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Testbericht

Thiel SCS 4

Testergebnis
85.0 Punkte
2400 EUR
Testverfahren: 1.0

AUDIO


Malte Ruhnke

1. März 2010

Der Trend zu kleinen, ja bisweilen unsichtbaren Lautsprechern ist kaum aufzuhalten. Audiophile mögen diese Entwicklung mit Sorge sehen, haben doch Sub-Sat-Sets nicht gerade den Ruf, eine klassische Stereoanlage ersetzen zu können. Die Lösung: eine highendige Kompaktbox, die zumindest bei normalen Abhörlautstärken heutzutage gut mit moderat geformten Standmodellen mithalten kann.

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Dieses Produkt wurde auch getestet von:

Immer anders denken als die anderen – das war das Lebensmotto des „Punktschallquellenpapstes" Jim Thiel, der im September diesen Jahres nach längerer Krankheit viel zu früh verstarb. Die SCS 4, seine letzte Kompaktbox, ist ein echtes Thiel-Gewächs: Das Koaxialchassis mit Sandwich-Konus aus Aluminium und Styropor dient nicht nur zur Erzeugung aller Frequenzen aus einem akustischen Zentrum, sondern ist auch auf Zeitrichtigkeit optimiert. Lohn der Mühen ist eine perfekte Sprungantwort (ohne Abbildung). Deren Bedeutung wird in der Fachwelt immer wieder diskutiert, Jim Thiel selber maß ihr aber überragende Bedeutung für Abbildung und Timing bei. Erreichen lässt sich das nur mit flachen Filtern, so dass die Signalanteile für Tief- und Hochtöner nicht gegeneinander phasenverschoben werden.


Bild vergrößern 937 658 http://img3.magnus.de/image-r937x658-C-2d2becb3-13026651.jpg Für eine Weiche erster Ordnung ist die Thiel erstaunlich fett bestückt: Pegelanpassungen und Saugkreise optimieren den Klang. © Herbert Härle, Stefan Schickedanz, Malte Ruhnke
© Herbert Härle, Stefan Schickedanz, Malte Ruhnke

Für eine Weiche erster Ordnung ist die Thiel erstaunlich fett bestückt: Pegelanpassungen und Saugkreise optimieren den Klang.

Die ungewöhnliche Schallwandgestaltung der SCS 4 ist ein Mus­terbeispiel für den hohen Aufwand: Um Strömungsgeräusche zu verhindern, wird die Bassarbeit auf zwei Rohre verteilt, beide ohne abrupte Kanten großzügig verbreitert. Um die SCS 4 auch liegend als Center betreiben zu können, wurde die Schallwand als Gussteil in einem realisiert.

Eine Punktschallquelle assoziiert man spontan mit guter Abbildung, doch die Thiel erwies sich nicht als einseitiges Talent: Ein solch souveränes und verblüffend natürliches Bassfundament wie bei Miles Davis’ „Miles Runs The Voodoo Down" traut man einer Kompaktbox ebensowenig zu wie ihre gerade im Hochton aufgelöste und freie Gangart. Damit erwies sie sich als Antipode zur B&W CM5, die zwar in den Mitten und im Stimmbereich die seidigere Durchzeichnung und schönere Strahlkraft entwickelte, dem präzisen Timing und der Impulskontrolle der Thiel gerade an den Enden des Spektrums aber wenig entgegenzusetzen hatte.

Als Bühnenkünstler arbeiteten beide verschieden: weiträumig, aber etwas diffus die B&W bei Verdis „Requiem" (Pappano, EMI), mit äußerster Präzision und geradezu ingenieurverdächtiger Akkuratesse dagegen die Abbildung der Thiel. Die im übrigen auch den etwas größeren Chor und das mächtigere Orchester realisieren konnte. Allerdings saß den Sängern der italienischen Academia di Santa Cecilia auch ein bißchen der Trauerkloß im Hals, Stimmen klangen zuweilen minimal belegt. Als habe sie der Tod dieses großen HiFi-Erfinders ebenso betroffen gemacht wie die ­AUDIO-Redakteure. Versöhnliche Aussichten kamen da ausgerechnet von B&W: Deren Gründer John Bowers starb schon 1987, und seine Vermächtnisse sind heutzutage im HiFi-Sektor stärker denn je. Möge dies auch Jim Thiel posthum ­gelingen.


Technische Daten und Testergebnisse

Allgemeine Daten  
Abmessung (B x H x T) 21,3 x 44,7 x 29,6 cm
Gewicht 11,5
Oberflächen
Farbe
Technische Merkmale  
Bassprinzip Wege Bassreflex
Anzahl der Wege 2
Arbeitsprinzip Vollaktiv
Ausstattung  
Anschluesse single Wiring
Anschlüsse XLR
Raumanpassung
Surround-Ergänz.
Cinch
Labor-Merkmale  
Maximale Lautstärke oberer Wert 101 dB
untere Grenzfrequenz (-3dB) 42 Hz
Untere Grenzfrequenz (-6 dB) 39 Hz
Nennimpedanz (Audio) 3 Ohm
Bewertung  
ja Ausgewogen, dynamisch, genau und satt, dabei sensationell holographische Bühne
nein Stimmen etwas gedeckelt, könnten freier atmen
Bassqualität 65
Basstiefe (Bassfundament) 70
Detailtreue (Präzision) 95
Feindynamik 85
Maximalpegel (Lebendigkeit) 65
Neutralität 95
Ortbarkeit 95
Räumlichkeit (Luftigkeit) 90
Verarbeitung sehr gut
Klangurteil sehr gut 85
getestet in Ausgabe: 12/09

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