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Röhrenverstärker Unison S6 Mk II im Test

Der Unison S6 Mk II erzielt eine hohe Watt-Ausbeute. Richtig gut klingt der Röhrenverstärker aber nur an bestimmten Boxen. Mehr dazu im Test.

Unison S6 Mk II
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© Hersteller/Archiv

Unison S6 Mk II
Gesamtwertung: gut – sehr gut - 78 Punkte
Preis/Leistung: überragend
  • +dezentes Äußeres
  • +rund 30 Watt an 8 Ohm
  • +bringt viel Leistung und Klangpotenzial
  • +spielt erstaunlich direkt und präzise

Unison ist einer der großen Namen im Bereich Röhrenverstärker. Giovanni Sacchetti, Mastermind der Italiener, weiß von der Notwendigkeit bester Übertrager und lässt sie im heimischen Treviso selber wickeln. Er hat den legendären Über-Verstärker Absolute SE für 30.000 Euro ersonnen und den eigenwilligen S9, der zwar extrem heiß wird, aber unter klanglichen Gesichtspunkten einzigartig ist. Sein Lieblingsverstärker jedoch ist der „kleine“ Simply Italy , der für unter 2.000 Euro unverschämt gut klingt.

Doch der sympathische Simply Italy kommt auf kaum mehr als 12 Watt; die Anzahl passender Lautsprecher ist dadurch stark eingeschränkt. Sacchetti hat deshalb den S6 in der Mark-II-Version neu aufgelegt, der jetzt tiefer als breit aufgebaut ist und fast die dreifache Leistung des Simply Italy an die Boxenklemmen bringt.

Über das Zeiger-Instrument lässt sich der Bias der EL-34-Leistungsröhren auf den richtigen Arbeitspunkt einstellen.
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Über das Zeiger-Instrument lässt sich der Bias der EL-34-Leistungsröhren auf den richtigen Arbeitspunkt einstellen.

Single Ended Class A

Erzeugt wird diese Leistung durch drei parallel geschaltete EL-34-Leistungsröhren, die Sacchetti in einer Single-Ended-Class-A-Schaltung betreibt. „Class A“ steht für geringste Übernahmeverzerrungen, aber bei Betrieb auch für eine ziemlich hohe Stromaufnahme – in diesem Fall von 278 Watt.

Aus dieser Leistungsaufnahme macht der Unison 34 Watt Sinus an 8 Ohm (18 Watt an 4 Ohm). Die meisten Röhren-Amps bieten Lautsprecher-Abgriffe für 4- und 8-Ohm-Lautsprecher. Sacchetti beließ es bei einem 6-Ohm-Abgriff. Auch gut: Denn die Erfahrung zeigt, dass auch 8-Ohm-Speaker am 4-Ohm-Abgriff besser, da offener klingen.

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Doch die Watt-Ausbeute allein macht noch keinen guten Röhrenverstärker. Es geht vor allem um die Stabilität auch an Boxen mit schwankenden Impedanzen. Der S6 Mk II schlägt sich diesbezüglich recht gut. Aber wie die meisten Röhren-Amps fühlt auch er sich an höheren Impedanzen – am besten auch noch stabil hoch – am wohlsten. An 2 Ohm kommt er gerade noch auf 12 Watt. Da heißt es Augen auf bei der Boxen-Wahl.

Was sich aber klanglich fast immer positiv niederschlägt, sind die ausgewogen verlaufenden harmonischen Verzerrungen. Sie verantworten den immer noch etwas natürlicheren Ton, der den Röhren leichte Vorteile gegenüber Transistor- und Digital-Endstufen gewährt. Und natürlich hat Sacetti seine Schaltungen und die Röhren so im Griff, dass die Verzerrungskurven optimal verlaufen.

Die Leistungsröhre EL 34 ist eine der ältesten und in HiFi- sowie in Gitarren-Verstärkern (beispielsweise von Marshall) am meisten verwendeten Röhren. Im Class-A-Betrieb erreicht sie etwa 11 Watt. Die S6 Mk II hat drei parallel geschaltete EL 34 pro Kanal, kommt also auf 34 Watt.
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Die Leistungsröhre EL 34 ist eine der ältesten und in HiFi- sowie in Gitarren-Verstärkern (beispielsweise von Marshall) am meisten verwendeten Röhren. Im Class-A-Betrieb erreicht sie etwa 11 Watt. Die S6 Mk II hat drei parallel geschaltete EL 34 pro Kanal, kommt also auf 34 Watt.

Unison S6 MK II: Hörtest

Der S6 jedenfalls entpuppte sich als gelungenes Gesamtpaket aus ordentlich Leistung, guter Stabilität und wohltemperierten Verzerrungsverläufen. Mit dem Audio-Tech-Horn spielte er beeindruckend laut und richtig; die JBL 4365, die eigentlich für viel Dynamik viel Leistung braucht, brachte er regelrecht auf Trab. Vor allem die Definition im Grundton und in den Mitten vermittelte die schöne Illusion, ganz nah dabei zu sein. Als das Sächsische Vokalensemble „Abschied vom Walde“ anstimmte, schien es, als könne man die Sänger anfassen, so natürlich tönte diese Kombination. Dass die kleine Röhre den großen 15-Zoll-Bass nicht so unter Kontrolle hatte wie die Referenz-Monos Ayre MX-R oder andere Transistor-Verstärker, mag man ihr nachsehen. Denn was sie im Gegenzug an feinen Mittendetails und Klangfarben zu Tage förderte, war atemberaubend offen und frei.

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Und das noch mehr an Lautsprechern, die den Unison nicht überforderten – wie der Cabasse Bora. Mit ihm klang alles wieselflink und fein differenziert; auch der Bass war nun genau so, wie es die Aufnahme vorsieht: knochentrocken oder wuchtig satt. Nicht schlecht für einen Verstärker dieser Preis-Leistungs-Klasse.

Der Unison S6 Mk II ist kein Vertreter warmherzigen Kuschel-Sounds. Wie auch der Octave 110 spielt er eher gradlinig- präzise – und vermittelt doch jenen feinen Flair und musikalischen Zauber, der nur gut gemachten Röhren innewohnt.

 
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