Testbericht Revox Joy und Revox Re:sound G shelf im Test
Gesamtwertung: gut, 61 Punkte
Preis/Leistung: sehr gut
- +beste Wandler-Werte
- +eingebettete DSP-Profile
Revox Joy: Aufbau
Hier wird fast jeder Kubikmillimeter mit Inhalt gefüllt, keine Luft fürs Geld, alles in aufwendiger SMD-Bestückung und mit einem großen 300VA-Ringkerntrafo gleich hinter der Frontplatte. Ausgelagert arbeitet noch ein kleiner Trafobruder, darauf abgestellt, die Elektronik im Standby-Modus zu halten, bei vorbildlich geringen 0,5 Watt. Er könnte auch Apple-Produkte mit USB-Strom bis 1 Ampère versorgen.
Revox verbaut hier das gleiche Endstufenkonzept wie in den großen Modellen M100 (zum Test). Dies aber ist kein Digitalverstärker, es werden keine Bits und Bytes verarbeitet; Pegel beherrscht der Joy komplett analog – im Fachdeutsch nutzt Revox eine Schaltung nach "Pulsweitenmodulation". Sie wurde, wie die komplette Joy-Box, in Deutschland hergestellt und erdacht – von dem in High-End-Kreisen höchst geschätzten Jürgen Lindemann.
Kaufberatung: Kompaktboxen im Test
Das vielleicht wichtigste Detail: eine aufwendige Regelschleife, die das Impedanzverhalten von jedem noch so kritischen Lautsprecher kompensieren soll. 4 Ohm, 8 Ohm? Spielt keine Rolle. Auch echte Kraftsauger sind willkommen. Bereits in der kleinen Joy-Version S119 stellt Revox 2 x 60 Watt zur Verfügung. In der großen S120-Variante sind es doppelte 120 Watt.
In den Hörraum hatten wir die mächtigste Ausbaustufe gebeten, die das Bankkonto um 2200 Euro erleichtern müsste. Eine weitere Summe wird fällig: 350 Euro will Revox für die Fernbedienung. Im Verbund mit dem Joy sinkt deren Preis auf 280 Euro.
Revox Joy: Bedienung
Auf den ersten Blick nicht recht verständlich. Denn ohne die Fernbedienung geht gar nichts – sie ist die einzige Kontrollinstanz für ausgehende Befehle und zudem Anzeige-Display für Tracks, Cover und Datenraten. Die Funkbasis offenbarte sich in der Praxis als entscheidender Vorteil: Der Nutzer kann frei auf das Display schauen und muss nicht zeitgleich penibel zur Joy-Box zielen – alle Befehle und Rückinformationen kamen im Test souverän an. Revox gestattet auch die Programmierung von Infrarotsignalen – für Fremdkomponenten oder ältere Heiligtümer der hierin nicht armen Firmengeschichte.
Gesamtwertung: gut, 60 Punkte
Preis/Lestung: gut
- +kompakter Lautsprecher
- +hell und offen
- +klarer Volumengewinn im Joy-DSP-Modus
Kaufberatung: Vollverstärker im Test
Es ist Freude und Schrecken jedes Fachjournalisten: All diese Produktversprechen hält Joy ein. Ein Manko aber gibt’s: Apple-Lossless-Daten wollte der Wandler im Test nicht anerkennen. Wir haben nachgefragt: Noch in diesem Jahr soll ein Software-Update folgen – die Lizenzverhandlungen mit Apple würden sich, so Revox, recht "zeitintensiv" (Subtext: zäh) gestalten. Mit dem Update will Revox dann auch gleich die Anhänger der FLAC-192-kHz-Datensätze befriedigen, aktuell endet die Hochauflösung des Joy bei 24 Bit und 96 Kilohertz.
Revox Joy: Hörtest
Die Gretchenfrage lautet also eher: Was kann das gute Stück nicht? Überraschend wenig. Wir haben quergetestet: Wie gut ist die Wandler-Ebene, wie gut sind die Endstufen? Die Wandler gaben sich untadelig, stabil, neutral. Mit den Endstufen haben wir uns sogar bis zu einer zickigen, mannshohen Standbox mit kritischem Wirkungsgrad hochgearbeitet – Joy nahm die Herausforderung wie ein deutlich schwererer Bolide, stabil bis in die Grenzregionen des Tiefbasses, dabei eben nicht das Überhelle im Grundcharakter des Lautsprechers multiplizierend. Insgesamt eine eher samtige Abstimmung.
© Hersteller / Archiv
Karajan liebte in seinen späten Jahren die nicht wirklich sauberen audiophilen Effekte. In seiner späten Tosca-Einspielung (DG) tricksen die Tontechniker mit Panorama-Irritationen, dynamischen Regelverstößen und Phasenspielereien. Die Joy brachte abgehobene Sänger wieder auf eine realistische Klangbühne, verfiel nie dem Trend zum Sezieren. In Kombination mit Revox’ kompakten G-shelf-Boxen stellte sich ein für das Gesamtvolumen der Kombi erstaunlich dynamisches, weites, dennoch "richtiges" Klangbild ein. Braucht man wirklich mehr? Vielleicht noch als passenden Hörraum ein schönes Penthouse in Rom, mit Blick auf die Engelsburg (Tosca, dritter Akt)? Das würde perfekt harmonieren, Revox sollte einen Paketpreis in Betracht ziehen.
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