Pure Sound P-10/T-10 Klangurteil: 115 Punkte Preis/Leistung: Überragend
+sehr rauscharm
+große Dynamik
+direkter, klarer Klang
-hoher Ausgangswiderstand
Wenige Teile, mit akribischer Sorgfalt ausgesucht und platziert – ein Blick in den Pure Sound verrät, dass dieser Preamp ein Vertreter der „less is more“-Philosophie ist: zwei Doppeltrioden (ECC83 und ECC88) erledigen die Verstärkung von MM-Signalen, rein passive Filter korrigieren die RIAA-Frequenzgangkurve, Gegenkopplung als linearisierende Maßnahme entfällt ersatzlos. Umso aufwendiger hat PureSound dann die Stromversorgung der Röhren ausgelegt – die sensiblen Röhren dürfen sich über blitzsaubere Arbeitsspannungen freuen, das Stahlblechgehäuse und weitere interne Schottwände halten Störfelder zuverlässig draußen.
Für MC braucht der P10 (700 Euro) externe Hilfe in Form des hauseigenen Übertragers T10 (360 Euro). Edle, auf Kernen aus Mumetall gewickelte Mini-Trafos setzen in diesem Kästchen die winzigen Spannungen im Verhältnis 1:18 oder 1:32 hoch. Da das MC-System je nach gewählter Verstärkung eine entsprechend unterschiedliche Lastimpedanz „sieht“, ist die lautere Stellung nicht immer die bessere – das Transrotor Merlo Reference etwa harmonierte mit geringem Gain am besten.
Messlabor Mit MMs ist der P10 linear und breitbandig, am Normsystem gemessen ergibt sich aus der etwas hohen Kapazität von 167pF ein leichter Resonanzbuckel um 10kHz. MCs sind durch den Übertrager an den Frequenzextremen leicht begrenzt (1), der Rauschabstand ist dafür mit fast 80dB hervorragend. Auch MM rauscht sehr wenig (77dB), das Klirrspektrum (2) zeigt ausschließlich k2 und k3, Klirr höherer Ordnungen fehlt gänzlich.
Übertrager-typisch, für die Preisklasse dann aber doch verblüffend, fiel der Pure Sound im Hörtest dadurch auf, dass man ihn zunächst gar nicht hörte. Der Aufsetz-Knack, mit dem die Nadel in der Rille einrastet, kam dann schlicht und einfach aus dem Nichts – ebenso wie die dann folgende Musik, die sich vor einem absolut stillen, nachtschwarzen Hintergrund feinst bewegt und bei Bedarf – etwa mit „Excellent Birds“ vom Reissue des Peter-Gabriel-Klassikers „So“ auch mit explosiver Grobdynamik entfaltete. Dass der P10 mit MC etwas schlanker klang als die anderen Amps, war dabei das einzige Zugeständnis, das er Puristen abverlangt.