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Testbericht KEF X300A im Test

Aktivboxen von KEF? Das gab es noch nie. Mit dem eingebauten 96-kHz/24-Bit-Wandler wird eine ultrakurze Digitalkette möglich. Wir haben ein MacBook Pro mit iTunes/Audirvana Plus über USB angedockt und intensiv reingehört. Die X300A im Test.
KEF X300A
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© Hersteller/Archiv

KEF X300A
Gesamtwertung: gut – sehr gut - 71 Punkte
Preis/Leistung: überragend
  • +kraftvolle DAC-Aktivbox mit überragendem Timing
  • +ultrapräziser Bass und holografische Abbildung
  • +spielt hochauflösend und homogen warm
  • +ultrakompakte High-End-Lösung

KEFs Uni-Q-Lautsprecher sind vor einigen Jahren durch die erschwinglichen Preisklassen gefegt und haben das klassische Koaxial-Prinzip erneut im kollektiven Hörbewusstsein verankert. Auch mein HiFi-Bewusstsein hat Uni-Q geprägt.

Dass Instrumente und Musiker so klar und präzise im Klangraum verortet sein können, machten mir erst die kleinen Punktstrahler so richtig bewusst. Jetzt bindet der Hersteller seinen 5-Zoll-Koax aus der Q100 an einen Class A/B-Verstärker und packt den Wandler gleich noch mit in die Box. Ein denkbar kurzer und effizienter Signalweg.

KEF X300A: Aktiv werden

Das „Digital Reference System“ wie GP Acoustics die X300A selbst bezeichnet, ist ein kombinierter HiFi-/Studio-Lautsprecher. Die Anpassung an die äußeren Bedingungen regelt man über einen rückwärtigen Schalter. Mit „Stand“ bleibt der Frequenzgang unbearbeitet, „Desk“ hingegen korrigiert die auf dem Schreibtisch auftretenden Reflexionen. Ersteres gilt für mittlere Hörabstände bis drei Meter und die klassische Aufstellung auf Lautsprecherständern. Letzteres spricht für das Nahfeldhören und Computer-HiFi.

Kaufberatung: Drei Kompaktboxen im Test

Kurze Wege auch in der Box: Aktivelelektronik und Wandler befinden sich in beiden Lautsprechern, was für ein optimales Impulsverhalten der Treiber sorgen sollte. Da die Verbindung zwischen den Boxen rein digital über USB geschieht, können problemlos Steuerdaten ausgetauscht werden. So liegt das Musiksignal auch an der Partnerbox digital an. Doch ob digital oder analog, ein Schreibtisch bleibt ein anregender Mitspieler – das gilt vor allem im Grundtonbereich. Praxisnah liegen deshalb Bassreflexstopfen im Karton, die über einen lösbaren Innenteil in zwei Stufen das Reflexrohr bedämpfen.

Aktiv-Team: System-Gain regelt den Pegel beider Boxen, der EQ-Schalter passt den Frequenzgang auf „Desk“ oder „Stand“ an, USB-In verbindet den Wandler per USB-A mit dem Rechner und der 3,5-mm-AUX-In bietet Anschluss für mobile Musik-Player oder Smartphones. © Hersteller / Archiv
Aktiv-Team: System-Gain regelt den Pegel beider Boxen, der EQ-Schalter passt den Frequenzgang auf „Desk“ oder „Stand“ an, USB-In verbindet den Wandler per USB-A mit dem Rechner und der 3,5-mm-AUX-In bietet Anschluss für mobile Musik-Player oder Smartphones.

KEF X300A: Im OS X Audirvana

Es ist faszinierend, welche Möglichkeiten sich nun mit einem Notebook und geeigneter Wiedergabe-Software ergeben. Redaktionsintern entschieden wir uns für das neue MacBook Retina mit SSD und iTunes. Kenner wissen aber, dass diese Konfiguration allein noch keine höchstwertige Quelle sein kann. Das liegt an der suboptimalen Lautstärke- und Titelkontrolle über Apples CoreAudio und an den diversen OS-X-Hintergrunddiensten wie Spotlight, Time-Machine und der USB-Erkennung.

Ratgeber: Welcher Lautsprecher passt wann?

Audirvana Plus kümmert sich um solche Klangschlucker und setzt mit iZotope einen eigenen Sample-Rate-Konverter auf. Zudem erkennt das Plug-in die Fähigkeiten des angeschlossenen DAC automatisch und gibt Musikdateien bis 192 kHz/ 24 Bit aus. Hierfür nutzt der Player RAM-Playback, jedes Musikstück wird also zuvor in den Arbeitsspeicher geladen. Ein Import-Tool nimmt sogar DSD-Dateien bis 384 kHz sowie FLACs entgegen und integriert diese eigentlich inkompatiblen Formate sauber in die iTunes-Sammlung. Kann der angeschlossene Wandler mal nichts damit anfangen, werden die digitalen Häppchen on the Fly nach PCM gewandelt.

Die zweite Box wird rein digital verbunden über ein Mini-USB-Kabel; sie verfügt auch über einen Balance-Regler. © Hersteller / Archiv
Die zweite Box wird rein digital verbunden über ein Mini-USB-Kabel; sie verfügt auch über einen Balance-Regler.

Aus Häppchen werden Happen. Der Kontrapunkt des Digitalen sind die norwegischen Akustik-Minimalisten Kings of Convenience. Auf „Misread“ spannt sich ein authentisch klingender Aufnahmeraum wie zu besten Beatles-Zeiten auf. Die X300A setzt das repetitive Klavierspiel vorne links in einen weiten und tiefen Raum, während die hart abgedämpfte Akustikgitarre das Stück vorantreibt – reale Klangfarben inklusive. Dann erscheinen die Stimmen von Eirik und Erlend. Fast holografisch und schmatzend genau stehen die Sänger auf dem „Desk“; und nicht etwa unangenehm zischelig, sondern mit natürlicher Präzision in den Aufnahmeraum eingebettet. Übrigens versetzt die Einstellung „Stand“ das akustische Zentrum weiter nach hinten und erzeugt mehr Bass.

Praxis: HiRes-Wiedergabe am Computer

„Stay Out Of Trouble“ begleitet ein elegant elegischer Kontrabass, der akurat und ohne Tischresonanzen vor sich hin knarzt. Das Gehäuse der X300A lässt dabei nichts von sich hören. Aber geht es noch tiefer? Auf Beady Belles „Touch Of Paradise“ zupft ein ungemein sonorer Kontrabass. Auch jetzt bleiben Gehäuse und Treiber „out of trouble“: Man hört weder Brummen noch Rasseln – sogar bei Lautstärken, die sonst nichts auf dem Desk verloren haben. Die kräftigen Class-A/B-Verstärker haben das präzise Uni-Q gut im Griff.

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Die Rechnung geht also auf! KEF ist es gelungen, digitale Signaleffizienz mit klangvoller Aktivelektronik auf engstem Raum zu paaren. Herausgekommen ist ein Meilenstein, an dem sich die Konkurrenz messen muss. Es fehlt nur noch AirPlay.

PCs und Notebooks benötigen etwas Software-Optimierung, dann zahlt sich jede Verbesserung aus: ob Audirvana, Pure Music oder Amarra den USB-Output übernehmen, ob HiRes-Dateien spielen oder ein gutes USB-Kabel den DAC verbindet. Computer-HiFi in dieser kompakten Form eröffnet ein weites Feld für Klangexperimente – allein per Mausklick.

 
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