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Testbericht Standlautsprecher JBL Studio 180

Ob mit Rock, Pop oder Rap gefüttert, die JBL Studio 180 (600 Euro das Paar) klingt sehr lebhaft und frisch.

JBL Studio 180

Hersteller
JBL
UVP
600.00 €
Wertung
70.0 Punkte
Testverfahren
1.0

Blitz-Ableiter: Das eigenwillige Design der JBL polarisiert ungemein. © Hersteller
Blitz-Ableiter: Das eigenwillige Design der JBL polarisiert ungemein.

Die Amerikaner verstecken ihr konventionelles quaderförmiges Gehäuse hinter einer zackigen Maske. Kleine Ursache, große Wirkung: Die JBL Studio 180 fällt sofort auf und polarisiert die Geschmäcker. Zumindest von weitem. Wer diesseits des großen Teichs die aus hohlem Kunststoff gefertigte Frontblende einem Anfasstest unterzieht oder den Lautsprecher hochhebt, neigt zum Stirnrunzeln. Die Form eint Fans und Kritiker auch darin, die Studio 180 nach Möglichkeit nicht ohne die zweigeteilte Front­bespannung laufen zu lassen. Das liegt nicht zuletzt am tiefergelegten Bass, der so die optische Balance untergräbt.

Das Hochtonhorn wurde mit dem Mitteltöner in den ­stylischen Kunststoff-Vorsatz auf der Frontplatte integriert. © MPS
Das Hochtonhorn wurde mit dem Mitteltöner in den ­stylischen Kunststoff-Vorsatz auf der Frontplatte integriert.

Die Membran des 16,5-cm-Treibers besteht wie der 10-cm-Mitteltonkonus aus PolyPlas, einem Kunststoff, der seit längerem im Hause JBL Verwendung findet. Die 2,5 Zentimeter durchmessende Hochton-Kalotte des Dreiwege-Bass­reflex-Lautsprechers besteht aus CMMD, einem Metall-Keramik-Mix. Zur Steigerung der Effizienz schalteten ihm die Entwickler des amerikanischen Unternehmens ein Wave-Guide-Horn vor.

Stunde der Wahrheit

Mit Rock, Pop oder Rap gefüttert, hatte die JBL aus dem Stand die volle Aufmerksamkeit. Die Studio 180 klang sehr lebhaft und frisch. Kanye West mit seinem aktuellen Hit „All Of The Lights“ aus dem Album „Dark Twisted Fantasy“ kam sehr überzeugend herüber. Die dynamischen Schattierungen wurden sehr überzeugend dargestellt. Die beiden Säulen schienen mühelos mit jeder Art von Party-Programm klarzukommen.

Etwa 10 Grad am Hörer vorbei richten, nicht über Mittel­tönerebene hören oder Box nach hinten anwinkeln. Hörabstände ab 3m sind ideal. © AUDIO
Etwa 10 Grad am Hörer vorbei richten, nicht über Mittel­tönerebene hören oder Box nach hinten anwinkeln. Hörabstände ab 3m sind ideal.

Auch die Stimmen von Eminem und Rhianna im Duett „Love The Way You Lie“ kamen klar artikuliert und sauber herüber. Die Transparenz überzeugte ebenso wie die Abbildungsgröße. Allein der Bass blieb leicht hinter der spritzigen Mittel-Hochton-Abteilung zurück. Es fehlte ihm an zwar Kontur und Attacke, aber er wirkte auch keinesfalls zu dick.

Klassik mit Folgen

Die quirlige Dynamik kam auch beim „Köln Konzert“ von Keith Jarrett sehr gut zum Ausdruck. Zwar ist diese eigenwillige Aufnahme tonal nicht sehr aussagekräftig, aber Attacke und gute Auflösung bringt sie allemal zum Vorschein. So ­hörte man vor allem das Gestöhne und Mitsummen des begnadeten Pianisten klar und deutlich. Soweit wusste die JBL durchaus zu gefallen.

Wäre der Hörtest an dieser Stelle schon zu Ende gewesen, hätte die Studio 180 ein ganzes Stück besser abgeschnitten. Doch ihr stand noch ein Ausflug in die Welt der Klassik sowie komplexer, natürlich aufgenommener Vokalmusik bevor. Und da rief ihre mangelnde Ausgewogenheit im Mitteltonbereich eine gewisse Ernüchterung hervor: Sie wirkte ausgedünnt und ausdruckslos und verlieh Stimmen ­einen kühlen Touch.

Beim Chor von Beet­hovens 9. Symphonie (LSO Live, Haitnik) verliefen die Konturen der einzelnen Stimmen ineinander wie auf einem Film, den man mit Weichzeichner behandelt hat. Der Fokus fehlte, und alles wirkte ein wenig künstlich. Zu guter Letzt erschien der Bass in den Orchesterpassgen etwas dünn. Für Klassik-Freunde ist der im Pop-Bereich durchaus charmante Lautsprecher damit nur sehr bedingt zu empfehlen.

Alle Daten und Testergebnisse zum JBL Studio 180

 
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