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Testbericht Standbox: T+A Criterion TCD 210 S im Test

Eine Box, die große Räume beherrschen soll, braucht ausgeklügelte Technik. Die neue TCD 210 S von T+A hat genau das. Wie sie klingt, zeigt der Test.

TCD 210 von T+A
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T+A Criterion TCD 210 S
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T+A Criterion TCD 210 S

T+A TCD 210 S: Technik

Der Name der T+A TCD 210 S ist Programm: T steht für Transmissionline, CD für Constant Directivity, also konstante Schallbündelung. Mit der Solitaire-Linie betrat T+A jüngst akustisches Neuland: Der Zeilenstrahler aus Elektrostat und Mitteltöner-Array erwies sich in Hörtests als der Geheimtipp, um schwierige Räume und große Hördistanzen zu beherrschen. Schon die kleine CWT 500 (zum Test) brachte im AUDIO-Hörraum eine Detailauflösung und Direktheitheit des Klangbilds, wie man es sonst nur von Flächenstrahlern und Hörnern erwarten kann. Diese Technik 1:1 auf die neue Criterion-TCD-Linie zu übertragen, musste jedoch schon am enormen Material- und Fertigungsaufwand scheitern. Gleichwohl wurde die TCD 210 S – anders als ihre Vorgängerin – explizit für eine deutliche Schallbündelung optimiert, wie sie bei Hörabständen oberhalb drei Metern und schwach bis mittel bedämpften Räumen akustisch klar von Vorteil ist.

Dafür musste man sich bei T+A durchaus von liebgewonnenen technischen Lösungen verabschieden, etwa dem hochgelobten Ringradiator: Im Hochtonbereich arbeitet bei der TCD stattdessen eine klassische Einzoll-Gewebekalotte, die mittels einer mehrere Zentimeter tiefen Hornführung auf das gewünschte konstante Bündelungsmaß mit etwa 100 Grad horizontalem Abstrahlwinkel gebracht wird. Bereits ab 2000 Hz greift diese Konstruktion – da die Schallführung zugleich den Kennschalldruck steigert, vollführt die Kalotte Höchstleistungen ohne erkennbaren Klirr. Damit die Mitteltöner im Übernahmebereich eine ähnliche Schallbündelung aufweisen und der durch den Raum mehrfach reflektierte indirekte Schall verfärbungsfrei bleibt, arbeiten zwei davon parallel – einer oberhalb, einer unterhalb des Hochtöners. So stellt sich nach der Theorie von d’Apollito eine deutliche vertikale Bündelung mit zunehmender Frequenz ein. Die hat zugleich den positiven Nebeneffekt, dass Boden- und Deckenreflektionen, die das menschliche Gehör als direkte Schallereignisse missinterpretieren könnte, weitgehend ausgeblendet werden. 

Die Mitteltonmembran ist vielfach geprägt und mit einem Phaseplug ausgestattet, um Resonanzen zu bedämpfen. Rechts sieht man die Hornführung des Hochtöners.
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Die Mitteltonmembran ist vielfach geprägt und mit einem Phaseplug ausgestattet, um Resonanzen zu bedämpfen. Rechts sieht man die Hornführung des Hochtöners.

T+A TCD 210 S: Ausstattung

Die Mitteltöner im 17-Zentimeter-Format sind als typische T+A-Spezialität in Anlehnung an die Solitaire-Modelle ausgeführt: Die Membran, von T+A Greycone genannt, besteht aus einem Mix aus Holzfasern und Graphitpartikeln, was die innere Dämpfung erhöht. Damit sich keine Membranresonanzen und Partialschwingungen ausbilden, werden die Konen in schrägen Linien eingeschnitten und anschließend wieder verklebt. Ein Phaseplug innerhalb des Schwingspulendurchmessers sorgt dafür, dass sich im oberen Einsatzbereich auch in der Luft keine Resonanzen und Interferenzen ausbilden, die das Abstrahlverhalten verschlechtern könnten. Mit der großen Membranfläche der zwei 17er ist es T+A möglich, den gesamten Grundtonbereich bis 200 Hz hinunter von den Mitteltönern wiedergeben zu lassen, wovon sich Boxenentwickler Jochen Fabricius eine besonders homogene und dynamische Stimmwiedergabe verspricht.

Messlabor: Der Frequenzgang zeigt auf Achse eine leichte Unruhe oberhalb 7 kHz, die aber seitlich schnell und vollständig verschwindet. Trotz deutlicher Bündelung überrascht der große Sweet-Spot praktisch ohne Einbrüche 30 Grad seitlich. Die Transmissionline reicht recht tief (38Hz) und klirrt bauartbezogen sehr wenig. Oberhalb 120 Hz ist kaum Klirr erkennbar, in der Praxis geht die TCD lauter als die rechnerischen 107 Dezibel.
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Messlabor: Der Frequenzgang zeigt auf Achse eine leichte Unruhe oberhalb 7 kHz, die aber seitlich schnell und vollständig verschwindet. Trotz deutlicher Bündelung überrascht der große Sweet-Spot praktisch ohne Einbrüche 30 Grad seitlich. Die Transmissionline reicht recht tief (38Hz) und klirrt bauartbezogen sehr wenig. Oberhalb 120 Hz ist kaum Klirr erkennbar, in der Praxis geht die TCD lauter als die rechnerischen 107 Dezibel.

Die Tieftöner im mächtigen 22-Zentimeter-Format werden in ähnlicher Form auch in der Spitzenserie Solitaire eingesetzt. In der Criterion TCD sind allerdings ihre Parameter leicht verändert, weil sie hier nicht aufs geschlossene Gehäuse spielen, sondern auf eine Transmissionline. Dieser zweifach gefaltete Schallkanal, der das ganze Innenvolumen der 210er ausfüllt, arbeitet ähnlich wie eine Orgelpfeife und versetzt die Luft lediglich durch seine Länge in effizienzsteigernde Schwingung, ohne auf das Prinzip eines Helmholtz-Resonators mit Luftfeder und Masse vertrauen zu müssen, wie wir es von einem Bassreflexrohr oder einer Passivmembram kennen. Von dieser Technik versprechen sich die T+A-Entwickler einerseits mehr Dynamik als vom geschlossenen System gleicher Membranfläche, aber auch eine leichtere Ansprache und einen trockeneren, homogeneren Tieftonbereich als beim Reflexsystem.

Bei dieser geballten Ladung Technik überrascht, dass auch ins Äußere der Criterion viel Geld und Entwicklungszeit floss: Dank der angerundeteten, echtholzfurnierten Seitenwangen sieht die 210er deutlich eleganter aus, als sie breit ist. Der überragend gemachte Klavierlack über dem Holz und die mit bestmöglichen Spaltmaßen installierte Glasplatte auf der Oberseite verraten eine Liebe zum Detail, die auch einer doppelt und dreifach so teuren Box gut zu Gesicht gestanden hätte.

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T+A TCD 210 S: Klangtest

Im Hörraum forderte sie Sorgfalt ein: Die ersten Takten von Chris Andersons "You Dont Know What Love Is" offenbarten einen gigantisch druckvollen Bass, der sämtliche Hörer vor Staunen erstummen ließ, ein extrem plastisches, doch auch sehr direkt abgebildetes Panorama, dazu ein fast energischer Hang zur Auflösung. Das verschwand bei einer Vergrößerung des Hörabstandes, mit weniger Einwinkelung und konsequent wandferner Aufstellung – so spielte die T+A im Hörraum überragend stimmig. Sie malte bei Prokofieffs 2. Klavierkonzert (Litton) ein plastisches, hervorragend gestaffeltes Klangbild in den Raum und zeichnete die Wucht von Flügel, Kontrabässen und Pauken mit voller Kraft, aber auch atemberaubender Homogenität nach. Streicher und Holz bewahrte sie mit unbedingter Neutralität und Transparenz im Klangbild, blieb gleichwohl dem Hörer akustisch immer sehr nahe. Ihr Tieftoncharakter war eindeutig auf der voluminösen, doch federnd-beschwingten Seite einzuordnen, was besonders beim Hören zu nächtlicher Stunde ein Vorteil ist: Zusammenhalt und Struktur des Klangbildes blieben auch bei Flüsterpegeln voll erhalten, ihre überragende Detailauflösung holte sie nicht über einen energisches Hochtonbereich, sondern über eine feintransparente Klarheit und ein eher warm-seidiges Klangbild.

Quer durch alle Genres erwies sich die T+A als musikalisches Allround-Talent. Den größten Spaßfaktor indes entfalteten ältere Rockaufnahmen, denen es über andere Boxen an Substanz mangelt. Queens "Prophet Song" habe ich nur selten so kraftvoll und vollständig gehört.

Fazit

Die neue T+A überrascht gleich mehrfach: Dieses Kraftpaket weckt das Kind im Manne, wenn sie dynamisch und basstechnisch loslegt wie eine große PA beim Rockkonzert. Doch sie ist das Gegenteil einer plumpen Partybox, kann auch bei Zimmerlautstärke mit überraschend vollen und seidigen Klängen überzeugen. Die Optimierung für große Hörabstände geht voll auf – nur kleine Räume sind mit ihrem Bass schlicht überfordert.

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