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Standbox Zu Audio Union im Test

Klar, kantig, kompromisslos: Der junge US-Hersteller Zu Audio hebt sich wohltuend vom HiFi-Mainstream ab. Und verzückt mit hocheffizienten Breitband-Treibern vor allem Röhrenfans. Die Union Standbox im Test.
Zu Audio Union
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© Hersteller/Archiv

Zu Audio Union
Klangurteil: 85 Punkte
Preis/Leistung: Sehr gut
  • +Gigantischer Wirkungsgrad
  • +enorm pegelfester
  • +direkter, intensiver Klang.
  • -Nicht neutral
  • -kann vordergründig wirken
  • -braucht ausgesuchte Elektronik.

HiFi war vor langer Zeit mal eine wirklich dufte Sache. Mit einer guten Anlage wurde man bewundert, hatte mehr Chancen bei den Mädchen. Mehr Spaß beim Musikhören gab's praktisch umsonst dazu. Irgendwann verlor HiFi dann aber seine Coolness. Zum Glück wurde im Jahr 2000 in Ogden, Utah, die Firma Zu Audio gegründet, um dieses Cool, diese flüchtige, kostbare Substanz, wieder zurückzubringen.

Mit einem jungen Team, das sich auf der Website gerne mit Bierflasche und Kapuzenshirt zeigt. Das natürlich überwiegend LPs auflegt und auf Messen lässige Indie-Sachen spielt statt das übliche audiophile Pling. Und das wilde, ungehobelte Breitbandlautsprecher baut, die Omen heißen, Druid, Soul Superfly oder jetzt eben Union.

Zu Audio Union: Aufbau

Zu entwickelt eigene Chassis und lässt sie in Kentucky von Eminence, einem Spezialisten für Instrumenten- und PA-Lautsprecher fertigen. Die charakteristisch-kantigen Gehäuse schreinert Zu selbst, nur für Deutschland entstehen die Kabinette bei den estnischen Holzspezialisten von Audes, was mindestens genauso gute Qualität ergibt, aber Fertigungs- und vor allem Frachtkosten spart. So ist die Union in Deutschland – inklusive Steuer und vollem Händlerservice – nicht teurer als in den USA.

Zu Audio Union

Reine Effizienz

Der Koax (links) kommt mit einem einzigen Kondensator als „Weiche“ aus. Die Bass- Schlitze haben keine normale Reflexabstimmung und lassen sich über den Bodenabstand an unterschiedliche Akustiken und Verstärker-Charakteristika anpassen.

Alle anderen Zutaten sind dann freilich Original Zu: Der Zehnzoll-Breitbänder mit Gusskorb, mächtigem Antrieb, klassischer Gewebesicke und Hochtonkegel ist dabei für den gesamten Frequenzumfang bis auf die allerletzte Oktave verantwortlich. Erst ab 12kHz mischt sich dann doch noch eine beschichtete Alukalotte ein, die in einer Horn-Schallführung im Zentrum des Breitbänders sitzt.

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Die Weiche besteht aus genau einem Bauelement, dem Folienkondensator vor dem Hochtöner. Der Tiefmitteltöner läuft frei und ungezähmt lediglich an einer Leine aus Kupfer-Solidcore. Im Bass arbeitet er auf eine eigenwillige Gehäuseabstimmung namens ZuGriewe, bestehend aus vier Schlitzen am Boden und einer Schaumstoffpyramide im Inneren, deren genaue Wirkungsweise im Unklaren bleibt.

Zu Audio Union: Hörtest

Der Klang der Union ist nicht jedermanns Sache, nicht für jeden Raum und erst recht nicht für jeden Verstärker geeignet. Je weniger Leistung und Kontrolle der Amp hat, desto angenehmer und offener spielt die Zu – fabelhaft passte der winzige Lyric Ti-24, der nur eine Handvoll Watt mobilisiert.

Die Kerneigenschaft des Zu-Sound heißt Dynamik. Gigantische, schockierende Grobdynamik und praktisch trägheitsloses Ansprechen bis in die feinsten Modulationen, verblüffende Wendungen und subtile Strukturen, eine Schnelligkeit und Unmittelbarkeit, die sich anfühlt, als hätten die Zu-Leute einen Weg gefunden, die Schallleitung der Luft zu erhöhen.

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Wer dieses intensive Drama erleben will, muss allerdings auch hart genug sein, die schrillen und je nach Aufnahme auch mal aufdringlichen Momente durchzuhalten, die besonders mit komprimierten, lieblosen Aufnahmen drohen.

Bass und Grundton sind recht schlank und müssen durch geschickte Nutzung der Raumakustik erarbeitet werden. Und winzige Details in der Kette haben mitunter erschreckend deutliche Auswirkungen auf den Klang.

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Die Union ist eine strenge, unerbittliche Meisterin, die Disziplin verlangt – die ein korrektes Setup und eine fein abgestimmte Kette aber auch ungewöhnlich reich belohnt. Man sollte sie zuhause testen, ausgiebig und LAUT. Entweder lernt man sie dann hassen oder man verfällt ihr – dazwischen ist nichts.

 
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