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Testbericht PMC twenty.22 im Test

Der britische Boxen-Hersteller PMC baute eine Transmissionline in die Kompaktbox twenty.22. Wie gut das funktioniert, haben wir im Hörraum überprüft.

PMC twenty.22
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© Hersteller / Archiv

PMC twenty.22
Gesamtwertung: sehr gut - 77 Punkte
Preis/Leistung: überragend
  • +herausragend sanfte und trotzdem sehr detailreiche Box
  • +homogene Klangfarben, weite Räumlichkeit
  • +sehr impulsfreudiger Bass
  • +spielt auch leise sehr stimmig
  • +harmoniert sehr gut mit mittelstarken, gern auch instabilen Röhren-Amps

Transmissionline-Boxen waren in der guten alten Zeit vor allem eines: groß und schwer. Das ist technisch gesehen erforderlich, da nur eine lange Line tiefen Bass erzeugen kann, aber wenig praxisgerecht. Warum sollte man nicht die dynamischen Vorteile der Line gerade bei Kleinmonitoren nutzen, bei denen Basspräzision wichtig ist, die aber bei geschlossener Bauweise oft zu wenig Pegelreserven bieten?

Genau das dachte sich PMC-Gründer Peter Thomas, der sich seit 1991 auf Studiomonitore mit Transmissionlines spezialisiert hatte. Mit der explizit als Home-HiFi-Serie konzipierten twenty-Reihe adapierte er sein Konzept der ATL (Advanced Transmissionline) für eine nur 18 cm schmale Kompaktbox. „Advanced“ kennzeichnet hier eine im Sinne von PMC weiterentwickelte, mehrfach gefaltete Line, bei der eine spezielle Bedämpfungsverteilung stehenden Wellen und Mittelton-Übertragungen durch die Line zuverlässig den Garaus macht.

PMC twenty.22: Aufbau

So lässt sich die ATL einerseits in einer Kompaktbox einsetzen, zum anderen aber auch mit einem Zwei-Wege-Konzept verwenden, bei dem der Tiefmitteltöner bis 1800 Hz hinauf spielt und die Line nur unterhalb 80 Hz anregt. Die tiefe Trennfrequenz blendet den mit einer getränkten und verhärteten 16er-Papiermembran ausgestatteten Konus aus, bevor er unchöne, zu starke Eigenbündelungseffekte zeigen würde.

PMC twenty.22 - Kooperation
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Kooperation: Die Gewebekalotte wird von PMC gemeinsam mit Seas entwickelt. Das Gitter ist akustisch mit eingerechnet.

Damit der Hochtöner, eine Joint-Venture-Entwicklung von PMC und Seas, diese tiefe Übernahme ohne Verzerrungen verarbeitet, muss er effektiv gefilterte Signale erhalten. Zum anderen sorgt eine Luftkammer hinter der Membran für eine tiefere Eigenresonanz. Durch die Weiche bedingte Verschiebungen in der Gruppenlaufzeit werden durch die schräg angeordnete Schallwand wieder ausgeglichen, bei der der Tiefmitteltöner dem Hörer etwas näher ist als der Hochtöner. Das Gehäuse wird aus hochdichter Faserplatte gefertigt und beinhaltet die immerhin 1,90 Meter lange Line.

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PMC twenty.22: Hörtest

Das Bassfundament der twenty.22 war denn auch im Hörraum beeindruckend – nicht derart, dass sie einen überbordenden Bass produziert hätte, dafür aber umso mehr mit der Lockerheit und Souveränität, mit der sich der Tiefton bei Peter Gabriels „Up“ ins Geschehen einfügte. Musikalische Details, die bei Zimmerlautstärke leicht untergehen, schälte die PMC heraus und überraschte mit einer herausragenden Detail-Auflösung, die jedoch niemals ins Aufdringliche oder Analytische kippte, sofern die Box parallel zur Wand stand.

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Homogenität und Lockerheit versprühte sie bei Ravels „Daphnis und Chloé“ (dargeboten vom London Symphony Orchestra als 24-Bit-Download), lieferte ein Füllhorn an klangfarblicher Staffelung und löste das Geschehen wunderbar von den Boxen ab. Wie in einem Hologramm konnte man in die kompakte Bühne hineinhören. Die Box verkörpert die besten Tugenden von Nahfeldmonitoren und kann doch viel mehr als ein Klassiker dieses Genres.

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