Testbericht Standbox Naim Ovator S 600
- Testbericht
- Datenblatt
- stereoplay
Naim Audio Ovator S 600
- Hersteller
- Naim Audio
- UVP
- 7800 €
- Wertung
- 98.0 Punkte
- Testverfahren
- 1.0
Wie nichts anderes: Der BMR ist halb Flachmembrantöner, halb Biegewellen-wandler. So vereint er die Vorteile von Mittel- und Hochtöner in einem Punkt.
Mit Boxen, die speziell für den Betrieb direkt an der Wand und in kleinen Räumen gebaut wurden, probte Naim schon immer den Sonderweg gegen die Konkurrenz, die ihre Boxen für freie Umgebung abstimmten. Das Konzept, das in englischen Mini-Wohnzimmern gut aufging, war auf Messen oder in großzügigen deutschen Hör-Lounges nicht selten fehl am Platze. Ganz davon abgesehen, dass das kantige, etwas rustikale Design den an Rundungen gewöhnten HiFi-Fans des 21. Jahrhunderts kaum mehr so richtig schmackhaft zu machen ist.
Revolution calling
So war es denn im Hause Naim Zeit für eine Lautsprecher-Revolution – und das in jeder Hinsicht. Auf dem Foto überrascht die Ovator S 600 zunächst mit einem auffallend modernen, von Schrägen und Rundungen geprägten Äußeren, das nebenbei bemerkt perfekt verarbeitet ist. Umso überraschender der Preis: 7800 Euro hätte man bei einer neuen, zudem technisch revolutionären Naim wohl eher für den Stückpreis gehalten, aber anno 2010 geht dafür ein Pärchen Ovator über den Ladentisch.
Weiterer Effekt: Alle zur Ortung, Räumlichkeit und Abbildung wichtigen Frequenzen kommen interferenzfrei aus einem Punkt, was üblicherweise beste Ortung und hörplatzunabhängige Bühnentiefe garantiert. Auf eine elektrische Weiche innerhalb des gesamten Obertonspektrums bis in die höchsten Höhen kann komplett verzichtet werden, wovon sich Naim mehr Stimmhomogenität verspricht. Viel Hub kann und soll der BMR nicht produzieren – unterhalb 400 Hz greifen deshalb zwei Achtzoll-Tieftöner ein, zugunsten eines optimalen Timings natürlich im geschlossenen Gehäuse verbaut. Damit sich Bass und Mittelhochton nicht in die Quere kommen, ist das gesamte BMR-Volumen, im Prinzip eine große, innen bedämpfte Aluminium-Röhre, vorne und hinten schwingend aufgehängt und damit perfekt vom Bassgehäuse entkoppelt.
Bleibt alles anders
um nach dem nächsten Atemholen sofort zu einem ansatzlosen und extrem genau getimten Tutti-Schlag auszuholen. Wie mächtig bollerten die Trommeln, stampften die Rhythmen dieses unbändigen Werkes: Man spürte förmlich die schwüle Atmosphäre der imaginierten Südsee. Die Konzertsaalumgebung der Aufnahme blieb dagegen weitgehend außen vor: Zwar hoch, aber flächig genau auf der Ebene der Speaker stand das Orchester, dessen einzelne Instrumente nicht immer exakt am Platz standen. Weniger passend für Instrumentalkonzerte – perfekt dagegen beim groovigen „Cantaloupe Island“ von Herbie Hancock („Live In New York“; Jazzdoor).
Fazit
Da maulte doch neulich ein Kollege, Boxenhersteller würden für jede Veränderung an Chassis und Weiche eine neue Serie auflegen. Naim dagegen kommt gleich mit einer Innovations-Revolution! Das Konzept ist nicht nur technisch einzigartig, es geht auch voll auf: Volumen und Schnelligkeit, Auflösung und Sanftmut – selten waren Gegensätze so gut vereint. Nur bei Raum und Aufstellung, da ist sie anspruchsvoll, die Ovator.
Alle Daten und Testergebnisse zum Naim Audio Ovator S 600