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Testbericht Plattenspieler Brinkmann Oasis + 10.5 + HRS Oasis Basis

Brinkmann stellt mit dem Oasis (16000 Euro) einen im High-End-Bereich seltenen Direkttriebler vor der klanglich zur Weltelite vorstößt.

Brinkmann Oasis + 10.5 + HRS Oasis Basis

Hersteller
Brinkmann
UVP
16000.00 €
Wertung
60.0 Punkte
Testverfahren
1.0
Bewertung
Plattenspieler Brinkmann Oasis + 10.5 + HRS Oasis Basis
Tester
stereoplay

Ein Plattenspieler mit Direktantrieb? So etwas lässt anspruchsvolle Analogfans schaudern. Zu negativ sind die Erfahrungen mit solchen Laufwerken, die es zuhauf in den 70ern bis in die späten 80er gab und die heutzutage nur noch in der DJ-Szene eine Rolle spielen, auf Grund ihrer schnellen Hochlauf- und Stoppzeiten. Wenn aber das High-End-Urgestein Helmut Brinkmann seine Finger im Spiel hat und mit dem Oasis einen solchen Plattenspieler baut, der mit dem haus­eigenen Tonarm 10.5 satte 13 500 Euro kostet, wird aus Ablehnung Neugierde. Schließlich prangt der Name Brinkmann seit gut 34 Jahren auf äußerst soliden sowie perfekt verarbeiteten Gerätschaften.

Beim Tonarm Brinkmann 10.5 ist die Antiskating (Pfeil) berührungslos mit Magneten ausgeführt. Leider gibt es hier aber keine Skalierung. © Julian Bauer
Beim Tonarm Brinkmann 10.5 ist die Antiskating (Pfeil) berührungslos mit Magneten ausgeführt. Leider gibt es hier aber keine Skalierung.

Wer die tiefschürfende Art dieses Entwicklers kennt, der ahnt, dass der Oasis keiner Augenblickslaune entsprungen ist. Mehrere Jahre grübelte Brinkmann über die Vor- und Nachteile des Direktantriebs und wie er sein müsse, um den ­besten Klang zu liefern.

Erst einmal warf er die schnellen Hochlauf- und Abstoppzeiten über Bord. Denn dazu ist nicht nur eine unerbittliche harte Regelung nötig, sondern auch ein sehr starker Motor, am besten in Verbindung mit einem leichten Teller. Ersteres, befand Brinkmann, erzeuge Unruhe, da der Motor immer hin- und hergeregelt wird, also dauernd beschleunigt und dann wieder abgebremst. Ein starker Motor erzeugt naturgemäß ein großes Mag­netfeld, das den direkt darüber sitzenden, empfindlichen Tonabnehmer massiv beeinflusst. Ein leichter, dünner Teller verstärkt diesen Effekt noch, da sich ja dann der Abstand zwischen den Motorwicklungen und dem Tonabnehmer verringert.

Somit war klar, dass der Brinkmannsche Direktantrieb einen schwachen Motor, eine langsame und zarte Regelung sowie ­einen satten, dicken Plattenteller besitzen würde, dazu eine gute Schirmung, die Magnetfelder von Abtaster fernhält.

Unter dem Subteller ist die Elektronikplatine mit den vier Spulen für den Antrieb in einem massiven Alublock postiert. © Julian Bauer
Unter dem Subteller ist die Elektronikplatine mit den vier Spulen für den Antrieb in einem massiven Alublock postiert.

Doch was für klangliche Vorteile bietet ein Direktantrieb, fragt sich nun der Analogfan. Einer wäre, dass die Lager von Plattenteller und Motor eins sind. Wenn man die massige Stahlachse, die sich in einer ­engtolerierten Büchse aus Dur-Aluminium auf einem lang­lebigen Teflonspiegel dreht, mit einem Lager irgendeines handelsüblichen Elektromotors aus einem anderen Laufwerk vergleicht, ist klar, dass dies von Vorteil sein muss. Zudem sind ja die Eigenschaften wie etwa Polzahl und der nötige Phasenversatz bei einem gekauften ­Motor vorgegeben, und auch hier wollte Brinkmann seine eigenen Vorstellungen verwirklichen (siehe Beitrag „Oase der Ruhe“).

Ein weiterer Vorteil ist, dass beim Direktriebler jegliche Riemen oder Reibräder entfallen. Wer sich schon mal durch unterschiedliche Fäden, Rund- oder Flachriemen gehört hat, der weiß, dass diese direkt und indirekt auf die Klangqualität einwirken können.

Während Brinkmann beim Antrieb sehr innovativ war, griff er bei den übrigen Partien auf Bauteile zurück, die sich schon bei seinen anderen Laufwerken bewährt hatten. Wie etwa der 8 Kilogramm schwere und 45 Millimeter dicke Teller aus einer eher weichen Aluminiumlegierung. Ihn bedämpft eine fest aufgeklebte Glasplatte, mit der die Vinylscheibe mittels einer gut funktionierenden Klemme fest verbunden wird.

Auch vom starren Aufbau mit drei höhenverstellbaren Spikes rückte er nicht ab. Wie penibel Brinkmann hier arbeitet, zeigt die Tatsache, dass zwei der Edelstahlspikes eine Kupfer­spitze besitzen, der Spike in Tonarmnähe hingegen ganz aus Edelstahl besteht.

Der Aluminium-Subteller trägt die Lager-Stahlachse sowie den Ring­magneten und die Tachoscheibe für die Geschwindigkeitsregelung. Die Lager­büchse (rechts) besteht aus Aluminium. © Julian Bauer
Der Aluminium-Subteller trägt die Lager-Stahlachse sowie den Ring­magneten und die Tachoscheibe für die Geschwindigkeitsregelung. Die Lager­büchse (rechts) besteht aus Aluminium.

Diese Liebe zum Detail kann man auch beim Tonarm 10.5 bestaunen. Er verfügt über reibungsarme, kardanische Lager, bei denen eine Edelstahlspitze in Kugeln läuft. Das sehr stabile Tonarmrohr aus Dur-Aluminium bekommt nach der Eloxierung noch eine zusätzliche Oberflächenvergütung, damit es den Schall noch schneller ableitet. Schön auch seine Praxistaug­lichkeit: Der mit 10,5 Zoll recht lange Arm hat eine dynamische Masse von rund 10 Gramm und harmoniert bestens mit modernen Abtastern.

So sprach nichts dagegen, den Referenzabtaster Lyra Titan i (6/06) zu montieren und im Hörraum erste Klangproben zu starten. Doch die hohen Erwartungen wurden erst einmal enttäuscht. Vor allem in lauten Passagen machte der Oasis einen etwas gepressten und aufdringlichen Eindruck. Lag es am Untergrund? Die Tester machten die Probe aufs Exempel und probierten unterschiedliche Tische und Racks. Und tatsächlich: Auf dem Naim Fraim (12/01) gewann die räumliche Wiedergabe an Stabilität und der Bass an Tiefe und Präzision. Doch immer noch waren bei Fortestellen zwar gemilderte,  aber nachvollziehbare Schärfen zu vernehmen. Darauf angesprochen, empfahl Brinkmann die vom amerikanischen Spezialisten HRS speziell für den Oasis gebaute Isloationsplattform.

Und wirklich, kaum spielte der Oasis auf der 23,2 Kilogramm schweren und mit Sorbothanfüßen versehenen Plattform, wichen die Zweifel der Tester purer Begeisterung. Jetzt stimmte fast alles: Der Oassis bildet mit der Basis eine klangliche Einheit und wurde folgerichtig mit ihr eingestuft.

Die Lagerachse dreht sich auf einem Lagerspiegel aus reibungsarmem sowie langlebigem Teflon.
Die Lagerachse dreht sich auf einem Lagerspiegel aus reibungsarmem sowie langlebigem Teflon.

Und es wurde ebenfalls deutlich, dass der Oasis auf dieser Basis gleichrangig mit der Referenz Linn LP 12 SE + Tonarm Ekos SE (3/07) spielte. Wobei der Oasis andere ­Tugenden als der Schotte besaß. Dieser vermittelte mehr musikalischen Schwung und ließ Stimmen feiner wie auch artikulierter klingen. Der Oasis konterte mit ­genauer positionierten Instrumenten und einer dezent weiteren, vor allem aber tieferen Bühne. Zudem baute er ein tie­fer reichendes Bassfundament.

Überragend aber war seine Fähigkeit, Töne noch früher entstehen zu lassen, als es selbst der in dieser Hinsicht sehr gute LP 12 SE vermag. Es schien, dass beim Linn die Töne aus einem leisen Rauschen auftauchten, während sie beim Oasis aus einem noch ruhigeren Hintergrund kamen. Dass dieser Effekt dem Antrieb zuzuordnen war, zeigte ein Vergleich mit dem – bis auf den dickeren Teller, die beheizten Lager und den Antrieb mit Rundriemen – ähnlichen Brinkmann La Grange. Wieder grenzte der Oasis Instrumente schärfer von­einan­der ab, vermittelte in Pianopassagen mehr Details als der Riemen-Bruder.

Auf der dynamischen Seite jedoch behielt der Linn, wohl wegen des ­ent­kop­pel­nden Subchassis, die Oberhand. So klangen beim Oasis trotz der HRS-Basis laute Bläsereinsätze zuweilen etwas beengter und nicht so fließend-locker wie beim LP 12 SE. Dafür blieb das Klangbild in Mezzoforte-Passagen beim Oasis unverrückbarer und minimal durchsichtiger - untermStrich also ein Unentschieden.

Das Ergebnis ist jedenfalls eine Sensation: ein Direkttriebler als stereoplays Laufwerk-Referenz. Wer hätte das gedacht? Wohl keiner. Brinkmann bewies viel Mut, diesen Weg zu gehen. Aber es hat sich gelohnt.

Alle Daten und Testergebnisse zum Brinkmann Oasis + 10.5 + HRS Oasis Basis

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