - Stufen nach oben").

© Julian Bauer

Den guten Eindruck rundet ein leckeres Drehspul-Anzeigeinstrument ab, das die Kon­trolle und die bequeme Nachjustage des Ruhestroms jeder einzelnen Endröhre erlaubt. Passionierte HiFiisten werden bald nicht einfach nur die Zeiger-Mittelposition aufsuchen, sondern beispielsweise zwei Skalenstriche weiter rechts. Denn bei den Hörtests zeigte sich, dass sich der Cayin-Klang auf diese Weise – von etwas ätherischer, leichter bis dunkler, voller – für diese oder jene Kette feinoptimieren lässt.

1) Zwei Elkos mit je 330 Mikrofarad Kapazität bemühen sich zusammen mit einer Eisendrossel um saubere Hochspannung. 2) Die einzigen Kondensatoren im Signalweg führen zu den Steuergittern der Endröhren (C1 - C4 im Diagramm ganz links). 3) Neben den blauen Eingangsrelais finden sich schwarze bei den Ausgangstrafos: Sie verbinden die Röhren-Schirmgitter wahlweise mit der Anode oder einer Übertrager-Anzapfung. © Julian Bauer
1) Zwei Elkos mit je 330 Mikrofarad Kapazität bemühen sich zusammen mit einer Eisendrossel um saubere Hochspannung. 2) Die einzigen Kondensatoren im Signalweg führen zu den Steuergittern der Endröhren (C1 - C4 im Diagramm ganz links). 3) Neben den blauen Eingangsrelais finden sich schwarze bei den Ausgangstrafos: Sie verbinden die Röhren-Schirmgitter wahlweise mit der Anode oder einer Übertrager-Anzapfung.

Mit der Option, die KT-88-Schirmgitter (zusätzliche, den Ladungs-Umschlag beschleunigende Elektroden) wahlweise direkt mit den Anoden oder mit Anzapfungen der Ausgangs­trafos zu verbinden, bietet der A 100 T eine weitere Tuning-Möglichkeit. Bei stereoplay hörte sich die zweite, „Ultra­linear" ­genannte Betriebsart allerdings stets klarer, präsenter, also eindeutig besser an als die mit dem Namen „Triode" (siehe Beitrag "Technik - Harmoniestreben").

Bleibt zu erwähnen, dass der Cayin 4-Ohm- und für die meis­ten Boxen günstigere 8-Ohm-Klemmen besitzt. Des weiteren stehen drei Cinch-Hochpegel­eingänge, ein Main-In (umgeht die Lautstärkestellung) sowie ein Rec-Out zur Verfügung.

Der A 100 T von Cayin bot gegenüber dem Unico-Vorspiel ein Kontrastprogramm, das den Raum zwar nicht so erschütterte, dafür aber die Tester mehr bewegte. Bei Frau Sharrock legte der A 100 T – während er quasi an den Lippen hing – nicht nur feinste Nuancen, Rührungen offen, er gab geradezu den Weg zum Innern, zur Seele frei. Dem Bass schenkte er nicht so viel Gewicht und Schwärze, dafür aber ein ganzes Spektrum an warmen Farben. Und ertönte nun Klavier, riss der Cayin die Hörer nicht mit Fulminanz, sondern wirklich mit den einzelnen Tönen hin. Nach dem Entstehen aus Filz, Stahl und Holz schwebten sie nun – wie funkelnde kleine Universen dahin, um sich gegebenenfalls sanft aneinander zu reiben.

Die Ruhestrom-Einstellung gelingt dann über Trimmpotis (Zugangsöffnungen oben auf dem Chassis ganz links und rechts). © Julian Bauer
Die Ruhestrom-Einstellung gelingt dann über Trimmpotis (Zugangsöffnungen oben auf dem Chassis ganz links und rechts).

Bald gab es keine Diskus­sionen mehr: Von Graaf  GM 50 bis Unison Sinfonia – keine der 56-Punkte-Röhren hatte es geschafft, die Hörer so unwiderstehlich in abenteuerlich lebendige, feine und wonnige MusikParadiese hineinzuziehen.

Bei Kari Bremnes „Reise" (Indigo-CD) vertiefte der Cayin seine 57-Punkte-Anwartschaft.   Das tragende dunkle Wogen der Bässe, das sanfte Pochen der Trommeln, das Gitarrentupfen und die nordländisch-erhabene Stimme erlaubten keinen anderen Weg als mitzugehen. Bei alledem ließ es der A 100 T bei heftigeren Bassschlägen durchaus ordentlich krachen – auch wenn der Unico 100 im Hintergund lauerte und be­deutete, lass mich jetzt ran.

Dynamik-Jünger dürfen folgen, beim Rest der Welt bleibt Cayins neue Röhre dran.

Alle Daten und Testergebnisse zum Cayin A 100 T

 
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