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Testbericht Project Essential Premium Phono/USB im Test

Die Schallplatte boomt: Aktuelle Pop- und Rock-Alben werden vermehrt auch wieder auf Vinyl angeboten. Zum Hörvergnügen braucht es also nur noch preiswerte und möglichst gut klingende Spieler - gerne mit eingebautem A/D-Wandler, um auch den digital gepolten Nachwuchs für analoge Klangschätze zu begeistern. Ob das neue Einsteiger-Modell von Pro-Ject das Zeug dazu hat?

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Wer noch vor einigen Jahren bekannte, Vinyl beschalle seine heimischen vier Wände, bekam oft Attribute wie "Klang-Sonderling" oder "Vintage-Fanatiker" an den Kopf geworfen. Denn wenn es um das Wiedergabe-Medium geht, spalten sich Musik-Fans in zwei Lager. Der Großteil unterstützt digitale Medien wie CDs und die unproblematische Art, sie wiederzugeben - während ein anderer, erheblich kleinerer Teil den warmen Analog-Klang von Vinyl liebt.

Umso erstaunlicher ist daher das Comeback, das die Schallplatte seit einigen Jahren feiert. Neuheiten erscheinen längst nicht nur als CD oder Download, sondern auch wieder als LP. Mit der wachsenden Beliebtheit des Vinyls boomt auch der Plattenspieler-Markt. Etliche Hersteller liefern mittlerweile hervorragende Einsteiger-Geräte, die man sich auch als Normal-Verdiener leisten kann.

Die nächste Generation von Vinyl-Freunden scheint also sicher - umso mehr, wenn ein Spieler gleich einen eigenen A/D-Wandler an Bord hat und somit auch den Eintritt in die digitale Welt ermöglicht.

Flexibel: Die Phono-Vorstufe hat der Pro-Ject bereits integriert. Alternativ dient der USB-Ausgang als Schnittstelle zum Computer. © Audio
Flexibel: Die Phono-Vorstufe hat der Pro-Ject bereits integriert. Alternativ dient der USB-Ausgang als Schnittstelle zum Computer.

Ein Vertreter dieser Gattung ist unser Testproband - der Essential Premium Phono/USB von Pro-Ject. Sein zungenbrecherischer Name deutet dabei gleich seine üppigen Features an: Nicht nur hat er bereits einen Phono-Preamp mit an Bord, sondern zudem auch einen A/DWandler.

Somit gibt er einen exzellenten Kompagnon für Vinyl-Neulinge ab, die nicht noch mehr Geld in externe Geräte stecken wollen. Die Kombination aus Analog- und Digital-Anschlüssen ermöglicht überdies eine perfekte Integration in bestehende Anlagen. Und egal für welchen Weg man sich entscheiden mag: Der Pro-Ject hat für so ziemlich jede Situation die richtige Antwort parat.

Wunderknabe: Der Ortofon 2M Blue lieferte stets glasklare Signale und kam selbst mit extrem schwierigen Scheiben zurecht. © Audio
Wunderknabe: Der Ortofon 2M Blue lieferte stets glasklare Signale und kam selbst mit extrem schwierigen Scheiben zurecht.

Im Zeitalter von Netzwerk-Streaming und Co. eröffnet sich dank des A/DWandlers auch ein ganz anderes Einsatzgebiet: Über den USB-Ausgang kann man das Signal seiner LP-Schätze in digitalisierter Form in den PC oder Mac schicken. Dabei wird der Plattenspieler vom Computer als Standard-Gerät erkannt, was eine zusätzliche Treiberinstallation überflüssig macht.

In Kombination mit einem entsprechenden Computerprogramm lassen sich auf diese Weise exzellente Aufnahmen von Schallplatten machen. Selbst bei verhältnismäßig lauten Scheiben wie Chics "Le Freak Live" (Sireena) behielt der USB-Chip kühlen Kopf und lieferte glasklare Signale ohne Übersteuerungen. Der verbaute A/DWandler vollbringt zwar keine Wunder, erzielt mit einer maximalen Abtastrate von 48kHz bei 16bit aber immer noch gute Werte (zum Vergleich: Die CD-Qualität liegt bei 44,1kHz/16bit).

Feeling Blue

Ein weiteres Highlight in der Ausstattung ist der Tonabnehmer: Der deutsche Vertrieb ATR ließ sich nicht lumpen und spendierte dem Essential Premium einen Ortofon 2M Blue. Der erspielt sich mit dynamischem, lebendigem Klang (fast) audiophile Weihen und mausert sich in Kombination mit dem einpunktgelagerten Alu-Tonarm "8.6 UniPivot" zum echten Geheimtipp.

Pro-Ject: Essential Premium Phono/USB © Audio
Pro-Ject: Essential Premium Phono/USB

Zum Drehzahlwechsel muss der Musik-Fan allerdings selbst Hand anlegen und am Pulley die Lage des Silikonriemens ändern. Für eine Geschwindigkeit von 45 U/min platziert man den Antriebsriemen in die untere (größere) und für 33 U/min in die höher liegende, kleinere Rille Jetzt noch eine Platte aus dem Regal geholt und auf den MDF-Teller platziert - und schon kann der Spaß beginnen.

Suchtfaktor: Musik

Der Pro-Ject lieferte zusammen mit seinem kleinen blauen Freund, dem 2M Blue, hervorragende klangliche Ergebnisse. Von seiner beeindruckenden Dynamik und Natürlichkeit waren die AUDIO-Tester besonders angetan. Etwa bei "Swanee River" von Dave Brubeck ("Gone With The Wind"): Der Ortofon kam selbst während des Klavier-Solos mit seinen großen Dynamiksprüngen nicht ins Schwitzen und sorgte für ein absolut verzerrungsfreies Hörerlebnis. Die Musik tönte detailreich, mit definierten Bässen und klaren Höhen.

Faszinierend klang auch Ella Fitzgeralds ausdrucksstarke Stimme bei "Little White Lies" ("Ella Swings Lightly"): sehr feinauflösend und zugleich musikalisch, mit dem für diese Aufnahmen typisch warmen Klang. Und bei Chics Show aus dem "Budokan" von Tokio geriet die Räumlichkeit derart natürlich, dass die Band zum Greifen nahe wirkte.

Fazit

Pro-Ject liefert mit dem Essential Premium Phono/ USB ein hervorragendes Komplettpaket für Schallplatten-Neulinge - die Qualität stimmt ebenso wie der Preis. Dank des Ortofon 2M Blue klingt er auch noch so gut, dass man die Nadel am liebsten gar nicht mehr von der Platte nehmen will. Und: Er erledigt seinen Job analog oder digital via USB gleichermaßen gut - und versorgt so die nächste Generation von LP-Fans mit zeitgemäßen Ausstattungsfeatures.

 
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