Testbericht T+A Solitaire CWT 500 im Test
- Testbericht
- Datenblatt
T+A Solitaire CWT 500
- Hersteller
- T+A
- UVP
- 14000 €
- Wertung
- 103.0 Punkte
- Testverfahren
- 1.0
- Auszeichnung
-
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Siegfried Amft von T+A hatte deshalb schon lange den Traum, einen Lautsprecher mit Zeilenstrahler zu bauen, der den Schall vertikal stark bündelt und so den Hörraum akustisch ausblendet. Ein probates Mittel, um dieses Ziel zu erreichen, sind große Flächenstrahler – doch diese überzeugten den Elektrostaten-Fan im Mitteltonbereich nicht.
So stand am Anfang der Solitaire-Serie die Idee, einen Elektrostaten mit einem Array von dynamischen Mitteltönern zu kombinieren. Das Ziel: sich dem Ideal eines Zylinderwellen-Strahlers anzunähern, der Boden- und Deckenreflexionen ausblendet und gerade in wenig bedämpften Räumen weiter trägt. Indes, die Umsetzung erwies sich als große Herausforderung: Der Wandler musste für die Solitaire CWT 500 exklusiv von Grund auf neu konstruiert werden. Herausgekommen ist eine 45x5 Zentimeter messende Folie.
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Die Folie des Elektrostaten ist hauchdünn, sie schwingt im elektrischen Hochspannungsfeld zwischen den Statoren. Verstrebungen und Rahmen halten das ganze Konstrukt stabil und konstant.
Sie ist in Segmente unterteilt, die leicht unterschiedlich angesteuert werden, um das Abstrahlverhalten zu homogenisieren. Das alles erlaubt einen extrem klirrarmen Betrieb bis 2000 Hz hinab. Um die Bündelungscharakteristik auch darunter zu erhalten, spielt im Mittelton ein Dreierpack aus 12-Zentimeter-Tönern. Diese sind so nah übereinander platziert, dass sich ihre Schallanteile zu einer annähernden Zylinderwelle addieren, ohne dass es im Hörbereich zu klangschädlichen Interferenzen kommt. Um diese auch seitlich der Hörzone zu vermeiden, erfolgt die Trennung zwischen den beiden Zeilenstrahlern steil.
Freche Fläche
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Elektrostaten wird gerne eine subjektiv „schnelle“ Wiedergabe nachgesagt. Die psychoakustische Erklärung dafür zielt weniger auf Geschwindigkeit, vielmehr auf die direktere und von Reflexionen freiere Wiedergabe im Raum. Das Problem: Der Bass muss sich harmonisch ins Gefüge einarbeiten. Ein passender Zeilenstrahler hätte die Dimensionen der Box eindeutig gesprengt, Versuche mit Transmissionlines oder Reflexen fielen im Hörtest durch: „Selbst die trockenste Line ist nicht so trocken wie der Elektrostat“ verrät Amft.
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Nur gut vorbereitet
Wer eine Solitaire probehören will, sollte dringend Vorkehrungen treffen, ohne die ein Reinfall droht: ein Stereodreieck von mindestens 3,5 Meter Hörabstand aufbauen, die Box einwinkeln, reflektierende Flächen hinter dem Hörer vermeiden. Und vor Erklingen des ersten Tones gilt: Hinsetzen! Im Stehen schnell hineinhören – das funktioniert nicht, die vertikale Hörzone ist auf Sofafreunde ausgerichtet.
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Als die KEF Reference 207/2 auf dem Höhepunkt der Klangmassierung irgendwann ihre Auflösungsarbeit einstellte und die einzelnen Musiker zu amalgamieren schien, da trumpfte die T+A mit der glockenklaren Tenorstimme von Klaus Florian Vogt auf, die sich quasi himmlisch über das Geschehen erhob. Dabei blieb die CWT 500 auch immer auf der etwas direkteren Seite, staffelte den Raum zwar nach hinten, leuchtete ihn jedoch nicht ganz so tief aus wie die KEF.
Bei Herbie Hancocks „Cantaloupe Island“ („Hancock Island“, Chesky) war vor allem die Präzision des Basses gefragt: Die T+A zeigte einen ansatzlosen, durch alle Register von Kontrabass und Drums schlackenfrei-knackigen, dabei aber auch energiereichen Tiefton. Der harmonierte mit dem millimetergenau in den Raum gestellten Saxophon, der unmittelbaren Transparenz und der satten Dynamik hervorragend.
Bei Fury In The Slaughterhouse mit „Brilliant Thieves“ gab sich die CWT etwas Studiomonitor-like und wies mit ihrer ultimativen Auflösung auch auf produktionstechnische Limits hin, ohne dass sie diese unangenehm herausstellte oder der Musik ihren natürlichen Drive nahm. Diese Box fordert unbedingte Konzentration auf die Musik – und belohnt den Hörer mit einem Einblick in musikalische Welten, wie er genauer nicht sein könnte.
Fazit
Anhänger von Elektrostaten sind für gewöhnlich ein kompromissloses Völkchen, das andere Prinzipien ablehnt. Mit der Zylinderwelle haben sie sogar ein gutes raumakustisches Argument auf ihrer Seite. T+A schafft mit der Solitaire die Sensation und verbindet erstmalig die Vorteile von Folienwandler, dynamischen Chassis und Zeilenstrahler: ultrapräzise, transparent und dennoch dynamisch-voll.
Eine Box für Jeden ist sie nicht: Für diffuse Hintergrundberieselung und große Auditorien ungeeignet, fordert sie liebevolle Aufstellung und fördert konzentriertes Hören bei großzügigen Abständen und großen Räumen. Genau wie ein Elektrostat.
Alle Daten und Testergebnisse zum T+A Solitaire CWT 500