Menü

Testbericht TAD-Kette: M 2500, C 2000 und Evolution One im Test

TADs neue Evolution-Kette aus der Vor­stufe C 2000, der Endstufe M 2500 und der 3-Wege-Box Evolution One fordert die Referenzklasse heraus. Ein kühner Plan - doch noch nie standen die Chancen besser für einen Coup.

vergrößern
© Archiv

TAD Evolution One
Klangurteil 105 Punkte
Preis/Leistung: sehr gut
  • +sehr homogen
  • +breitbandig und differenziert im Bass
  • +exzellente Abbildung
  • -Bass könnte noch etwas mehr Kick vertragen

Was haben Bands wie die Eagles oder Grateful Dead mit Studios wie Sky­walker Sound, Walt Disney oder Pixar gemeinsam? Sie alle zieren die lange Referenz-Liste von TAD, einer Marke, von der wir künftig sicher noch öfter hören werden.

Denn mögen die 73.000 Euro für die Vor­stufe C 2000, die Endstufe M 2500 und die 3-Wege-Box Evolution One eine Preis­kategorie sein, in der nicht nur die meisten Konsumenten, sondern auch die meisten Hersteller passen müssen – für TAD markiert die neue Evolution-Serie ungeachtet des immensen Aufwands nur die Einstiegsklasse!

Dabei verfolgen die Japaner nach ­Tradition ihres Landes einen anderen ­Ansatz als zahlreiche High-End-Schmieden aus Großbritannien, Amerika oder Italien, die oft den Eindruck erwecken, einfach das zu bauen, was sie selbst cool finden. TAD versuchte dagegen in Marktstudien die Ansprüche von professionellen ­Anwendern und Audiophilen auf ­einen gemeinsamen Nenner zu bringen.

Kaufberatung: 12 Standlautsprecher im Test

Das Ergebnis erinnert an Mengenlehre: hohe Präzision, großer Frequenzumfang, originalgetreue Wiedergabe, High-Performance-Materialien oder einfach Bery­llium findet sich in der Schnittmenge beider Welten, die der Hersteller bedienen möchte. Um es vorweg zu nehmen: Diese nüchternen Ziele wurden ausnahmslos erreicht.

TAD Evolution One

Verarbeitung

Erfreulicherweise blieb die Seele des Ganzen dabei nicht auf der Strecke. Das Vergnügen beginnt schon beim Auspacken. Die Gehäuse der Elektronik sind extrem schlicht und edel, die Anfassqualität zählt wie bei den schweren, aber keinesfalls monströsen Boxen zum Besten, was AUDIO-Redakteure je in den Händen hielten. Und was die Kons­truktion betrifft: Durchweg dominiert das Bestreben nach Trennung einzelner ­Arbeitsbereiche. Man blickt auf nobelste Bauteile und konsequenten Aufbau.

Praxis: Lautsprecher richtig aufstellen

Beispiele gefällig? Die hochwertige Frequenz­weiche sitzt durch jede Menge Holz getrennt im Sockel – also schwingungsseitig wie thermisch von den Treibern entkoppelt. Deren Star ist der Beryllium-Koax nach Coincident Source Technology (CST) für den Mittel-Hochtonbereich. Das seltene Metall bricht erst bei sehr hohen Frequenzen zu Partialschwingungen auf, hat aber gegenüber den in dieser Hinsicht geringfügig besseren Diamantmembranen den Vorteil geringerer innerer Verluste.

TAD M 2500
Klangurteil: 130 Punkte
Preis/Leistung: sehr gut
  • +sehr guter Digitalverstärker
  • +neutral, schnell, stark und kontrolliert
  • +optional mit vier Kanälen

Der M 2500 ist ein symmetrischer Stereo-Verstärker mit Class-D-Ausgangsstufe, die ohne Kühlkörper auskommt und von zwei mächtigen ­Linear-Netzteilen gespeist wird. Deren Ringkerntrafos weisen eine besonders verlustfreie Kopplung zwischen Primär- und Sekundärwicklungen auf – das sorgt für Effizienz und geringe Störstrahlung. Für Bi-Amping-Fans gibt es alternativ die Vier-Kanal-Version M 4300 für 24.000 Euro.

Die symmetrische Vorstufe verfügt über einen spiegelsymmetrischen Dual-Mono-Aufbau mit riesigem, in einer separaten Kammer untergebrachten Netzteil mit doppelten Ringkerntrafos. Ihr Ultra High Precision Crystal Generator Quartz-Oszillator stammt aus dem CD-Player
D 600. Als Master Clock soll er einen jitterfreien Betrieb der mit Burr-Brown PCM­1794A bestückten Wandler-Sektion sichern.

Praxis: Bi- und Tri-Amping

TAD fräst die beiden von Kammern für kritische Bereiche dominierten Gehäuseschalen aus ­einem massiven Aluminiumblock. Das wirkt edel, stabilisierend und abschirmend zugleich und ist nebenbei antimagnetisch. So ähnlich kommen auch die Uniblock-­Gehäuse des MacBook Pro auf die Welt.

Einrichtung

Die Gemeinsamkeiten gehen sogar noch weiter: Während PC-Besitzer zur Verwendung des asynchronen USB-DACs einen Treiber herunterladen müssen, gilt für Mac­ianer: „plug & play“.

Genauso problemlos verlief die Installation und Inbetriebnahme der ganzen Kette. Aus dem Stand spielte sie extrem locker und tonal geradezu vorbildlich ausgewogen. Schnell weckte das Trio Erinnerungen an Besuche in Tonstudios.

Klang

Das lag nicht allein an der herausragenden Neu­tralität der gesamten Kette, die den ­Eindruck erweckte, einem High-End-­Perpetuum-Mobile zu lauschen – einer Box, die von alleine spielt. Es schien, als wäre zwischen Mikrofon und Lautsprecher-Membranen keinerlei Wiedergabe-Elektronik im Spiel.

TAD C 2000
Klangurteil: 130 Punkte
Preis/Leistung: sehr gut
  • +extrem neutrale, breitbandige Vorstufe
  • +exzellenter D/A-Wandler
  • -relativ wenig analoge Anschlussmöglichkeiten

Wenn diese extrem neutrale, luftige Vor-Endkombi nicht der verstärkende Draht ist, dann hat TAD zumindest einen großen Schritt in Richtung dieses Ideals gemacht.

Die Evolution One lieferte einen linealgeraden Frequenzgang, extreme Grenzfrequenzen und ein praktisch perfektes Verhalten außerhalb der Achse. © AUDIO
Die Evolution One lieferte einen linealgeraden Frequenzgang, extreme Grenzfrequenzen und ein praktisch perfektes Verhalten außerhalb der Achse.

Das Studio-Feeling fußte ebenfalls auf der perfekten Abbildung: Die Evolution One kommt dem Ideal der Punktschallquelle schon verdammt nahe. Ganz gleich, welche Aufnahme von welcher Quelle serviert wurde, der Raum wirkte tief, breit und extrem stabil. Selbst brutale Lautstärkesprünge ließen die Musiker auf der imaginären Bühne nicht näher zusammenrücken geschweige denn durcheinanderwirbeln.

In der Harmonischen- Analyse dominiert k3 bei insgesamt extrem geringem Klirr. © AUDIO
In der Harmonischen- Analyse dominiert k3 bei insgesamt extrem geringem Klirr.

Gegen diesen Fokus, der sich nicht nur beim Erstarren im Sweet Spot einstellte, wirken andere Lautsprecher, die bisher „wie ­angenagelt“ abzubilden schienen, nervös wie eine Frauen-WG am Rande des Nervenzusammenbruchs. Im Bass besaß die Evolution One ein überragendes Auflösungsvermögen. Aufnahmen wie „Empire State Of Mind“ von Alcia Keys und Jay-Z offenbarten eine nie gehörte Vielschichtigkeit im Keller – sogar noch als 256kb/s-AAC-Datei via USB vom MacBook. Nur jene, die auf Kickbass besonderen Wert legen, könnten an der TAD-Box einen winzigen Schwachpunkt ausmachen.

Kaufberatung: Vollverstärker im Test

Die Elektronik erwies sich isoliert betrachtet wie erwartet als extrem neutral, sehr breitbandig, transparent und nuanciert. Vor allem bestach die herausragende Konturschärfe und die Tiefe des Raums. TAD's live! Pioneer hat sich die Belohnung von 73.000 Euro redlich verdient.

Fazit

Mehr lesen

Was für eine Kette! So etwas von hochauflösend bis in den tiefsten Bass, so eine stabile Räumlichkeit mit Tiefe, solch eine Präzision plus aberwitzige Reserven: Die TAD-Anlage mit M 2500, C 2000 und Evolution One zählt zum Besten, das ich kenne – ein Naturereignis!

Als der Test bereits im Kasten war, saß ich bis in die Nacht mit knurrendem Magen gebannt davor, um meine Lieblingssongs neu zu erleben, so wie früher mit einem neuen Top-Plattenspieler. Nur eben von der Festplatte.

 
Anzeige
Anzeige
x