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Vollverstärker T+A PA 3000 HV im Test

Entweder prickelndes Flair oder echte Kante plus Druck unten rum: Selbst beste Röhren- und Transistoramps punkten stets mit ihren bautypischen Eigenschaften. T+A versucht jetzt, die Vorteile beider Lager in einem einzigartigen Wunderwerk zu vereinen.

T+A PA 3000 HV
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© Hersteller/Archiv

T+A PA 3000 HV 10
Klangurteil: 132 Punkte
Preis/Leistung: überragend

  • +klingt unfassbar sauber und gelassen
  • +kennt keinerlei akustische oder räumliche Einschränkung

Im Gegensatz zu Halbleitern führen Röhren allerdings ein ausgeprägteres Eigenleben, sprich: Sie altern. Und: Wer weiß, ob auch eines ferneren Tages immer noch der gewünschte Röhren-Nachschub gesichert ist. Grund genug, dass sich T+A – um die klanglichen Vorzüge ohne genannte Nachteile zu erhalten – auf die Suche nach passenden Transistor-Pendants begab. Beziehungsweise nach bestimmten Kombinationen dieser Bauelemente, denn prächtige Einzelstücke hätten Lothar Wiemann und andere Verstärkerforscher längst gefunden.

T+A PA 3000 HV: Aufbau

Und siehe da, mit den Hochfrequenz-JFET PMBF J610 und J714 bot die niederländische Firma NXP Semiconductors schon mal vielversprechende, sehr röhrenähnliche Ware an (JFET: Junction Feldeffekt Transistor mit leitend verbundener Lenkelektrode). Nach der Kombination mit besonders spannungsfesten Toshiba-FETs (mit isoliertem Gate) jubelte T+A-Chefentwickler Wiemann: Diese Doppel verhalten sich in Serie angeordnet und bei hoher Spannung tatsächlich wie zwei Trioden (Dreielektroden-Röhren). Genau in dieser Schaltung werden sie im PA 3000 HV – analog zu den Röhren der M 10 – als klangbestimmendes Herz gebraucht.

T+A PA 3000 HV
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Trumm und dran

Die C-20-Netzbuchse verträgt viel Strom, der LAN-Kontakter links davon bandelt mit Home-Automation an. Die Messing-/Rhodium-Boxenklemmen stammen von der schwäbischen Firma Schützinger.

Mit dem Wissen um sein hochreines Zentrum erschließt sich der neue Vollverstärker nun viel besser. „Jetzt spinnen die Herforder”, hätte es angesichts der schmucken Front des PA 3000 HV sonst geheißen. So aber empfindet der Musikfreund – wenn T+A Form und Aussparungen aus einem gut vier Zentimeter dicken Reinst-Alu-Block fräst – das Herz eben ganz besonders gut geschützt.

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Erfährt er von den dort eingepressten Wälzlagern für die beiden großen Knöpfe, spürt er ebenfalls nichts als Genugtuung. Erstens weil dieses Metall – ebenso wie das Gehäuse-Alu – keine magnetischen Verwirbelungen und schon gar keinen Infarkt auslöst. Darüber hinaus darf der rechte große Dreher auch auf Druck reagieren, so dass nicht nur die Lautstärke eingestellt, sondern über ein sanftes Tippen auch eine vom Display-Menü angebotene Bedienauswahl getroffen werden kann – etwa um von einem koaxialen Verbindungsmodus zu einem symmetrischen zu wechseln.

T+A PA 3000 HV: Anschlüsse

Weil der T+A mit Koax- und XLR-Buchsen (Leitwerkstoff: Messing) keineswegs geizt, rechnen sich für eine potentielle Anschlussgemeinde nicht weniger als sieben Cinch-Line-Lieferanten zusammen. Dazu stehen vier von Neutrik gelieferte XLR-Ins zur Verfügung. Trotzdem blieb auch für Tape- und Pre- Outs (inklusive symmetrische) noch ein Rückseiten-Plätzchen frei, so dass der PA 3000 HV gerne auch als universelle, hochkarätige Vorstufe dienen kann.

Am allerliebsten bringt der 38-Kilo-Koloss, bei dem schicke Alu-Seitenklötze die sich nach außen hin verdickenden und rundenden Kühllamellen schützen, aber seine eigenen Kräfte ein. Denn davon hat er – wie der Blick in das so dick wie dicht abgeschirmte Souterrain des Verstärkers verrät, mehr als genügend. Den insgesamt zwölf (105-Grad-festen) Panasonic-Elkos wird mit Sicherheit nicht so schnell die Puste ausgehen. Ein von einem Alu-Ring eingefasster Trafo-Gigant aus dem Hause Sedlbauer lädt sie mit separaten Ausgangswickeln für links und rechts im Nu wieder nach. Und steht ihnen diese paradiesische Versorgung ganz alleine zur Verfügung, brauchen sich die zwei Treiber und die acht kernigen On-Semiconductor-Endtransistoren (mit fixer Thermoregelung über eingebaute Dioden-Fühler) im wesentlichen auf nichts als auf die Stromproduktion konzentrieren.

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Derweil wacht – eine Etage höher mit eigener Hochspannung versorgt und von den Umtrieben im Untergeschoss völlig unbehelligt – die Röhrencharakter-Chefabteilung über Höhe und Form der Musikauslenkungen. Und lässt sich die zu bearbeitenden Signale nicht etwa von einem proletarischen Potentiometer-Kratzfuß, sondern von einer Goldkontakt- Relaisbank und von amagnetischen Extraanfertigungs-Widerständen in präziser 1-Dezibel-Abstufung auftischen. Damit schließlich in dieser Relaisbank auch bei zurückbeordertem Pegel kein Cent an Musik verloren geht, hebt ein aus rauschärmsten JFETs und zahlreichen Transistorhelfern bestehender Eingangspuffer die Signale so weit an, dass sie die unausweichliche Dämpfung mit links überstehen. Tja, und dann erstrecken sich diese Eingangszüge bis hin zu den Türen der Gegentakt-Führungsabteilung links und rechts jeweils doppelt. Völlig klar: weil bei T+A von unechten, halbechten oder sonstwie kurz gestrickten symmetrischen Eingängen nicht die Rede sein kann.

T+A PA 3000 HV: Hörtest

In der Tat tönte der PA 3000 HV via XLR angesteuert einen Tick offener. So oder so verdeutlichte er schon mit den ersten Takten Musik, dass mit ihm über Gut und Böse nicht lang diskutiert werden kann. Wenn der eine Verstärker zur kompakteren Abbildung und der andere zur breiteren neigt, stellte der PA 3000 HV die Musiker des Allstar-Projektes „Jazz For Japan“ (Edel) schlichtweg im Original, luftig und offen dar. Und während sein Display-Peak-Meter gern auch mal Richtung 1000 zuckte, ging der T+A jedweder Frage nach seinem Bass aus dem Weg. Bevor eine solche auftauchte, hatte er sich schon längst auf den Weg in die schwärzesten Tiefen gemacht. Und dann zeigte er, dass er sich dort nicht nur zu Hause fühlt, sondern – weil ihn nichts, aber auch gar nichts limitiert, behindert oder beengt – gern auch die fetzigsten Partys feiern kann. Gleichwohl gab er sich, etwa einem Holzbass gegenüber, besonders sensibel: Dann zeigte er mit Hingabe den Elan der Finger, die schnurrenden großen Saiten – oder auch wie eine dünnere geradezu singen kann.

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Und wie der Hörer selbst schien der PA 3000 HV von dem Talent einer Vienna Teng geradezu angetan. „Bitte“, kam er der Dame wie kein anderer entgegen, „erscheint Dir die Bühne ausreichend groß und fest und die Luft rein genug, damit sich Deine verehrte Stimme wirklich voll entfalten kann?“. Konnte sie! Während der T+A etwa bei der Pot-and-Can-Percussion von „Radio” gleich noch eindrucksvoll demonstrierte, dass er auch bei der Höhenauflösung kein Ende der Fahnenstange kennt.

„Ich brauche aber mal 'ne zarte Überzeichnung oder einen Schönheitsfleck”, wagte ein vorwitziger Juror dennoch zu äußern. Sorry, kam umgehend der Konter: Das ist so ziemlich das einzige, was der PA 3000 HV nicht bieten kann.

Fazit

Donnerwetter, mit dem PA 3000 HV liefert T+A ein wahres Meisterstück ab. Wer den Preis von 10.000 Euro als hoch empfindet, sollte sich in der Klasse umsehen: Er wird in puncto Aufbau, Leistung und messtechnischer Perfektion kaum Vergleichbares finden. Für die Redakteure fängt der Spaß mit dem neuen Arbeitsgerät PA 3000 HV auf jeden Fall erst richtig an. Über kleine Potentiometer erlaubt der T+A das Oberwellenspektrum feinzutrimmen und dieses oder jenes auszuprobieren. AUDIO wird darüber berichten und gut aufpassen – weil ja Hochspannung in der Nähe ist.

 
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