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Testbericht

Plattenspieler Transrotor Avorio

Testergebnis
100.0 Punkte
2740 EUR
Testverfahren: 1.0

AUDIO


Ramon Harland

27. Oktober 2009

Wenn die Manufaktur von Jochen Räke ihrem kleins­ten Plattenspieler den italie­ni­schen Namen für Elfenbein gibt, dann weckt das natürlich Erwartungen. Unwillkürlich denkt man bei diesem Wort an wertvolle Klaviertasten und edle Kunst.

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Ein Kunstwerk ist der Spieler allemal, wenn auch aus Alumini­um, Acryl und Stahl. Um ihm zu gutem Klang zu verhelfen, setzt Transrotor im Avorio das aus der Zet-Serie bekannte Laufwerk ein. Identisch mit die­sem sind: das Lager aus Bronze­büchse, Stahlkugel und Edelstahlachse, der Doppelsynchron-Motor und der wuchtige Plattenteller aus Aluminium mit Acrylat-Auflage zur Unterdrückung von Resonanzen. Lediglich das Acryl-Chassis ge­riet am neuen Plattenspieler etwas kleiner.


Bild vergrößern 468 468 http://img4.magnus.de/image-r468x468-C-ce871bcb-12401596.jpg Der Tonarm lässt sich in der Höhe verstellen und so unterschiedlichen Tonabnehmern anpassen. © Herbert Härle, Archiv
© Herbert Härle, Archiv

Der Tonarm lässt sich in der Höhe verstellen und so unterschiedlichen Tonabnehmern anpassen.

Das Gesamtpaket, das Transrotor für den Avorio geschnürt hat, enthält den vom japanischen Hersteller Jelco produzierten Tonarm 800-S und einen Moving-Iron-Tonabnehmer, Goldring MM 2500. Außer­dem liegt dem Avorio ein Auflage­gewicht aus Aluminium bei, mit dem Schallplatten-Exzentrizitäten verringert werden können. Es bleibt dem Analog-Liebhaber überlassen, ob er das Laufwerk solo – ohne Tonabnehmer und Tonarm – erwerben möchte. Dann reduziert sich der Preis von 2225 auf 1550 Euro.

Im Katalog der Rheinländer können experimentierfreudige Naturen noch etliche Aufrüstmöglichkeiten entdecken. Drei Netzteile, ausgestattet mit Potentio­metern zur Geschwindigkeits-Feinregulierung sowie ausgefuchsterer Regel-Elektronik für mehr Laufruhe, stehen dem Klangbegeisterten zur Auswahl. Entscheiden kann er auch, ob er den an Moving-Magnet- oder Moving-Coil-Systeme anpassbaren Phono-Vorverstärker dazu kaufen möchte.

In Messlabor und Hörraum wurde der Motor des Avorio vom Netzteil namens Konstant Studio versorgt. Über Rundriemen angetrieben, drehte der wuchtige Teller mit tadellosem Gleichlauf völlig gelassen seine Runden – für guten Klang eine gewichtige Voraussetzung. Ebenso muss das Team aus Tonabnehmer und Tonarm harmonisch aufeinander abgestimmt sein, damit ­die Eigenresonanz des Duos im Toleranzbereich liegt und die Nadel den Auslenkungen der Rille genau folgen kann. Weil entscheidend ist, was hinten rauskommt, griff AUDIO der zarten Ausgangsspannung des Goldring-Systems königlich unter die Arme: Die Signale wanderten zunächst in die Phono-Vorstufe Esoteric E-03 (Test in einem der nächsten Hefte), bevor sie sich frisch gestärkt über die Vor-/Endstufen-Kombination Accuphase C-2810 und Ayre V5-XE auf den Weg zu den Lautsprechern KEF Reference 207/2 machten.

Schon mit dem Goldring-Abnehmer ging mächtig die Post ab. Tracy Chapmans „Fast Car" („Tracy Chapman“, Warner) gab so vehement Gas, dass man am liebsten zu ihr ins Auto gestiegen wäre, um bei der rasanten Fahrt dabei zu sein. Die Beschleunigung des Wagens war förmlich spürbar, wenn das Tempo des Stücks zwischen den ruhigen Passagen mit der herrlich präsenten Akus­tik­gitarre wiederholt anzog. Wie schon beim Chapman-Titel, gelang es dem Avorio auch mit Bruce Cockburns „If I Had A Rocket Launcher" („Stealing Fire“, Pläne) im Bass- und Mitteltonbereich überzeugend Druck aufzubauen. Eine gute Kette muss eindringlich den Zorn vermitteln, mit dem der Kanadier den Angriff von Kampfhubschraubern auf ein nicaraguanisches Dorf schildert. Im Hochton­bereich und bei komplexen Musikpassagen fehlte es dem Avorio jedoch an Volumen. Etwas flach und eng gab das Gespann hier das Geschehen wieder. Schlagzeug-Becken und zischende S-Laute klangen zuweilen recht scharf.

Um das Potenzial des Transrotors völlig auszuloten, bestückte der Autor den Arm deshalb mit dem Tonabnehmersystem Benz Micro Ebony (AUDIO 9/04). Die tonal exzellent ausgewogene und sehr dynamische Referenz von Benz beflügelte den Plattenspieler hörbar. Der mit dem Goldring-Tonabnehmer schon sehr gute Bass- und Mitteltonbereich gewann dazu, deutlicher noch wurde der Hochtonbereich aufgewertet. Das Ebony nahm ihm die leichte Schärfe, die im Zusammenspiel mit dem MM 2500 gerade noch das Hörempfinden gestört hatte.

Insgesamt gewann die Vorstellung deutlich an Transparenz, die Musik atmete jetzt freier, schwebte leichter durch den Hörraum. Marius Müller-Westernhagens „Sexy" („Halleluja“, Warner) kam frech und aufreizend rüber. Die kernige E-Gitarre und Marius' trotzige Stimme machten Lust auf mehr. Wie gut der Transrotor auch die leisen Töne beherrscht, wurde klar, als Klaviervirtuose Vladimir Horowitz im Adagio aus Mozarts Klavierkonzert Nr. 23 („Horowitz plays Mozart“, DG) sanft die Tasten seines Steinways streichelte. Sobald der Meister in die Tasten griff, zeigte sich, dass der Avorio nicht nur rocken kann. Er versteht es auch, große Kunst aus den mikroskopischen Flanken der Rille zu befreien und in ihrer ganzen Schönheit wiederzugeben.




Technische Daten und Testergebnisse

Allgemein  
Maße: B: 44,0 x H: 17,0 x T: 33,0 cm
Gewicht: 20,0 kg
Features  
Farbe weiß
Geschwindigkeiten 33 1/3, 45 U/min
Konstruktion starrer Aufbau
Füße höhenverstellbar ja
Geschwindigkeitsumstellung elektronisch
Tonarm-Höhenverstellung nein
Geschwindigkeits-Feinregulierung elektronisch
Pitchregulierung während der Wiedergabe nein
Antrieb Rundriemen
Endabschaltung nein
Messwerte  
Geschwindigkeits-Abweichung 0,25 %
Gleichlauf bewertet 0,090
Mess-Schallplatte 74 dB
Rumpel-Störabstand Koppler 83 dB
Leistungs-Aufnahme Standby 3,2 W
Bewertung  
ja Druckvoller, ausgewogener Klang, ein Genuss für Ohren und Augen.
nein Mit Serien-Tonabnehmer etwas zu hochtonfreudig
Klang überragend (100 Punkte)
Klangurteil überragend 100
getestet in Ausgabe: 9/09


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