Testbericht McIntosh XR100 im Test
Gesamtwertung: überragend - 86 Punkte
Preis/Leistung: sehr gut
- +rhythmisch präzise
- +hochdynamisch und fokussiert
- +ideal in großen Hörabständen
- +superb holografische Abbildung
Und das nicht ohne Grund. Denn wer McIntosh-Elektronik sein Eigen nennt, hört oft auch in großen, nicht immer bedämpften Räumen bei fürstlichen Hörabständen. Herkömmliche, breit abstrahlende Boxen haben da oft das Nachsehen, und Mittelhochtonoder gar Vollbereichshörner entsprechen nur selten den ästhetischen Vorstellungen.
McIntosh XR100: Aufbau
Die XR100 stellt dem das Konzept eines Multi-Driver-Arrays entgegen, bei dem zehn Titan-Inverskalotten im Fünf-Zentimeter-Format in trickreicher Anordnung und Beschaltung fast den gesamten Stimm- und Obertonbereich wiedergeben. Zugleich sorgen die Kalotten für eine homogene Fokussierung im Raum. Das Bündelungsverhalten ähnelt dabei dem Konzept der um den Hochtöner gruppierten Mitteltöner à la D‘ Appolito, wurde aber an entscheidender Stelle zugunsten einer homogeneren Abstrahlung verbessert.
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Nur im Superhochton werden die Mitteltöner von einer 19-Millimeter-Titankalotte unterstützt sowie von einem Quartett von 17-Zentimeter-Bässen unterhalb 300 Hz. Diese Anordnung hat neben der Verwendung besonders kleiner, impulsschneller Bässe den Vorteil, dass zumindest im Oberbass vertikal eine gewisse Richtwirkung eintritt, die den Übergang im Abstrahlverhalten zum Mitteltöner-Array homogener gestaltet.
Weil Line Sources und ähnlich abstrahlende Konstruktionen tendenziell ein direkteres und subjektiv "schnelleres" Klangbild erzeugen, wurde auch im Tiefbass auf eine besonders impulsgenaue und zeitrichtige Wiedergabe Wert gelegt. Obwohl die rückwärtige Öffnung des Gehäuses wie eine Transmissionline aussieht, ist sie kürzer als eine solche und ähnelt akustisch eher einem gegenüber dem Lehrbuch zu tief abgestimmten (bei 27 Hz) Bassreflex, dessen Resonatorfunktion allerdings akustisch kaum mehr wirksam ist und der die akustischen Vorteile von Reflex und Line zu verbinden sucht.
McIntosh XR100: Hörtest
Vor einer überzeugenden Hör-Session braucht die XR100 vor allem eines: Zeit. Beim schnellen Hineinhören in die in-akustik-CD "Voices" punktete die XR100 zwar bereits mit überragendem Timing, knackigem Bass und ungeahnter Direktheit, aber das Klangbild löste sich zu wenig von den Boxen, und mittige Stimmen tönten zunächst zerrissen. Hörabstand, Stereodreieck und Einwinkelung wollen bei einem solchen, fürs Fernfeld optimierten Boxenkonzept sorgsam austariert sein, bis sich eine hundertprozentig holografische Mittenabbildung einstellt. Hilfreich war eine hochwertige Mono-Aufnahme, hier Mahlers 4. Sinfonie (RIAS, dirigiert von Klemperer), die nach einigen Versuchen letztendlich bei vier Metern Hörabstand und leichter Einwinkelung so ertönte, als stünde eine einzige McIntosh in der Mitte der Stereobasis.
So optimiert, tönte die McIntosh auch in Stereo in einer anderen Klasse: Vergleichbar mit (deutlich teureren) Line Sources wie Backes&Müllers BM50, stellte sie, als wir Mark Knopflers Album "Shangri-La" abspielten, ein mühelos von den Boxen gelöstes, völlig holografisch im Raum stehendes Klangbild vor, bei dem sich der druckvolle, nicht überschlanke, aber wunderbar präzise Bass nahtlos in das sehr direkte und brillant getimte Klangbild im Mittelhochtonbereich einfügte.
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Musikalische Details, wie die komplexen Chöre von Mahlers Achter Sinfonie (dirigiert von Tilson-Thomas), servierte sie nicht mit der letzten Ausleuchtung, sondern mit einem plausiblen Überblick auf das große Ganze und einer tendenziell verschlankten Stimmwiedergabe. Wobei auch hier wieder ihre Fähigkeit zur absolut genauen horizontalen Staffelung von 400 Musikern und ihre genau dosierte Dynamik, verbunden mit Nachdruck und Schnelligkeit im Bass, nicht nur Freunde von Hörnern und Flächenstrahlern verblüfften.
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McIntosh muss man ab jetzt als Boxenhersteller ernst nehmen. Angesichts ihrer Fähigkeiten gerade in großen Räumen und schwieriger Raumakustik ist die XR100 jeden Euro doppelt wert und wird nicht nur McIntosh-Besitzern viel Freude bereiten.