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Testbericht All inclusive - T+A K8 Blu-ray-Receiver im Test

T+A K8 (5900 Euro) heißt die komplexeste deutsche HiFi- und Heimkino-Komponente. Der Blu-ray-Receiver wartet mit gigantischer Ausstattung und innovativen Features auf. Klingt er besser als eine Kombi aus Einzelgeräten?

T+A K8
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© Archiv

Hier haben Ingenieure das Sagen. Schon seit Jahrzehnten kommen von der westfälischen Manufaktur T+A ­hervorragend durchdachte und exzellent verarbeitete HiFi-­Geräte. Doch nun traute sich das Team um Chefentwickler Lothar Wiemann an ein technisch wahrhaft gigantisches Projekt heran. Der K8 stellt die dritte Evolutionstufe von Kompaktgeräten dar, die vom digitalen Laufwerk bis zur End­stufe alles vereinen – der elegant ­gerundete Aluminium-Quader umfasst einen Blu-ray-Player, einen Audio-Streaming-Client, einen Netzwerk-Switch, einen Surround- und Mehrzonen-Vorverstärker plus sieben kräftige Endstufen.

Was erst einmal nur nach Fleißarbeit klingt, birgt enorme Entwicklungsleistungen auf analoger und digitaler Seite – und nicht zuletzt einen hohen juristischen sowie finanziellen Aufwand. Noch beim bisheri­gen DVD-Receiver K2 gestaltete sich die technische und rechtliche Situation vergleichsweise simpel. Da waren nur ein paar Lizenzen für das DVD-Laufwerk und die Surround-Decoder fällig.

Beim K8 geht es nun zusätzlich um Dutzende Audio- und Video-Decoder und -Formate, Apple hält für die iPod-Schnittstelle ebenfalls die Hand auf, an HDMI hängen zig Patente und Rechte, etwa für die diversen Kopierschutz-Maßnahmen. Wiemann gibt zu, dies sei das Komplexeste, was ein mittelständisches Unternehmen aktuell auf die Beine stellen kann – technisch, rechtlich und finanziell.

So elegant und luftig, wie der K8 optisch wirkt, so schwer ist er mit fast 20 Kilo aus dem ­stabilen Karton zu wuchten. Trotz Alu-Leichtbau macht er klar, dass hier alles andere als Luft verbaut wurde. Das scheinbare Fehlen klobiger Kühl­maßnahmen wie fetter Alu­rippen oder großflächiger Kühl­öffnungen tut dem Design gut.

Geballte Hochtechnologie

Praktisch alle verbauten Komponenten entwickeln nur moderate Wärme, das gilt vor allem für die hocheffizienten Schalt­endstufen, die kaum Verlust­wärme emittieren. Ein einziger interner, langsam drehender Ventilator reicht, um die Klimakatastrophe im K8 zu ver­hindern. Er ist praktisch nicht hörbar. Wundervoll.

Das riesige, dimmbare grafische Display dominiert die aufgeräumte Front. Es zeigt in klaren Lettern alle Menüpunkte und Statusinformationen. Den aktuellen Parameter – etwa die Lautstärke – zeigt es so groß, dass man ihn auch aus weiter Distanz gut lesen kann. Das in der Testgeräte-Firmware noch fehlende Bildschirmmenü vermisst man nicht. Ebenfalls noch nicht integriert war die automatische Einmessung für den AV-Betrieb. Das Messmikrofon liegt aber der Packung schon bei, und die endgültige Firmware sollte im Laufe des Jahres verfügbar sein.

Der integrierte Blu-ray-Player erfüllt das Profil 2.0, spielt also keine 3D-Blu-rays. Wer 3D-Blu-rays unbedingt genießen möchte, benötigt einen ­externen Player, kann aber die HDMI-Umschaltung des T+A verwenden, die alle aktuellen Tricks beherrscht – und zwar wirklich alle, von 3D über ­Audio-Return-Channel (ARC) für den TV-Ton ohne extra Kabel bis hin zu LAN über HDMI. Letzteres unterstützt zwar erst die nächste Generation von Fernsehern und Zuspielern, aber der K8 beherrscht die Internet- und Netzwerk-Kommunikation über HDMI bereits, was wieder extra Kabel spart. Der integ­rierte Netzwerk-Switch bietet aber auch zwei herkömmliche RJ45-Buchsen. Das spart den externen Switch hinter der ­Anlage. Praktisch.

Natürlich birgt der K8 ebenso einen herkömmlichen RDS-Tuner. An die USB-Buchse A2 angeschlossene iOS-Geräte von iPod über iPhone bis iPad klangen im Test dank des Einsatzes der digitalen Audioschnittstelle ganz hervorragend. Der Clou: Via HDMI kann man von iOS-Geräten auch Videos und Fotos schauen.

T+A K8
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T+ A K8

Die neue stereoplay-Referenz bei den Blu-ray-Receivern

Lückenloses Streaming

Der integrierte Streaming-Client verarbeitet Daten gängiger Internet-Radiostationen genauso wie lokal gestreamte Songs und Titel von per USB angeschlossenen Speichersticks, MP3-Playern oder Festplatten. Die gängigen Formate spielt er alle ab: von schnöden daten­reduzierten MP3-, AAC-, OGG-Vorbis- und WMA- bis zu ­komprimierten FLAC- und unkomprimierten WAV-Dateien.

Bei entsprechender Kodierung beherrscht der K8 sogar Gapless-Playback ohne Lücke zwischen zusammengehörenden Stücken, wenn diese entsprechend kodiert sind. Im Test erkannte der Client auf Anhieb alle vorhandenen Server und spielte die versprochenen Formate klaglos ab. Dabei ließ sich das Menü über das Frontdisplay zügig und vergleichsweise übersichtlich navigieren.

Der integrierte Surround-Verstärker bietet alles, was man heute auch von Massengeräten kennt, vom sehr flexiblen Bassmanagement über die Anpassung an die verwendeten Lautsprecher  und den Raum bis zur Einmessautomatik, wenn die neue Firmware kommt. Bloß das automatische Equalizing ist relativ simpel, es justiert lediglich die Klangregelung für jeden Kanal. Damit reduziert es keine Raumresonanzen, gleicht aber die tonale Balance des ­Systems an.

Alle aktuellen Surround-Decoder sind selbstverständlich an Bord, auch Dolby TrueHD und DTS-HD. Ebenfalls integ­riert haben die Entwickler ­„Dolby Volume“. Diese hervorragend klingende Dynamikkompression, deren Wirkung sich in vier Stufen regeln lässt, dient vor allem dem Leisehören – damit feine Details nicht untergehen und Action-Sequenzen oder Tutti den Nachbarn nicht aus dem Bett holen. Für Surround in Stereo-Kopfhörern gibt es zudem Dolby Headphone.

Drei weitere Hörzonen kann der K8 mit Stereosignalen versorgen. Auch lassen sich nicht verwendete Endstufen von Surround-Kanälen zum Betrieb von bis zu zwei Zonen verwenden.  Anschlüsse für T+A-Funkübertragungen sowie Fernbedienungsempfänger für die Zusatz-Zonen finden sich ebenfalls. Via RS-232 lassen sich bestimmte Fernseher von Metz und Loewe direkt über den K8 steuern.

Die Schaltendstufen sind eine T+A-Eigenentwicklung und arbeiten mit einer analogen Über-alles-Gegenkopplung. Sie erreichen einen Wirkungsgrad von nahezu 90 Prozent und benötigen daher eigentlich keine Kühlung. Der Ventilator wird hauptsächlich für die Prozessoren und das Laufwerk benötigt.

Der integrierte Blu-ray-Spieler baut auf dem Broadcom-Board auf, das angenehm flott agiert – dies selbst bei Java-programmierten Scheiben mit ihren animierten Menüs und Online-Funktionen. Die Audio­signale übergibt das Playermodul standardmäßig als Bitstrom an die Decoder des Vorverstärkers. Benötigt man einmal Secondary-Audio, etwa für einen Regiekommentar, lässt sich das auch umkonfigurieren.

Multimedia-Klangtraum

Im Hörraum musten die Tester zunächst einen geeigneten Gegner für die Klangeinstufung finden. Schnell war klar, dass dies keiner der gängigen Surround-Receiver sein konnte, zu klar, plastisch und frei spielte der K8. Schließlich bot der britische Creek Destiny 2 ein geeignetes Niveau. Charakterlich unterschiedlich spielten die zwei allerdings. Die tonale ­Balance des Creek lag eher auf der dunklen, die des T+A auf der hellen Seite.

Der Creek malte einen kleineren, aber schärfer umrissenen Raum als der K8, der etwas opulenter verteilte, jedoch weniger konturiert abbildete. Insgesamt wirkte der Creek eine Spur stimmiger, der T+A spielte mit seiner fast schon glockenklaren Charakteristik einen Hauch leichtfüßiger. Dennoch: 50 Punkte für einen Surround-Verstärker sind eine Sensation. Gratulation, Herr Wiemann.

Mit dem K8 gelang T+A eine Komplettanlage auf der Höhe der Zeit, mit üppigster Ausstattung, neuesten Funk­tionen – und wunderbar klarem Klang.

 
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