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Testbericht Pro-Ject Debut Carbon im Test

Pro-Ject bringt den Plattenspieler Debut Carbon gleich in vier verschiedenen Versionen auf den Markt. AUDIO hat sich Schritt für Schritt durchgehört.

Pro-Ject Debut Carbon
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© MPS, Archiv

Pro-Ject Debut Carbon Basic / Premium / Esprit
Klangurteil: 70 / 75 / 78 Punkte
Preis/Leistung: Alle: Überragend
  • +Exzellenter Klang
  • +Klare Steigerung vom Basic bis zum Esprit

Die Geräte im Test

  • Pro-Ject Debut Carbon Basic (315 Euro)
  • Pro-Ject Debut Carbon Premium (365 Euro)
  • Pro-Ject Debut Carbon Esprit (420 Euro)
  • Pro-Ject Debut Carbon Basic/Phono USB (420 Euro)

Der tschechisch-österreichische Vinylmulti Pro-Ject fing vor über 20 Jahren mit einem einzigen Modell an, dessen Konstruktion noch aus Vor-Wende-Zeiten stammte – und den Sozialismus zumindest posthum zum besten Freund des HiFi-Einsteigers machte. Heute ist das Programm so fein ausdifferenziert, dass selbst jemand, der sich vorgenommen hat, maximal 400 Euro auszugeben, vier unterschiedliche Modellreihen zu Auswahl hat.

Pro-Ject Debut Carbon: Aufbau

Debut Carbon heißt die jüngste Baureihe, und sie alleine beinhaltet wiederum vier Varianten – die AUDIO zum Test vollzählig antreten ließ. Wie der Name schon andeutet, hat das bewährte Einstiegsmodell Debut hier von der zunehmenden Erfahrung des Herstellers in der Verarbeitung von Kohlefaser profitiert – die es möglich macht, dass man nun schon für etwas über 300 Euro seinen Tonabnehmer an einen Ausleger aus reinem Carbon schrauben kann. Oder besser könnte, denn das System ist im Preis inbegriffen, vormontiert und -justiert.

In Abmessungen und Geometrie entspricht der neue Arm seinem metallischen Verwandten aus dem klassischen Debut-Modell. Sein Rohr ist sehr steif und durch die heterogene Kohlefaserstruktur weitestgehend immun gegen Resonanzen. Dem relativ dünnen Headshell haben die Entwickler dagegen einen kleinen, auch messtechnisch erkennbaren Rest Elastizität und Eigenleben belassen.

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Den wichtigsten Schritt in Richtung "erwachsener Spieler" hat jedoch der neue Teller bewirkt, der nun endlich im vollen 12-Zoll-Format seine Runden dreht, eine LP also vollflächig trägt, statt ihren Rand zwei Fingerbreit überhängen zu lassen. Wie gehabt besteht der Teller aus Stahlblech, sein Gewicht erhöht sich aber von 1,3 auf 1,6 kg, was zusammen mit dem größeren Durchmesser das Trägheitsmoment annähernd verdoppelt.

Pro-Ject Debut Carbon
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Pro-Ject Debut Carbon ab 315 EURO

Als Antrieb dient der bewährte Synchronmotor mit Alu-Pulley, der seine Kraft via Flachriemen an den Kunststoff-Innenteller abgibt. Die Motoraufhängung wurde jedoch überarbeitet, mit dem Erfolg, dass alle vier Testexemplare im Hörraum deutlich geräuschärmer liefen als bisherige Debuts – und das, obwohl das alte Steckernetzteil nun einem kleinen Printtrafo direkt unter der Zarge gewichen ist. Eine Änderung, die nebenbei den Standby-Verbrauch auf exakt Null senkt.

Pro-Ject Debut Carbon: Hörtest

Der Hörtest begann mit mit dem Ur-Debut, der seit Jahren im AUDIO-Hörraum als Vergleichsgerät dient. Dessen serienmäßiges Ortofon OM5E wurde für den Test per Nadeltausch in ein OM10 verwandelt, wie es auch ab Werk auf dem Carbon Basic montiert ist – uns interessierten zunächst die Eigenschaften von Laufwerk und Arm, weniger die längst bekannten Qualitäten der unterschiedlichen Ortofon-Nadeln.

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Messlabor: In der Messung von Frequenzgang und Übersprechen sind Zacken erkennbar, die für Armresonanzen bei 140, 280 und 520 Hertz charakteristisch sind (o. Abb.). Der Gleichlauf (1) ist mit ±0,07% sehr gut, der Acrylteller verbessert den Wert auf ±0,064%. Das Rumpelspektrum (2) ist von leichten Motorvibrationen bei 50, 100 und 200 Hertz geprägt; wieder liefert der Acryl- mit 67/68dB (Messplatte/Koppler) etwas bessere Werte als der Metallteller (66/64dB).
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© MPS, Archiv
Messlabor: In der Messung von Frequenzgang und Übersprechen sind Zacken erkennbar, die für Armresonanzen bei 140, 280 und 520 Hertz charakteristisch sind (o. Abb.). Der Gleichlauf (1) ist mit ±0,07% sehr gut, der Acrylteller verbessert den Wert auf ±0,064%. Das Rumpelspektrum (2) ist von leichten Motorvibrationen bei 50, 100 und 200 Hertz geprägt; wieder liefert der Acryl- mit 67/68dB (Messplatte/Koppler) etwas bessere Werte als der Metallteller (66/64dB).

Mit "Pitseleh" von der Elliott-Smith- Scheibe "XO" (Bong Load Custom Records) hätte man den Vergleich eigentlich schon vor Ablauf des kurzen Songwriter- Stücks abbrechen können: Die Zunahme an Sauberkeit und Ausdruckskraft war offensichtlich, eine subjektiv merklich lautere Wiedergabe bei zugleich leiserem Hintergrundgeräusch (die selbstverständlich auch nach einem Überkreuz-Tausch der Nadeleinschübe erhalten blieb) zeugte davon, dass der neue Spieler die Rillenauslenkungen effizienter als sein Vorgänger in elektrische Ströme umwandelte. Der Normal-Debut wanderte also ins Regal.

Auf dem Laufwerkstisch neben dem Carbon Basic nahm nun der Carbon Premium Platz, der sich vom Basic lediglich durch sein besseres System unterscheidet: Statt des guten OM10 trägt er das exzellente 2M Red, wie immer ab Werk sauber justiert und mit einem etwas schwereren Gegengewicht auch tonarmseitig korrekt angepasst.

Wieder war das Bessere des Guten Feind, und zwar nachhaltig und eindeutig: Kam man vom feinzeichnenden, plastischen Red, wirkte das 10er mittenbetont und fast etwas diffus. Nur selten bietet HiFi für nur 50 Euro Mehrpreis einen so klaren Mehrwert wie in diesem Fall. Natürlich kann man auch mit dem normalen Debut Carbon jahrelang toll Musik hören.

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Ist die Nadel des 10ers dann irgendwann mal erschöpft, kann man immer noch auf ein besseres System wechseln und klanglich einen sehr befriedigenden Schritt nach vorn machen. Vergleicht man die beiden Versionen dagegen vor dem Kauf, wird der Basic meist sehr schnell aus dem Rennen sein.

Dergestalt bereits von 315 auf 365 Euro gelockt, muss der Interessent dann gleich noch einer weiteren Versuchung widerstehen – oder stattgeben: Einen magischen 50-Euro-Sprung weiter steht mit dem Debut Carbon Esprit das Spitzenmodell der Debut-Familie. Aus dem Premium geht er durch Tausch des Blechtellers gegen einen Rundling aus präzise gedrehtem Acryl hervor.

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Wir sind jetzt also bei 420 Euro, stehen aber vor einem todschicken Spieler, der – wenig überraschend – auch nochmal anders klingt als der Premium. Ein Stück weit hat dieser Unterschied auch geometrische Gründe: Die Acrylscheibe ist etwas dicker als der Blechteller, und da der Arm nicht höhenverstellbar ist, taucht die Nadel somit etwas flacher in die Rille. Das allein reicht aber nicht, um die zusätzliche Ruhe, die bessere Abbildung und die merklich größere tonale Ausgewogenheit zu erklären, die der Esprit an den Tag legte.

Eine Sonderrolle nimmt schließlich der Debut Carbon Basic Phono/USB ein: klanglich mit dem Basic vergleichbar, besitzt er einen integrierten Phono-Vorverstärker samt USB-Schnittstelle zum Übertragen von Schallplatten auf den PC – der einzige "USB-Plattenspieler", den AUDIO wirklich empfehlen kann.

Fazit

Eindrucksvoll, wie viel Klang schon das Basismodell für 315 Euro aus den Platten herausholt. Aus Sicht des HiFi-Hobbyisten haben die teureren Varianten des Debut Carbon aber sogar das bessere Preis-Leistungsverhältnis, weil hier das Konzept seine ganze Stärke zeigt.

Wer keine strengen Budgetgrenzen hat, dem sei auch ein Blick auf noch teurere Spieler ans Herz gelegt: Die beim Debut beobachteten, drastischen Qualitätssprünge für vergleichbar wenig Mehrpreis setzen sich nämlich bis in merklich höhere Preisklassen fast linear fort – auch bei Pro-Ject.

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