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Testbericht Quadral Aurum Titan VIII

Wo Titan draufsteht, ist auch Titan drin: Quadrals neues Spitzenmodell setzt konsequent auf Metallmembranen, in der neuesten Generation 8 sogar auf ein leichtes Bändchen. Diese Box kann sichtlich Luft bewegen – sie kann es aber auch ganz sanft.

Quadral Titan VIII

Hersteller
Quadral
UVP
11000.00 €
Wertung
101.0 Punkte
Testverfahren
1.0

Der Name ist Programm: Eine Box, die „Titan“ heißt, muss die größte, teuerste und beste Quadral sein. Und das seit 30 Jahren, denn genau 1981 war die Markteinführung des ersten Modells. Mit Transmissionline, 30er-Bass und Magnetostaten-Hochtöner wurde sie zum Inbegriff einer „Männerbox“ in den 1980er Jahren. Den Ansatz toppte der Nachfolger mit der Generationszahl 7 noch – und führte zuletzt einen relativ einsamen Kampf: Im Zeitalter von schlanken, eleganten Speakern trotzte die 2006 eingeführte Superbox mit ihrem bauchigen Design und dem demonstrativ zur Schau gestellten Bass hinter Gittern dem Zeitgeist wie sonst nur ein US-Musclecar mit Big Block Motor in einer Herde von Smarts und Prius’.

Doch über HiFi-Boxen im Wohnzimmer entscheiden eben nicht Männer alleine, und so entschied man sich bei Quadral, der Generation 8 wieder eine elegante, schmalere Form zu geben. Was angesichts der akustischen Forderungen gar nicht so einfach war: Gerade was Bassdruck, Tiefgang und Maximalpegel angeht, durfte die Neue natürlich der Alten in nichts nachstehen – dabei war deren Basschassis allein schon breiter als die ganze Box zukünftig sein soll.

Entsprechend lange tüftelten das Quadral-Team um den neuen Chefentwickler Sascha Reckert an den Chassis. Und schafften es letztlich, einen 25er-Bass zu konstruieren, der im Doppelpack dem alten 30er deutlich überlegen ist. Wie bei den letzten Quadral-Konstruktionen üblich, spielen die beiden Tieftonchassis nach vorne auf eine kleine Kammer, nach hinten auf ein ventiliertes Volumen. Das Reflexrohr verbirgt sich dabei im Fuß der Box.

Materialkunde

Quadral setzen bei ihren Membranen schon seit Jahren überwiegend auf Metall. Weil aber gerade harte Membranen aus einem einzigen Werkstoff im Mittelton zu Partialschwingungen und Resonanzen neigen, ist eine Legierung aus drei Metallen für die Hannoveraner das Mittel der Wahl: Aus ALuminium-TItan-MAgnesium formten sie die Schwingflächen – und auch den Kunstbegriff "Altima". Von der homogenen Bestückung ­aller Konen mit demselben Material versprechen sich die Entwickler einen möglichst homogenen Klangcharakter. Der Mitteltöner trägt dabei die Hauptlast, muss er doch zwischen 200 und 3000 Hz praktisch den gesamten Stimmbereich allein übernehmen, womit Trennungen in gehörmäßig sensi­blen Tonhöhen vermieden werden.

Die Weiche, die sich auf der Rückseite der Box durch ein Sichtfenster betrachten lässt, ist mit besonders edlen Bauteilen ausgestattet, und mit ­besonders vielen. Denn für alle drei Töner lässt sich eine dreifach schaltbare Anpassung an Raum und Aufstellung vornehmen. Für bessere Abstrahlung sorgt auch die Formgebung mit der leicht nach hinten gebogenen Schallwand – so sind die Abstände zwischen allen Chassis und dem Ohr möglichst gleich. Der Hochtöner muss dabei wiederum leicht nach unten geneigt werden, denn Bändchen-typisch bündelt er den Schall relativ deutlich in der Vertikalen.

Mit dem Begriff „Bändchen“ sind einige Lautsprecherhersteller schnell bei der Hand. Viele der entsprechend beworbenen Konstruktionen sind allerdings Magnetostaten, bei denen eine nichtleitende Membranfolie mit einem System aus Leiterbahnen beklebt oder bedampft wird. Ein echte Bändchen ist nach Lehrbuch aber ein Stück Metall, das komplett vom Signalstrom durchflossen wird und so das antreibende Magnetfeld ­erzeugt. Genau ein solches spendierten die Entwickler erstmalig der neuen 8er Titan.

Sanfter Riese

Im Hörraum hatte die Aurum Titan VIII einen optisch zwar eleganten, aber wegen ihres Gardemaßes doch maskulinen Auftritt. Wer jetzt einen entsprechenden Bombast- oder Effektsound erwartete, ­wurde angenehm enttäuscht: Zum Warmspielen lief Kammermusik, namentlich Klaviertrios von Mozart (Guarneri Trio). Die klangen über die Titan angenehm stimmig und kompakt-homogen, als habe man hier eher einen hochwertigen Monitor vor sich denn eine XXL-Box. Vom ersten Takt an begeisterte sie mit einer bruchlos-homogenen Instrumentendarstellung und einer plastischen Abbildung, die allerdings auch eher in der Breite als in der Tiefe genau gestaffelt war.

Dass die Titan aber ein Pfund mobilisieren kann, wenn die Musik es fordert, versteht sich von selbst. Knalliger Jazz wie Jacques LoussiersThe Four Seasons“ tönte denn auch deutlich wuchtiger als über einen Kleinmonitor, Bass und Bassdrum verlieh sie mehr Nachdruck als gewohnt. Das ging aber – anders als bei typisch „zu fett abgestimmten“ Großboxen – nicht zu Lasten der Agilität. Bassläufe kletterten behände auf der Tonleiter, Drumsounds erzeugten die notwenige Wucht, erlaubten sich aber auch kein weiches Nachschwingen. Das Klavier servierte die Quadral dynamisch und sehr klar, ließ auch feinste Nuancen erkennen und bescherte der Musik so eine große atmosphärische Dichte.

Selbst bei rhythmusbetonter Klassik – StravinskysSacre du Printemps“ – wahrte sie diese Balance zwischen beeindruckendem Fundament und schneller Leichtigkeit, als sei sie ein Sumo-Ringer, der nebenbei noch Karate beherrscht. Der Eindruck setzte sich denn fort, wenn ein entsprechend härteres Brett zu bohren war: MetallicasEnter Sandman“ krachte mit einem schon fast an eine Beschallungsanlage erinnernden, wuchtigen Drumsound und ungehört harten Bassschlägen in den Hörraum, die verzerrten E-Gitarren entfalteten genau den richtigen Druck am Ohr, ohne dabei aber aggressiv zu klingen. Die Titan VIII kann druckvoll und riesig groß klingen, aber sie tut es immer kultiviert und mit Respekt.

Quadral Aurum Titan VIII
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Quadral Aurum Titan VIII - Frequenzweiche

Die edel bestückte Frequenzweiche  sorgt nicht nur für saubere Trennung und Pegelanpassung, sie enthält auch Filterglieder für die Pegelschalter. Bässe, Mitten und Höhen lassen sich je um 2dB absenken oder anheben, was der Anpassung an verschiedene Räume und deren Hallcharakter dient.

Fazit

Jetzt darf man es ja schreiben: bei der Titan 7 mit ihrem „Grabstein“-Look hörte meine Toleranz für die Optik einer Box auf. Die Neue ist weder rank noch schlank, aber sehr harmonisch proportioniert. Und sie ist klanglich ein echter Knaller, schafft sie es doch, zugleich voluminös und fein zu spielen, hoch aufzulösen und dem Ohr sanft zu schmeicheln.

Besonders das Hochtonbändchen war für mich ein echtes Aha-Erlebnis: ­Seine Detaildarstellung ist famos, dennoch bleibt es völlig transparent und selbstverständlich. Die ­Titan ist eine Männerbox, aber kein Krachmacher – aber ich habe selten eine so kultivierte und audiophile Männerbox gehört.

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