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Kompaktbox Tannoy Precision 6.1 im Test

Trotz ihrer kompakten Maße klingt die Tannoy Precision 6.1 fast wie eine ausgewachsene Standbox.
Tannoy Precision 6.1
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© Julian Bauer, MPS, Archiv

Tannoy Precision 6.1
Klangurteil: 81 Punkte
Preis/Leistung: sehr gut
  • +präziser und sehr spritziger Klang
  • +größenbezogen enorm hohe Dynamikreserven
  • -Bass und Grundton freistehend etwas zurückhaltend

Koax-Chassis und Tannoy-Lautsprecher gehören zusammen wie Fish and Chips. Bereits vor mehr als 50 Jahren präsentierten die schottischen Boxen-Spezialisten den ersten funktionsfähigen Lautsprecher mit dem legendären Dual-Concentric-Chassis. Mit zahlreichen Lautsprechern, die diesen Treiber nutzen, wuchs das Unternehmen zu einer festen Größe in der HiFi-Welt und wird besonders für den dynamischen Sound geschätzt.

In den letzten Jahren arbeiteten die Entwickler weiter eifrig am Dual-Concentric. Das Ergebnis dieser Forschung kommt in der kürzlich vorgestellten Precision-Serie zum Einsatz. Sie umfasst drei Lautsprecher und in jedem dieser Modelle darf der identische, nun überarbeitete 15cm-Koax seinen Dienst antreten. Je nach Gehäusegröße gesellt sich der ein oder andere Tieftöner hinzu, der den Dual-Concentric-Treiber entlasten soll.

Tannoy Precision 6.1: Aufbau

Nicht so bei unserem Testgerät: In der Precision 6.1 ist der Koax für den gesamten Frequenzbereich zuständig. Er ist mit zwei Magneten ausgerüstet, um so einen homogeneres Feld im Polkern zu schaffen und dürfte mit seiner 44mm-Schwingspule einiges aushalten. Die Gummisicke, die auf dem Rand der beschichteten Papier-Membran liegt, soll eine verlustfreie Bewegung des Treibers gewährleisten. Der bereits ab 1,6 kHz einsetzende 25mm-Tweeter mit Titan-Kalotte befindet sich nicht auf gleicher Ebene mit dem Tiefmitteltöner-Konus, sondern ein paar Zentimeter dahinter.

Tannoy Precision 6.1

Blumig

Der Hochtöner der Tannoy sitzt hinter dem Konus des Woofers. Der aus Metall gefertigte Tulip-Waveguide ist für ein breiteres Abstrahlverhalten verantwortlich.

Diesen Abstand überbrückt der von Tannoy patentierte, seit Jahrzenten genutzte „Tulip“-Waveguide, der neben einem genau kontrollierten Abstrahlverhalten auch etwas Wirkungsgrad bringt und damit klirrmindernd wirkt. Die geschwungene Form der Gehäuseseiten verstärkt nicht nur die Konstruktion, sondern unterdrückt gleichzeitig auch die Entstehung von Resonanzen im Inneren. Der Tannoy-typische zusätzliche Erdungs- Anschluss am Terminal ist intern mit dem Chassiskorb verbunden und kann subtile Klangvorteile bringen. Das Testgerät sieht sehr schick aus, ist sauber lackiert und perfekt poliert. Neben der abgebildeten Walnuss-Version ist die Precision 6.1 auch in Schwarz erhältlich.

Tannoy Precision 6.1: Hörtest

Den typischen Tannoy-Klang prägen vor allem eine atemberaubende Dynamik und ein warmer, druckvoller Bass. Das bewies schon die große Schwester unserer Kompaktbox, die Precision 6.4 . Dass die 6.1 trotz ihres überschaubareren Gehäuse-Volumens immer noch ein gutes Bass-Fundament ablieferte, beruhigte und entzückte die AUDIO-Tester zugleich. Der eigentliche Hammer war aber zweifelsohne der enorm große Dynamikumfang im Spiel der kleinen Boxen: R.L Burnsides „Let My Baby Ride” (Come On In) übertrugen sie derart souverän, dass die Tester nicht nur eine, sondern gleich beide Augenbrauen hochziehen mussten. Dabei erreichte die 6.1 Pegel, die man sonst nur von einer wirkungsgradstarken Standbox erwarten würde.

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Die klaren Mitten verhalfen Stimmen zu einer hervorragenden Präsenz innerhalb des Bandgefüges – selbst bei etwas hektischeren Songs: Der Gesang bei „Kpafuca” (Rythm is Love) von Keziah Jones strömte klar und sauber akzentuiert aus dem Dual-Concentric-Chassis. Die knackige Gitarren-Begleitung punktete mit einem guten Timing und die rauen Bläser hatten die nötige Portion Blech im Ton. Erst bei sehr hohen Pegeln konnten die ohnehin crispen, klaren Höhen stellenweise auch störende Artefakte hervorbringen. Ansonsten jedoch verhalfen die Tannoys Musik jeglicher Couleur zu beeindruckender Detailzeichnung. Die Gitarre im Jimi Hendrix-Song „Little Wing” (von seinem phantastisch starken Album-Klassiker „Axis: Bold As Love“, den man gleich am Stück durchören wollte) klang selten derart präzise und perkussiv – sehr schön!

 
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