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Testbericht Pioneer N-30 im Test

Für das halbe Geld des Konkurrenten Onkyo T-4070 schickt Pioneer seinen N-30 ins Rennen bei den Netzwerkplayern. Was der Pioneer N-30 taugt, verrät unser Test.

Pioneer N-30
Klangurteil: 100 Punkte
Preis/Leistung: Sehr gut
  • +Warmer, erdiger, stress-freier Klang, ohne jede Künstlichkeit
  • -Kein Gapless, kein Vor-/Rücklauf

Opulenz und verschwenderisches Prassen sind daher schon preisbedingt nicht seine Sache - aber in seiner Konzentration auf das Wesentliche erinnert der N-30 wohltuend an ein traditionelles japanisches "shokato bento", bei dem diverse Komponenten einer Mahlzeit kunstvoll und in ästhetisch perfekter Reduktion serviert werden.

Der kleinere Bruder des N-50 verzichtet z. B. auf dessen zahlreiche Digitaleingänge und damit auch auf die Möglichkeit einer asynchronen USB-Anbindung - ebenso wie der Onkyo T-4070. Die bei beiden Herstellern fehlenden Features Gapless-Lightversion: Die Verwandtschaft zwischen N-30 und N-50 (unten) ist nicht zu übersehen.

Der große Bruder hebt sich durch seinen Extratrafo für's Audioboard ab, ansonsten ist er weitgehend baugleich. Optional: Gegen Aufpreis kann bei Bedarf ein WLAN- und ein Bluetooth-Modul (je ca. 50 Euro) an die vorgesehenen Steckplätze des N-30 andocken. Wiedergabe und schneller Vor-/Rücklauf vermisst man allerdings mit Verwunderung - technisch ließen sich diese Funktionen schließlich problemlos aktivieren.

Das farbige, gestochen scharfe Mehrzeilen-Display blieb erfreulicherweise aber erhalten und ermöglicht eine komfortable Steuerung der Menüs. Unterm Strich kann die Ausstattung also durchaus überzeugen: Der N-30 unterstützt AirPlay, Internetradio und über optional erhältliche Adapter auch WLAN, Bluetooth sowie die Pioneer-eigene Air-Jam-Anbindung.

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Letztere erlaubt bis zu vier iGeräten aus dem Apple-Universum, bei gleichzeitigem Anschluss eine gemeinsame Playlist an den N-30 zu schicken - für Partys eine nette Option. Ebenfalls an Bord: der vom N-50 als exzellent bekannte 192kHz/32bit-D/A-Wandler.

Optional: Gegen Aufpreis kann bei Bedarf ein WLAN- und ein Bluetooth-Modul (je ca. 50 Euro) an die vorgesehenen Steckplätze des N-30 andocken. © Audio
Optional: Gegen Aufpreis kann bei Bedarf ein WLAN- und ein Bluetooth-Modul (je ca. 50 Euro) an die vorgesehenen Steckplätze des N-30 andocken.

Dagegen verzichteten die Ingenieure auf das separate zweite Netzteil sowie auf den doppelten Boden und damit auf zusätzliche Stabilität des Gehäuses - irgendwo muss der Preisunterschied ja herkommen. Auch Features wie Pure Audio und die Aufpäppelungsfunktionen für datenreduzierte Kost bleiben dem großen Bruder vorbehalten.

Wem das Display zu klein ist, der greift auf die gut gemachte, Pioneer-eigene Controll-App zu, die besten Bedienkomfort bietet. Mitglieder der Android-Fraktion bleiben übrigens keineswegs außen vor - auch für sie programmierte Pioneer (wie übrigens auch auch Onkyo) ein eigenes App.

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Im Hörraum nebeneinander gestellt, machten der N-30 wie auch der N-50 nicht nur eine hübsche Figur, sondern offenbarten beide einen homogenen, warm timbrierten Grundcharakter. Das grandiose Stück "Grace" von Jeff Buckley entfachte über beide Player einen mitreißenden Groove. Der N-50 widmete dem kritischen Grundtonbereich etwas mehr Konzentration und Wärme, während der N-30 bei gleichem tonalen Charakter im oberen Hochton ein klein wenig nervöser zu Werke ging.

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Im Vergleich mit dem Onkyo legte dieser eine direktere, leuchtendere Gangart an den Tag. Der N-30 unterfütterte bei "Gung Ho" die Stimme von Patti Smith mit einer entspannteren, nonchalanteren Handschrift, nahm ihr dabei aber ein wenig ihre Schattierungen und ihre beängstigende Intensität. Die Trennung der Instrumente und einzelnen Spuren gelang dem N-30 klar und definiert, dennoch packte der Onkyo hier ein Quentchen beherzter zu und leuchtete mit ein paar Lumen mehr in die Tiefe des Stücks.

Nonchalance contra Verve

Über Magnus Öströms "Piano Break" (edel) spannte der Pioneer einen eher unaufdringlichen Spannungsbogen, wobei das Timing etwas unentschlossen wirkte. Dennoch empfahl er sich mit seiner eleganten, fast distinguierten Spielweise als Gentleman, der für stundenlangen stressfreien Musikgenuss steht. Dank noch ergreifenderem Tempo, klarerer, neutraler Balance und generell etwas mehr Verve und Temperament hatte der Onkyo aber die Nase vorn.

Dennoch bot der kleine Pioneer eine hervorragende Vorstellung. Freunde eines nichts beschönigenden, aber sich mit Wärme und Leichtigkeit auszeichnenden Charakters werden an ihm absolut nichts vermissen.

 
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