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HiFi-Kopfhörer Ultrasone Edition 12 im Test

Der Ultrasone Edition 12 ist nicht nur ein Kopfhörer. Er ist die Verkörperung einer eigenen Klangphilosophie. Die nicht jedem gefallen muss, aber garantiert viele Fans gewinnen wird.

Ultrasone Edition 12
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© Hersteller/Archiv

Ultrasone Edition 12
Klangurteil: 90
Preis/Leistung: Sehr Gut
  • +räumlicher, lebendiger, sehr gut durchhörbarer Klang
  • +sehr guter Sitz, angenehmes Tragegefühl
  • +überragende Verarbeitung
  • -stellenweise dominant im Hochton

Normalerweise beginnt ein Kopfhörertest klassisch mit Äußerlichkeiten. Beim Edition 12 von Ultrasone wäre das beispielsweise der Hinweis auf die tadellose Verarbeitung, auf das nicht gerade alltägliche Polstermaterial (das ägyptische Langhaar-Schaf als Spender des verwendeten handgenähten Leders käme zu posthumen Ehren), die wirklich wunderschön und filigran eingesetzten Aluminiumintarsien auf den chrombeschichteten Ohrkapseln und das angenehm weiche Mikrovelours auf den Muscheln. Ohne Frage die Zutaten für einen nicht alltäglichen Kopfhörer, der so unverschämt leicht und souverän auf dem Kopf sitzt, als wäre er trotz seiner ermittelten 282 Gramm Lebendgewicht gar nicht vorhanden. 

Auch erwähnenswert wäre die vorsorgliche elektromagnetische Abschirmung der Schallwandler durch MU-Metall, zum Schutz des Nutzers vor Niederfrequenzfeldern. Aber das eigentlich Unverwechselbare am Edition 12 (und auch an seinem technisch verwandten Bruder Edition 8) von der Kopfhörer-Schmiede am Starnberger See ist der Klang. Kaum ein anderer Kopfhörer (und wohl kaum eine andere Marke) lässt sich so hundertprozentig sicher und Wetten-dass-tauglich blind aus einer beliebigen Anzahl anderer, ähnlich hochklassiger Modelle heraushören wie er. Und kaum ein anderer Kopfhörer wird, ebenfalls wettentauglich, so polarisieren. 

Die als Intarsien eingelegten Lamellen auf den Kapseln bestehen aus Aluminium.
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© Hersteller/Archiv
Die als Intarsien eingelegten Lamellen auf den Kapseln bestehen aus Aluminium.

Konkurrenzlos anders

Allein das Frequenzgangdiagramm weicht – selbst für an sich schon schwierig messbaren Kopfhörer– so sehr von der Ideallinie ab, dass nüchterne Betrachter zunächst an einen Defekt denken konnten. Aber die hügelige Motocross-Strecke ist gewollt, laut Ultrasone der messtechnisch sichtbar gemachte Effekt der eigenwilligen und einzigartigen dezentralen Anordnung des Schallwandlers im unteren Muschelteil. Die Position des goldbeschichteten 40-mm-Treibers will die Anatomie des Außenohrs für seine Zwecke und einen räumlichen, luftigen und geradezu schwerelosen Eindruck nutzen – von den Starnbergern S-Logic beziehungsweise S-Logic Plus genannt. 

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Tatsächlich klang der Ultrasone Edition 12 räumlich, luftig und geradezu schwerelos. Als Vertreter der offenen Bauweise wirkte er natürlich frischer als viele seiner geschlossenen Kollegen, aber eine derartig nuancenreiche Abbildung ist selten. Der sphärische, raumgreifende Klang mit S-Logic-Plus hat seinen Preis. Besonders bei nicht perfekten Aufnahmen konnte der Ultrasone scharfer und dominanter im Präsenzbereich wirken als andere Hörer. Seine unmittelbare und lebendige Abstimmung forderte auch eine direktere Ansprache.

Steckbrief

  • Vertrieb: Ultrasone
  • Garantiezeit: 5 Jahre
  • Gewicht: 282 Gramm
  • Besonderheiten: auch als Balanced-Variante

Allerdings hörte man auch schlichtweg Feinheiten in der Musik, die man so niemals zuvor wahr genommen hatte. Federte da gerade der Drum-Stick vom Becken? War diese feine Modulation in der Stimme schon immer da? Und setzte der Fiddler den Bogen seit jeher so energisch auf die Saiten auf? Die Feindynamik geriet über den Edition 12 schlichtweg zur Sensation, die Musik entfaltete sich in mehreren, fein ineinander gewobenen Schichten, jede für sich exakt durchhörbar und dennoch harmonisch verbunden. Zumal der Bass in diesem Gefüge niemals schwachbrüstig oder limitiert wirkte. Wer nach diesem Erlebnis einen anderen Kopfhörer aufsetzt, und sei es der wunderbare und in seltener Harmonie von bislang jedem Tester gepriesene Magnetostat LCD3 von Aude´ze, wird sich sofort nach dieser dieser Abbildung sehnen, wird sogar neutralste Hörer wie den Sennheiser HD800 als dumpf und behäbig empfinden und die unbeschwerte Leichtigkeit des Hörens vermissen, die schon bei geringen Pegeln tief im Gehirn ihre drogenartigen Sog entfaltet.

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So gesehen gibt es zum Ultrasone Edition 12 praktisch nur zwei Meinungen. Das kompromisslose Streben nach Raum und Nuancenreichtum, auch unter stellenweise geduldeten Verlust an hundertprozentiger Neutralität, konnte dem ein oder anderen dann doch zu viel werden. Andere aber werden, einmal dem speziellen Ultrasone-Klang verfallen, garantiert nichts anderes mehr haben wollen.

Fazit

Ist das noch ein Kopfhörer oder eine Art bewusstseinserweiternde Droge? Der Ultrasone Edition 12 kann auf jeden Fall süchtig machen. Wer auf Raum, Schwerelosigkeit und fein gewobene Schichten aus purer Musik steht, ist jedenfalls stark gefährdet.

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