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Testbericht Quadral Aurum Titan VIII

Ihre Geschichte ist lang und wechselvoll. Die Titan der 8. Generation wird von Quadral wieder dorthin gestellt, wo sie hingehört: weit vorn.

Quadral Titan VIII

Hersteller
Quadral
UVP
11000.00 €
Wertung
63.0 Punkte
Testverfahren
1.0
Tester
stereoplay

Es gibt nur ganz wenige ­Produkte, die stereoplay so lange und so erfolgreich begleitet haben wie die Titan. Dabei kam diese Liaison über holprige Umwege zustande: Im Herbst 1981 wollte Quadral die gerade neu entwickelte Ur-Titan von AUDIO testen lasten – und holte sich eine barsche Abfuhr: Der damalige Audio-Chefredakteur Hannes Scholten erklärte sie für unbrauchbar.

Schematischer Aufbau: Das Gehäuse besteht aus  25 Millimeter starkem MDF. Die Schallwand (44 Milli­meter) ist leicht nach hinten, der Hochtöner aber nach vorn geneigt, damit auf  dem Hörplatz genügend Hochtonenergie ankommt.
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© Archiv
Schematischer Aufbau: Das Gehäuse besteht aus 25 Millimeter starkem MDF. Die Schallwand (44 Milli­meter) ist leicht nach hinten, der Hochtöner aber nach vorn geneigt, damit auf dem Hörplatz genügend Hochtonenergie ankommt.

Die Quadral-Verantwortlichen waren irritiert, behielten aber einen kühlen Kopf und klopften bei stereoplay an, untergebracht im gleichen Verlagshaus. Die damaligen Protagonisten der Redaktion, Gerald O. Dick und Joachim Reinert, erkannten das Potenzial, und so konnte die Titan von hier aus ihren einzigartigen Siegeslauf starten; jahrelang stand die wuchtige Transmissionline-Konstruktion an der Spitze der Rang & Namen-Liste – und auf der Wunschliste fast aller Leser.

Die Quadral Titan inspirierte mit ihrer genial-eigenwilligen Kombination eine ganze Generation von Lautsprecher-Entwicklern: Das legendäre Technics-Bändchen setzte im Hochtonbereich neue Maßstäbe, und einen solchen Subbass kannte man bis dato ebenfalls nicht.

Fünf Generationen – beziehungsweise 15 Jahre lang – war die Titan so oder so ähnlich aufgebaut – siehe auch Übersicht auf Seite 24. Doch das Prinzip mit der langen Leitung für die Bässe hatte nicht nur Vorteile: Knapp oberhalb von 100 Hertz gab es ein prinzipbedingtes Frequenzgangs-Loch, und die Titanen erwiesen sich allesamt als äußerst watthungrig. Obendrein war satte Leistung damals noch deutlich teurer.

Edmond Semmelhaack, der heutige Quadral-Geschäftsführer, schildert die Überlegungen jener Tage: „1996 waren wir mit dem Transmissionline-Prinzip am Ende angekommen; da musste was Neues her.“

Mit viel Druck

Seitdem sind auch die Titanen klassische Bassreflex-Konstruktionen. Na ja, ganz klassisch dann doch nicht. Für die Titan der 6. Generation verfiel Quadral erstmals auf die Kombination aus Bassreflex-Gehäuse plus vorgesetzter Druckkammer. Diese kleine Vorkammer bringt zwar eine leichte Resonanz mit sich, dafür aber auch im Oberbass zwischen 80 und 200 Hz mehr Pegel. Vorteil: Die Bässe müssen hier weniger ­arbeiten und produzieren dementsprechend weniger Klirr.

Die neue Titan VIII gibt es standardmäßig in den Finish-Ausführungen Glanzlack weiß und Glanzlack schwarz sowie Kirsche, Eiche Natur und Eiche Choco. Gegen den Aufpreis von 1500 Euro aber ist die Box in jeder RAL-Farbe zu haben.
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© Julian Bauer
Die neue Titan VIII gibt es standardmäßig in den Finish-Ausführungen Glanzlack weiß und Glanzlack schwarz sowie Kirsche, Eiche Natur und Eiche Choco. Gegen den Aufpreis von 1500 Euro aber ist die Box in jeder RAL-Farbe zu haben.

Deutlich weniger Klirr...

...lautet dann auch die Devise für das 30-Jahr-Jubiläums-Prunkstück Titan VIII. Der neue Quadral-Entwickler Sascha Reckert verfügt nicht nur über ein profundes Lautsprecherwissen, er ist auch im Umgang mit dem Analyse-System von Klippel recht bewandert. Die Möglichkeiten dieses Systems führten in den letzten Jahren zu einem wahren Entwicklungsschub. Reckert nahm sich die Zeit und verbesserte mit Klippel vor allem die Magnetsysteme und Antriebe der neuen Titan-Chassis. Und er entschloss sich, erstmals ein echtes Hochtonbändchen einzusetzen, um – wie er sagt – auch hier möglichst ­wenig Klirr zu bekommen.

Dass die Anstrengungen gefruchtet haben, zeigen spätes­tens die Ergebnisse der TEST­factory. Lineare Frequenzgänge bis weit über die Hörgrenze, Verzerrungsfreiheit fast über den gesamten Frequenzbereich, Tiefbass ohne Ende. Vor allem aber: Die Titan I des Jahres 1981 kam auf gerade mal 78 Dezibel Wirkungsgrad, das Jubiläumsmodell hat über 86. Die Neue braucht also in etwa nur ein Siebtel der Leistung, die der angeschlossene Verstärker früher bringen musste, um eine propere Lautstärke sowie die gewünschte Basskontrolle zu erreichen. Das nenne ich mal Fortschritt.

Quadral Titan I-IV
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Quadral Titan Geschichte I-IV

 November 1981: Aus dem Stand heraus katapultiert sich die wuchtige Transmissionline mit dem 33er Isophon-Bass und dem charakteristischen Technics-Magnetostaten an die Spitze der Rang & Namen-Liste von stereoplay. Dort bleibt sie drei weitere Generationen.

Moderne Zeiten

Die Ur-Titan aus dem Jahr 1981 klang – wenn man ehrlich ist – ja nur bei Zimmerlautstärke richtig gut. Da war sie Weltklasse. Wurde es lauter, geriet der zu kleine Mitteltöner schell aus dem Takt. Die neue Titan – das machte sie schon mit den ersten Takten deutlich – kennt solche Limits nicht. MussorgskysGromus“, eingespielt von ­Markus Schirmer auf einem mächtigen Bösendorfer, verlangt vom Lautsprecher geradezu gewaltige Dynamiksprünge. Die meisten Schallwandler knicken hier ein. Die Titan VIII nicht.

Gerade bei hohen Pegeln, die das Quadral-Flaggschiff mit einem nur dezenten Dreh am Lautstärkeregler erreicht, lässt sie den Zuhörer die ganze Kraft dieses Instruments spüren. Greift Schirmer in die unteren Tasten, grollt es bis in die tiefsten Lagen, und die Quadral baut eine bedrohliche Klang­kulisse auf. Bedrohlich deshalb, weil sie auch so klar und präzise spielt. Denn nicht das sehr souveräne Bassfundament oder die irre Dynamik sind ihre ­herausragenden Fähigkeiten.

Die fantastische Auflösungsfreude und die Fähigkeit, die einzelnen Tasten und ihre Saiten so exakt und scheinbar mühelos ausschwingen zu lassen, begeisterten das Testerteam über alle Maßen. Weiteres Beispiel: das flott gespielte „Autobahn“ von LaBrassBanda (Habediehre). Die Trompete stand schön plastisch, offen, fast funkelnd im Hörraum. Allerdings kam just diese Trompete im gut bedämpften stereoplay-Hörraum doch einen Hauch zu forsch rüber.

Die Plus-Stellung des Mittenreglers brachte hier genau die genau richtige Dosis an Wärme, die auch Stimmen wie der von Constanze Friend (Friend ’n Fellow) sehr gut tat. Doch auch die genannte Einstellung machte aus der neuen Titan VIII keine Schönfärberin. Nein, sie ist eine außerordentlich präzise, begeisternd fein-auflösende und hochdynamische Box mit gewaltiger Bandbreite und hoher Pegelfähigkeit. Eine echte Titan eben.

Alle Daten und Testergebnisse zum Quadral Titan VIII

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