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Testbericht Test: Aktivmonitor Genelec 8260 A

Der finnische Profiausrüster Genelec paart im 8260 A (8460 Euro pro Paar) einen modernen Koax mit komplexer Elektronik.

Genelec 8260 A

Hersteller
Genelec
UVP
8460.00 €
Wertung
61.0 Punkte
Testverfahren
1.0
Auszeichnung
stereoplay Highlight 7/2011
Tester
stereoplay

Inhaltsverzeichnis 1/2

Das Spiel ist immer das gleiche. Auf der Suche nach neuen Verstärkern und Boxen studieren High Ender unzählige Testberichte, besuchen Workshops und tingeln von Händler zu Händler, um ja die besten Produkte für ihr sauer verdientes Geld zu erhaschen. Zu Hause macht sich nicht selten Ernüchterung breit. Denn jeder Raum klingt anders, und viele Boxen entfalten ihr Potenzial nur unter günstigen akus­tischen Bedingungen sowie bei optimaler Aufstellung.

Der Zweiwege-Koax und der umliegende Teil der Schallwand bilden eine akustische Einheit mit einem außergewöhnlich guten Rundstrahlverhalten. Der Konusmitteltöner nutzt eine Schaumstoffmembran, die am äußeren Rand keine wulstige Sicke braucht – was die Arbeit des Hochtöners unterstützt. © Archiv
Der Zweiwege-Koax und der umliegende Teil der Schallwand bilden eine akustische Einheit mit einem außergewöhnlich guten Rundstrahlverhalten. Der Konusmitteltöner nutzt eine Schaumstoffmembran, die am äußeren Rand keine wulstige Sicke braucht – was die Arbeit des Hochtöners unterstützt.

Tatsächlich gibt es flexible Boxenkonzepte, die auch bei nicht idealen Bedingungen eine ansprechende Wiedergabe ermöglichen. Die Rede ist von Aktivmonitoren mit eingebauten Verstärkern und Orts­filtern, die manuell oder automatisch gesetzt werden. Einer der interessantesten Vertreter seiner Art ist der 8260 A von Genelec. Die 1978 gegründete Firma ist in Finnland ­beheimatet und nach eigenem Bekunden Weltmarktführer im professionellen Bereich.

Rechts oben im Anschlussfeld liegen die kleinen, roten DIP-Schalter  zur Steuerung der Ortsfilter. © Archiv
Rechts oben im Anschlussfeld liegen die kleinen, roten DIP-Schalter zur Steuerung der Ortsfilter.

Der knapp 60 Zentimeter hohe Hochleistungs-Wandler 8260 A wurde für Hörabstände zwischen 2 und 4 Meter entwickelt, eignet sich aber auch für kürzere Distanzen bis hinunter zu einem halben Meter. Dass man ihm ungestraft derart dicht auf die Pelle rücken darf, verdankt der 8260 A einem hochmodernen Koaxialsystem, welches die Frequenzen oberhalb von 490 Hertz bis über die Hörgrenze verarbeitet.

Der Punktstrahler ist eine Eigenentwicklung der Finnen, die damit diese Bauform in ­radikaler Weise variieren. Der Treiber und die ihn umgebende Schallwand sind äußerlich völlig glattflächig, es gibt nirgendwo Kanten oder Vorsprünge.

Im Zentrum sitzt eine der breiteren Abstrahlung wegen nur 19 Millimeter große Aluminiumkalotte, umgeben von einer kleinen Schallführung. Die mattgrau gestaltete Membran des Mitteltöner schließt daran übergangslos an. Der ­Konus wird aus Schaumstoff gefertigt und arbeitet ohne die übliche Randaufhängung.

Das lediglich 12 Zentimeter große System geht nahtlos in die Schallwand über, die in diesem Bereich muldenartig geformt ist und so ein gleichbleibend homogenes Rundstrahlverhalten unterstützt.

Wie gut die Nordeuropäer das Thema beherrschen, zeigt die Messung auf der übernächs­ten Seite. Bis etwa 30 Grad ­relativ zur Hauptachse spielt die Hörposition kaum eine Rolle, bei größeren Winkeln und zu höheren Frequenzen hin sinkt der Schalldruck gleichförmig. Das Rundstrahlverhalten ist eines der besten, das stereoplay je messen konnte.

Für tiefe Frequenzen ist in der 8260 A ein klassischer 10-Zoll-Treiber zuständig. Dank elektronischer Nachhilfe erzielt der Konus trotz knapp bemessenen Gehäusevolumens eine untere Grenzfrequenz nahe 23 Hertz. Subwoofer sind entbehrlich, es sei denn zur Steigerung der Maximallautstärke, die nach der strengen TEST­factory-Messmethode bei 102 Dezibel pro Box liegt. Im ­Mittelton sind Werte um 110 Dezibel möglich. Sie können durchaus abgerufen werden, wenn das Musikmaterial keine lauten Bässe enthält.

Die Einmessung im stereoplay-Hörraum: Die blaue Kurve zeigt die aus sechs Notch-Filtern zusammengesetzte Korrekturfunktion, die den raumbedingten Überhöhungen entgegenwirkt. Rechts oben ... © stereoplay
Die Einmessung im stereoplay-Hörraum: Die blaue Kurve zeigt die aus sechs Notch-Filtern zusammengesetzte Korrekturfunktion, die den raumbedingten Überhöhungen entgegenwirkt. Rechts oben ...

Im Gegensatz zu Passivboxen lässt sich der 8260 A gefahrlos an seinen physikalischen Grenzen betreiben, weil eingebaute Limiter alle Zweige überwachen. Maßvolle Übertreibungen werden kaum merklich gekappt, erst bei brutaler Übersteuerung geraten die Eingriffe massiver. Überbordende Verzerrungen oder Defekte verhindern sie auf jeden Fall.

... sind vier Shelving-Filter (Klangregler) eingeblendet, die breitbandig wirken. Das zweite Fenster zeigt rot den Frequenzgang im Raum, blau die Korrekturen und grün die deutlich glattere Summe. © stereoplay
... sind vier Shelving-Filter (Klangregler) eingeblendet, die breitbandig wirken. Das zweite Fenster zeigt rot den Frequenzgang im Raum, blau die Korrekturen und grün die deutlich glattere Summe.

Die elektronische Tiefbass-ausweitung zwingt die Membran zu deutlich größeren Auslenkungen, auch die Luftmasse im Reflextunnel wird sehr viel stärker gefordert. Den zugehörigen Tunnel, der an der Boxenrückseite mündet, hat Genelec deshalb besonders strömungsgünstig gestaltet.

Die Gehäuse aus Aluminium sind vielfältig gebogen und ­gerundet, was Kanteneffekte auf ein Minimum reduziert und die Steifigkeit auf die Spitze treibt. Die Bauweise ist einer der Gründe für die überragende Klangreinheit der 8260: Sie stellt feine wie grobe Dynamik­abstufungen extrem realistisch dar. Es gibt hier keine Aura um die Klänge, selbst feinste Schattierungen werden wie auf einem Silbertablett serviert.

Dank der hohen Wärmeleitfähigkeit von Aluminium sind keine besonderen Maßnahmen zur Kühlung erforderlich. Auch nach Stunden harten Einsatzes wird das Gehäuse maximal handwarm.

Die Verstärker bergen aus klanglichen Gründen analoge A/B-Technik und leisten zwischen 120 und 150 Watt je ­Kanal. Filter und Frequenzweichen arbeiten rein digital. Der symmetrisch ausgeführte, dem AES/EBU-Standard folgende Digitaleingang akzeptiert Bandbreiten zwischen 32 und 192 Kilohertz. Alternativ steht ein analoger XLR-Anschluss zur Verfügung, dessen Signale vor der Weiterverarbeitung digitalisiert werden.

Die Signalprozessoren ermöglichen eine steilflankige Begrenzung der Arbeitsbereiche sowie zahlreiche Komfortfunktionen. Über kleine Schalter an der Rückseite kann man wie bei älteren Genelec-Modellen defi­nierte Ortsfilter abrufen.

Ungleich komfortabler und genauer gelingen Justagen über die zugehörige Software, die auf einem externen Rechner läuft und bis zu 30 Boxen plus Subwoofer verwalten kann. Eingemessen wird für eine ­Mikrofonposition – oder gemittelt über vier.

Die Algorithmen glätten nur Überhöhungen. Jede Box optimiert die Software separat, auch starke Überhöhungen durch Wandnähe werden erkannt und korrigiert. Ein für gut befundenes Setup lässt sich in der Box speichern – beliebig viele im externen Rechner.

Manuelle Änderungen sind sofort hörbar, denn sie werden in Echtzeit umgesetzt. Durch einfachen Mausklick (oder ­etwas umständlicher über die Schalter an der Box) kann der Anwender stets zur Werks­einstellung zurückkehren.

Im Hörraum der Tester belegten die Genelec 8260 A die bewährte wandferne Position. Dank der freien Aufstellung und der guten akustischen Bedingungen fielen die Eingriffe recht moderat aus.

Monitore auf der Messe: Beim Subwoofer-Workshop von stereoplay während der HIGH END 2011 dienten die 8260 A als Hauptlautsprecher. © stereoplay
Monitore auf der Messe: Beim Subwoofer-Workshop von stereoplay während der HIGH END 2011 dienten die 8260 A als Hauptlautsprecher.

Die Aktivmonitore klangen bereits in der Werkseinstellung sehr überzeugend, dennoch brachte die Linearisierung eine deutliche Steigerung. Der Abbau raumbedingter Spitzen führte zu einer höheren Bass­präzision, die auch dann erhalten blieb, wenn die Tester den nach der Einmessung deutlich leiseren Bass durch eine breitbandige Anhebung tiefer Frequenzen fülliger gestalteten. Hauptgewinner der Optimierung aber waren Neutralität und räumliche Staffelung, die unerwartet klar zulegten.

Den a cappella gesungenen Gospel-Klassiker „Grandma‘s Hands“ mit Leadsänger Livings­ton Taylor (Chesky/in-akustik) servierten die Monitore mit einer Selbstverständlichkeit und Attacke, die über herkömmliche Passivboxen und Verstärker bei vergleichbaren Kosten kaum zu erzielen sein dürfte.

Die räumlichen Dimensio­nen der stimmgewaltigen Gruppe reichten über die Basisbreite der Boxen hinaus und waren doch klar umrissen. Die vielen blitzschnellen Wechsel zwischen laut und leise kamen mit atemberaubender Deutlichkeit und fern jeder Kompression oder Verdeckung.

Erst bei gemeingefährlichen Pegeln, die nur Hartgesottene anstreben werden, lastete ein Hauch von Anstrengung auf den oberen Mitten, noch bevor die Limiter zur Tat schritten. Doch Grenzen hat jede Box, zumal bei einer derart platzsparenden Bauweise.

Fazit: Der 8260 ist ein großer Wurf, den Profis und Private gleichermaßen heiß und innig lieben werden.

Alle Daten und Testergebnisse zum Genelec 8260 A

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