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Testbericht Test: Triangle Magellan Cello 2

Triangle macht vieles anders als die meisten Boxenhersteller, offenkundig aber vieles richtig: Die neue Magellan Cello 2 (9000 Euro pro Paar) klingt wunderbar natürlich-direkt.

Triangle Magellan Cello 2

Hersteller
Triangle
UVP
9000.00 €
Wertung
62.0 Punkte
Testverfahren
1.0
Tester
stereoplay

Triangle Horn-Hochtöner TZ 2900 GC: Der aus einem Aluminium-Block gedrehte Druckkammertreiber wiegt 1,4 Kilo und wurde in Computer-Simulationen permanent verfeinert. Sein Abstrahlverhalten außerhalb der Winkel ist erstaunlich linear.
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© Julian Bauer
Triangle Horn-Hochtöner TZ 2900 GC: Der aus einem Aluminium-Block gedrehte Druckkammertreiber wiegt 1,4 Kilo und wurde in Computer-Simulationen permanent verfeinert. Sein Abstrahlverhalten außerhalb der Winkel ist erstaunlich linear.

Man darf den Verantwortlichen von Triangle getrost unterstellen, dass sie sich, was Genuss betrifft, bestens auskennen. Schon der Firmengründer Renaud de Vergnette gilt als Musikkenner und ausgewiesener Gourmet. Auch der neue Inhaber Olivier Decelle liebt Musik über alles und ­bewirtschaftet – um sich dieses schöne Hobby leisten zu können – etliche Weingüter in Frankreich. Seine rechte Hand, der sehr entspannte Geschäftsführer Marc Le Bihan, ist Herr über Lautsprecher und Wein zugleich – da gibt es fraglos schlechtere Jobs...

Die Triangle-Chassis machen einen äußerst robusten Eindruck – fast wie PA-­Treiber. Sie werden alle bei Triangle von Hand gefertigt. Das gilt für den 16-Zentimeter-Tieftöner T 16 GM MT 15 (rechts) wie für den gleichgroßen Mitteltöner TM 16 GMF 100 THG 06.
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© Archiv
Die Triangle-Chassis machen einen äußerst robusten Eindruck – fast wie PA-­Treiber. Sie werden alle bei Triangle von Hand gefertigt. Das gilt für den 16-Zentimeter-Tieftöner T 16 GM MT 15 (rechts) wie für den gleichgroßen Mitteltöner TM 16 GMF 100 THG 06.

Die Triangle-Schallwandler folgen seit je – ebenfalls sehr entspannt – zwei Prämissen: hoher Wirkungsgrad sowie größtmögliche Authentizität. Maßstab war und ist immer Live-Musik. Die dafür notwendigen Treiber waren schon ­damals auf dem Weltmarkt nur schwer zu haben; sie entstehen deshalb in aufwendiger Handarbeit noch immer in der Tri­angle-Manufaktur in Soissons, am Rande der Champagne. Es handelt sich im Grunde um PA-Chassis, die auf HiFi gezüchtet wurden. Mit ihrem robusten Aufbau, den leichten Membranen und den kräftigen Magneten könnten sie auch in der Beschallung ihren Dienst tun.

Vor dem Fuß sitzt ein Spike. Er soll die Resonanzen aus der Schallwand ableiten.
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© Archiv
Vor dem Fuß sitzt ein Spike. Er soll die Resonanzen aus der Schallwand ableiten.

Pegel über alles?

Dennoch hat man die Triangle-Lautsprecher nicht auf Teufel komm raus auf laut gezüchtet. Die in der TESTfactory ermittelten Werte von annähernd 85 Dezibel für die Cello 2 sind verglichen mit den meisten anderen HiFi-Lautsprechern gut und durchaus hoch genug für Röhrenverstärker, aber nicht wirklich überragend. Dafür liegt die untere Grenzfrequenz mit 27 Hertz (-6 dB) für eine Box dieser Größe beeindruckend tief. An dieser Stelle müssen sich die Entwickler halt immer entscheiden: tief oder laut – beides geht eigentlich nur mit Basshörnern oder Riesenboxen. Triangle fand mit der Cello 2 ­einen sehr guten Kompromiss.

Der Frequenzverlauf ist relativ wellig. Doch der Bass reicht sehr tief, und der Impedanzverlauf ist gutmütig.
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© stereoplay
Der Frequenzverlauf ist relativ wellig. Doch der Bass reicht sehr tief, und der Impedanzverlauf ist gutmütig.

Warum Hochton-Hörner?

Aber wenn der Wirkungsgrad eh nicht so überragend hoch ist, warum dann das Hochton-Horn? „Es geht“, so Entwicklungs­leiter Robert Thomas,um eine möglichst verzerrungsfreie Dynamik.“ Die prinzipbedingt vorhandene stärkere Bündelung im Abstrahlverhalten zu höhe­ren Frequenzen hin nimmt er dafür gern in Kauf. Und noch ein Credo wird bei Triangle gern beherzigt: „Musik entsteht in den Mitten.“ Dabei ist der ­Frequenzgang der Cello 2 gerade in diesem Bereich recht wellig. „Nicht so wichtig“, sagt Thomas. „Wir achten in erster Linie auf ein hervorragendes Impulsverhalten.“

Pegel- & Klirrverlauf: Über den gesamten Frequenzbereich  noch niedrige Verzerrungswerte.
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© stereoplay
Pegel- & Klirrverlauf: Über den gesamten Frequenzbereich noch niedrige Verzerrungswerte.

Der Aufbau der Cello 2 ist genauso liebevoll wie die Herstellung der Chassis. Das edel lackierte und recht schlanke  Gebilde ruht auf einem breiten Fuß, der guten Halt gibt und durch eine weiche Absorberplatte vom Boden entkoppelt wird. Vor dem Fuß sitzt ein Spike, der so weit herausgedreht werden muss, bis er spürbar Bodenkontakt hat. Er führt – so Thomas’ These – die von Tief- und Mitteltöner erzeugten Schwingungen der Schallwand ab. Die Front selbst ist nur so breit, dass Bässe und Mitteltöner gerade hineinpassen.

Auf den Punkt

Damit fasziniert die Magellan Cello 2 vom ­ersten Moment an: mit diesem explosiven Antritt quasi aus dem Nichts. Die Snare-Drum im Hörtestklassiker „Jazz At The Pawnshop“ klingt – Pautz! – impulsiv-kernig wie eine Snare und nicht wie eine Spielzeugtrommel. Der Drummer nutzt hier einen sogenannten Besen, mit dem er über das Fell der Trommel streicht – was die Triangle ­äußerst plastisch herausarbeitet. Moderne Top-Kalotten wie der Diamant von B&W sind hier zwar luftiger und fächern den Besen noch feiner auf. Aber dieses kleine Manko stört nicht, weil die Cello 2 so echt aufspielt.

Die Redaktions-­Favoriten ATC SCM 50 P und Thiel CS 3.7 klingen jede für sich fantastisch – und vor allem die ATC runder und ausgeglichener. Doch nach dem Umschalten auf die Cello 2 wirkten beide Lautsprecher irgendwie gebremster. Und das keineswegs nur mit bassintensiver ­Musik à la Kruder & Dorfmeis­ter, sondern auch mit Klassik. Die Cello 2 schafft es, dem Flügel von Markus Schirmer („Bilder einer Ausstellung“, Tacet) jene impulsive Autorität zu verleihen, die für das große Instrument charakteristisch ist.

Das gilt auch für die unteren Lagen. Die Triangle klingt im ersten Moment eher schlank und nüchtern-präzise. Doch wenn gefordert, schiebt sie mächtige Basswellen an, die man der schlanken Box nicht zutrauen würde.

Das feine Glimmen

Bei fast allen stereoplay-Lautsprechertests gibt es wenigstens einen Durchgang mit Röhren-Elektronik – einfach, weil man mit Röhren noch ein wenig mehr hört, weil die Musik mit guten Röhren noch ein bisschen besser fließt als mit Transistor-Amps. Leider harmonieren nur die wenigsten klassischen HiFi-Lautsprecher mit den leistungsschwachen Kolben.

Die Cello 2 sehr wohl. Traumhaft, welch leuchtende Klangfarben sie an den Ayon-Monos Vulcan II aus den Aufnahmen herausholte und welche Plastizität all die Streicher und Sänger plötzlich hatten. Sehr viel von dem Zauber blieb auch an kleineren Amps wie dem Ayon Spirit III erhalten, einem Vollverstärker, der mit 3500 Euro nur ein Bruchteil der großen Kombi kostet.

Dicht dran

Wie genau Triangle das hinbekommt, vermag ich nicht zu sagen. Aber die Cello 2 vermittelt den Eindruck, als stünde bei ihr das Mikrofon näher am Künstler als bei anderen Boxen. Die Musik wird so dynamischer, erlebnisreicher und – wie ich finde – faszinierender.

Udo Lindenberg hat mit seinem neu aufgenommenen Klassiker „Cello“ („MTV Unplugged – Live aus dem Hotel Atlantic“) dem Instrument ein musikalisches Denkmal errichtet. In einer Textzeile heißt es: „Ich saß immer in der ersten Reihe, und ich fand dich so erregend.“ Besser kann ich es in Bezug auf die Cello auch nicht ausdrücken.

Alle Daten und Testergebnisse zum Triangle Magellan Cello 2

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