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Testbericht T&A Criterion TCD 210 S im Test

Den Seriennamen Criterion verwendet T+A mittlerweile seit über 30 Jahren, und vor allem die Modelle der Criterion-TMR-Serie wurden zu Klassikern. Ob die Criterion TCD 210 S auch das Zeug dazu besitzt, zeigt der Test.

T+A Criterion TCD 210S
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© Hersteller / Archiv

T+A Criterion TCD 210S
Gesamtwertung: gut - 84 Punkte
Preis/Leistung: überragend
  • +überragend dynamische Box
  • +sehr genaue Abbildung
  • +homogen eingebundener, sehr tiefer Bass
  • +ideal für große Hörabstände und schwach bedämpfte Räume

Schon damals entschied sich Firmengründer Siegfried Amft für eine Transmissionline, weil diese nach seiner Meinung optimales Impulsverhalten und die Fähigkeit verband, auch große Räume mit kraftvollem Bass zu füllen. Denn bei der Entwicklung der Criterions war es erklärtes Ziel, möglichst viel Box und Klang fürs Geld zu bieten und nicht unbedingt die komplexesten Technologien einzusetzen.

Der Anspruch, bezahlbare Boxen auch für große Räume anzubieten, hat sich mit der aktuellen Criterion TCD nicht geändert. Wohl aber die akustischen Bedingungen im Vergleich zu den 1980er Jahren. So herrschen heute noch größere und vom Einrichtungsstil her tendenziell weniger bedämpfte und mitunter hallige Räume vor, was besonders Boxenentwickler vor große Herausforderungen stellt.

Criterion TCD 210 S: Aufbau

T+A-Boxenentwickler Jochen Fabricius kombinierte deshalb drei Technologien, die alle für sich speziell die Wiedergabe bei großen Hörabständen und wenig bedämpften Räumen nachhaltig verbessern: eine Transmissionline im Bass, eine D‘Appolito-Anordnung der Mitteltöner und eine große Hornschallführung für den Hochtöner.

Letztere verhilft einer 25-Millimeter-Gewebekalotte zu mehr Schalldruck, weniger Klirr und gleichmäßigem Abstrahlverhalten. So kann der Übergang zum Mitteltöner-Duo bereits bei 2000 Hz erfolgen, ohne dass die Kalotte Anzeichen von Anstrengung, sprich Klirr oder Kompression, zeigen würde.

TCD steht für „Transmissionline“ und „Constant Directivity“ – beide Prinzipien sind auf der Schallwand durch den großen Hochton-Waveguide und die TMLAuslass- Öffnung würdig repräsentiert.
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© Herstellung / Archiv
TCD steht für „Transmissionline“ und „Constant Directivity“ – beide Prinzipien sind auf der Schallwand durch den großen Hochton-Waveguide und die TMLAuslass- Öffnung würdig repräsentiert.

Die beiden Mitteltöner im 17-Zentimeter-Format werden T+A-intern "Greycone" genannt. Sie sind mit graphitverstärkten Membranen aus gepressten Holzfasern versehen, die zur Unterdrückung von auf der Membran laufenden Partialschwingungen mehrfach mit Schnitten und dämpfendem Silikonkleber unterbrochen sind. Beide Konen spielen parallel und erzeugen so in der Vertikalen einen Bündelungseffekt, der einen nahtlosen Übergang des Abstrahlverhaltens vom Hoch- auf die Mitteltöner ermöglicht.

Unter 200 Hz übernehmen die beiden 20er Bässe, die rückwärtig die zweifach gefaltete Line antreiben. Damit ist das Problem der parasitär aus der TML austretenden Mitteltonfrequenzen, die oft für einen "hohlen" Klang verantwortlich sind, teilweise ausgeblendet. Für die restliche Bedämpfung sorgt ein von Entwickler Fabricius "Kurzschlussdämpfer" genannter Übergang zwischen der ersten und zweiten Faltung der Line, der als kleiner Resonator wirkt und zuverlässig um 150 Hz herum unerwünschte Schwingungen auslöscht.

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Geradezu herausragend gelang das Finish der Criterion-Serie: Mit einer Echtglasscheibe auf dem Deckel der Box, den abgerundeten Holzwangen (auf Wunsch gegen Aufpreis mit Klavierlack) und einem organisch eingefügten Gitter wirkt sie trotz ihrer Breite elegant.

Criterion TCD 210 S: Hörtest

Im Hörraum verlangte die TCD 210 S zunächst nach einer Optimierungsprozedur: Wer eine Box an beliebiger Stelle hinstellen und hören will, tut der T+A Unrecht, benötigt sie doch ein sorgsam austariertes Stereodreieck – nicht zu wenig Hörabstand! – und einige Experimentierschleifen mit Einwinkelung und Wandabstand. Stellten sich beim ersten Hördurchgang mit der audiophilen CD "Voices" (von in-akustik) noch ein etwas zu massiger Tiefton und eine etwas gequetschte Stimmdarstellung ein, so punktete die T+A nach der Optimierung vor allem mit ihrer Bühnenabbildung "wie aus einem Guss".

Sie vermochte das Kunststück, auch bei vier Metern Hörabstand noch völlig mühelos, räumlich und präsent die Akteure mit ausreichend Luft drumherum auf die virtuelle Bühne zu projizieren, ohne dass deren Nähe den Hörern je als unangemessen aufdringlich erschienen wäre.

Die Line der TCD 210 wird nicht am Anfang angeregt, sondern bei etwa einem Viertel der Länge. Mittel- und Hochtöner arbeiten in geschlossenen Kammern; die Resonanzdämpfer fehlen noch.
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Die Line der TCD 210 wird nicht am Anfang angeregt, sondern bei etwa einem Viertel der Länge. Mittel- und Hochtöner arbeiten in geschlossenen Kammern; die Resonanzdämpfer fehlen noch.

Dazu ein betont swingendes, nicht knochentrockenes, aber auch nicht zu weiches Bassfundament, das in Kombination mit der völlig mühelosen Attackierfreudigkeit der Blechbläser bei Marla Glens "Cost of Freedom" eine ungemein anmachende Performance mit einer extremst genau in der Mitte festgenagelten Sängerin servierte. Überhaupt begeisterte die T+A mit ihrer mühelos dynamischen Art, die einem Impulsspitzen unverzerrt und ohne Lästigkeit zu Gehör brachte, ohne in irgendeiner Form weichzuzeichnen.

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Berlioz‘ "Symphonie Fantastique" in der zuweilen ungehobelten, aber sensationell packenden SACD-Einspielung unter Nezet-Séguin (ATMA Classique) war mit ihrem Wechselbad der Gefühle wie geschaffen für die TCD: Sie folgte den schneidenden Blechbläser-Einwürfen, harten Paukenschlägen und abrupten dynamischen Wechseln ebenso traumhaft sicher wie sie den süsslichen, leisen Passagen mit Sanftheit und Schmeichelei begegnete. Das Orchester fächerte sie weit und genaustens gestaffelt in die Breite, ohne die Raumtiefe zu vernachlässigen.

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Die TCD 210 S ist keine Box für jedermann, sondern verlangt nach entsprechenden Räumen und Liebe bei der Aufstellung. Dann ist sie aber einer der besten, wenn nicht der beste Fernfeldlautsprecher ihrer Klasse, der nahfeldtypische Sanftheit mit unbändiger Dynamik und sensationeller Abbildungsgenauigkeit verbindet.

 
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