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Standbox Tannoy Definition DC10A im Test

Für die Definition DC10A nutzen die Ingenieure von Tannoy ein besonders klassisches Chassis-Konzept. Dadurch soll die Standbox langlebiger werden. Doch klingt sie auch besser?
Tannoy Definition DC10A
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© Hersteller/Archiv

Tannoy DC10A
Gesamtwertung: gut - 82 Punkte
Preis/Leistung: sehr gut
  • +direkt, spielfreudig und dynamisch extrem fein schattiert
  • +herausragende Raumdarstellung auch in großen Räumen
  • +hohe Detailauflösung
  • -unverzeihlich und wenig sanft bei schwierigen Aufnahmen

Kontinuität wird in England großgeschrieben: Andere mögen im Drei-Jahres-Rhythmus das Rad neu erfinden wollen, bei Tannoy setzt man seit über 60 Jahren auf das hauseigene Koax-Prinzip, den Dual-Concentric-Treiber. Ein grosszügiger Konus-Tiefmitteltöner – im Falle der neuen Definition ein 10-Zöller – wird mit einem konzentrisch in der Polkernbohrung angeordneten Hochtonhorn kombiniert, dessen Druckkammertreiber hinter dem Tiefton-Antrieb genug Platz findet. Zur Erweiterung und Krönung der eher sachlich und modern designten DC-Serie schwebte den Tannoy-Ingenieuren ein besonders puristisches und klassisches Chassis-Konzept vor: Nicht ein von Ferrit-Magneten angetriebener Konus macht hier die Musik, sondern einer mit AlNiCo-Magneten.

Diese Legierung war das erste in dynamischen Lautsprechern genutzte Magnetmaterial, und ist mit ein Grund dafür, dass viele Vintage-Tannoys auch nach 50 Jahren noch ihre Besitzer glücklich machen: Es ist besonders alterungs- und hitzebeständig und behält auch nach Jahrzehnten seine Eigenschaften konstant bei. Nebenbei gibt es etliche Musiker und Musikhörer, die aus dem nicht herausragend starken, aber gleichmäßigen Magnetfeld und der geringen Beeinflussbarkeit der Magneten durch äußere Felder (also auch von der Schwingspule) eine bessere Wiedergabe von Dynamik, Impulsen und direkter Ansprache herauslesen wollen.

Fünftes Rad am Terminal? Nein, nur die oberen vier Anschlüsse bedienen die beiden Töner im Bi-Amping bzw. Bi-Wiring. Der fünfte dient als Erdungsanschluss für alle Metallteile in der Box. © Hersteller / Archiv
Fünftes Rad am Terminal? Nein, nur die oberen vier Anschlüsse bedienen die beiden Töner im Bi-Amping bzw. Bi-Wiring. Der fünfte dient als Erdungsanschluss für alle Metallteile in der Box.

Auf diese Eigenschaften wurde die DC10A optimiert, zugleich soll aber der Hochtonbereich nicht altbacken oder gar zu dumpf klingen: Das von einem 2-Zoll-Aluminiumtreiber mit Druckkammer befeuerte Horn wurde dem Krümmungsverlauf des neuen Treibers daher angepasst und verarbeitet die Musiksignale bereits ab 1100 Hz. Die tiefe Trennfrequenz ermöglicht ein noch gutes Rundstrahlverhalten des aus verschiedenen Fasern gepressten Pappkonus und damit einen gleichmäßigen Übergang auch des Abstrahlverhalten.

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Dazu dient auch die trichterförmige Kurve, die die Pappmembran selbst beschreibt, wirkt sie doch zusammen mit dem „Pepperpot“ (die gebohrten Schalllöcher der Druckkammer erinnern an einen Pfefferstreuer) als Hornführung. Nebenbei stärkt die gekrümmte Form die Stabilität und verhindert so Partialschwingungen der Membran.

Tradition pur: Die Membran mit ihrer enger werdenden Trichterform ist leicht und stabil, die doppelte, getränkte Gewebesicke erinnert an PA-Chassis. Der AlNiCo-Magnet nebst 50-mm-Schwingspule wirkt sehr klassisch, die Korbkonstruktion aus Druckguss dagegen ist filigran und absolut stabil. © Hersteller / Archiv
Tradition pur: Die Membran mit ihrer enger werdenden Trichterform ist leicht und stabil, die doppelte, getränkte Gewebesicke erinnert an PA-Chassis. Der AlNiCo-Magnet nebst 50-mm-Schwingspule wirkt sehr klassisch, die Korbkonstruktion aus Druckguss dagegen ist filigran und absolut stabil.

Schneller, druckvoller Bass

Die Aufhängung derselben mit einer doppelt gefalteten, getränkten Gewebesicke erinnert an Beschallungs- und Musiker-Chassis. Kein Zufall, ist doch Tannoy in den ersten Jahrzehnten als PA-Hersteller berühmt geworden und sieht den ansatzlos schnellen und druckvollen Bass noch immer als Ideal. Diesem Ziel dient auch die etwas ungewöhnliche Bassreflex-Abstimmung mit zwei rückwärtigen Rohren, die bei besonders tiefen 30 Hz schwingen und damit deutlich unter der „Lehrbuchabstimmung“ nach Thiele & Small rangieren. Dies führt zwar zu einem extrem tiefen, aber im Pegel etwas abgesenkten Tiefbass, der insbesondere in wandnaher Aufstellung präziser und schneller spielt als bei üblichen Konstruktionen mit einer höheren Tuning-Frequenz.

Schnitt durch das DC10A-Gehäuse: Im Bereich um den Dual-Concentric-Treiber erkennt man starke Verstrebungen, die das Gehäuse versteifen und stehende Wellen verringern. Die Reflexrohre münden rückwärtig- mittig nach außen, um unfreiwillig abgestrahlte Mitteltonfrequenzen nicht zum Hörer dringen zu lassen. Die Frequenzweiche ist nach alter Väter Sitte frei verdrahtet. © Hersteller / Archiv
Schnitt durch das DC10A-Gehäuse: Im Bereich um den Dual-Concentric-Treiber erkennt man starke Verstrebungen, die das Gehäuse versteifen und stehende Wellen verringern. Die Reflexrohre münden rückwärtig- mittig nach außen, um unfreiwillig abgestrahlte Mitteltonfrequenzen nicht zum Hörer dringen zu lassen. Die Frequenzweiche ist nach alter Väter Sitte frei verdrahtet.

Hörtest

Genau dort fühlte sich die DC10A am wohlsten: Freistehend im Hörraum klang sie bei Leonard Cohens „Suzanne“ (aus dem Album „Songs From The Road“) zwar herausragend leichtfüssig, extrem detailliert und schnell, ließ es aber auch an überzeugendem Brustton und Fundament mangeln. Das stellte sich dafür umso mehr ein, wenn die klassische Tannoy in modernem Gewand zwischen 10 und 40 cm Wandabstand einnahm: Dann gewann Deep Purples „Highway Star“ nicht nur an Power und Fundament, die Schlagzeugfelle glühten förmlich ob der präzisen und treffsicheren Schläge. 

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Nein, die DC10A spielte mit Unterstützung auch subjektiv schneller und dynamisch ansprechender, wo andere Boxen eher zur Langsamkeit tendieren. Dafür ging sie schonungslos gerade mit etwas schwierigeren Aufnahmen um und stellte S-Laute etwas härter und analytischer dar, als es sich High-Ender mit einem Hang zur Sanftheit wünschen würden.

Das war die Kehrseite ihres herausragenden Timings mit einem kernigen, trockenen, doch nicht überdämpften Bass. Auch ihre Abbildung zählt zu den besten: Die Stimme von Tenor Christoph Prégardien (Schuberts „Schwanengesang“) stand wie angemeißelt im Raum und leuchtete ihn mit ihrer strahlenden Kraft herausragend aus. Dazu baute die DC10 einen weiten, holografisch zwingenden Raum auf, der trotz der zuweilen etwas unsanften Darstellung der Stimmen den Hörer lange in seinen Bann zog.

 
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