Testbericht Pass Labs XP 30 im Test
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Auf der CES 2010 in Las Vegas schien sich das Geheimnis aufzulösen. Ich saß mit einer großen Gruppe von Pass-Mitarbeitern am Tisch, alles lachte, scherzte, nur mein Tischnachbar blickte ziemlich sauertöpfisch drein. "Und was machen Sie?", fragte ich, um ihn etwas aufzumuntern. "Ich entwickle die Vorverstärker" antwortete er. Aha, dachte ich. Die alte These greift doch: Unfrohe Menschen entwickeln unfrohe Geräte. Und der Nelson hat mit den Vorstufen gar nichts zu tun. Das erklärt ja einiges.
Aber ich wurde eines Besseren belehrt. Zum einen entpuppte sich auch mein Tischnachbar im Lauf des Abends als äußerst lebensfroh, zum anderen wurde mir erklärt, dass keine, aber auch nicht die kleinste Konstruktion ohne den Segen des Meisters verabschiedet wird.
Pass Labs XP 30: Aufbau
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Nun ja: Das Netzteil sieht schon recht stattlich aus. "Da könnte man theoretisch auch die Lautsprecher direkt dranhängen", schlug Colburn augenzwinkernd vor. Auch die Lautstärkeregelung geriet etwas aufwendiger als in den kleineren XP-Modellen. Im Zentral-Modul steckt ein Muses 72320 der New Japan Radio Corporation, einer der besten Pegelsteller, die derzeit zu haben sind. Auch der vorzügliche P8 von AVM arbeitet mit diesem quasi rauschfreien Edelregler. Und natürlich machen ernsthafte Männer wie Pass oder Colburn eine Dreiteilung des Vorstufen-Gehäuses nicht aus Spaß: Mit dem doppelten Mono-Aufbau reduzieren sie das Übersprechen der Kanäle auf Null. "Außerdem", so Colburn ganz pragmatisch, "haben wir dadurch einfach mehr Platz für Eingänge." Es sind tatsächlich sechs an der Zahl, jeweils symmetrisch und asymmetrisch ausgelegt – ein wahrer Luxus. Und dann gibt es da noch diesen Pegelsteller für den Slave-Endstufenausgang. Damit lässt sich eine zweite Endstufe im Pegel feinjustieren – was sich bei unseren gern und oft gestarteten Bi-Amping-Versuchen als äußerst hilfreich erwies.
Pass Labs XP 30: Hörtest
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Als ersten Vergleich zogen wir die AVM P8 heran, unsere Arbeits-Referenz, die dank Röhrenausgang Präzision mit Charme verbindet. Doch gegen diese Ruhe und Kraft der Pass war sie letztlich chancenlos. Beim Hörtest-Klassiker "The Raven" von Rebecca Pidgeon (Chesky/in-akustik) lagen beide Vorstufen gleichauf, was die Detailvielfalt in der Stimme anging – nicht jedoch in dem, was um Miss Pidgeon herum geschah. Die Pass zog den Raum viel weiter nach hinten (und auch nach oben) auf; dennoch schien die Stimme fokussierter und räumlich genauer zugeordnet am Mikro zu stehen.
Spätestens mit dem sensationellen Patti-Smith-Cover des Nirvana-Klassikers "Smells Like Teen Spirit" (vom Album "Twelve") unterstrich die Pass, dass sie letztlich doch in einer höheren Liga spielt. Sie zauberte aus der Mandoline zu Anfang des Stücks noch mehr Klangfarben, ließ das Instrument noch mehr atmen. Die XP 30, das wurde schnell klar, spielt ganz oben mit – da, wo seit Mai 2008 die Thorens TEP 3800 als Referenz residiert. Sie machte es der Pass richtig schwer vorbeizuziehen. Das Klatschen der Zuhörer zu Beginn von Kari Bremnes' "Reise" kam über die Thorens offener; die Pass brachte den Beifall minimal bedeckter, öffnete dafür den Konzertraum nach hinten viel weiter. Und dann die einsetzenden Basswellen: Diesem Schub hatte selbst die Thorens nur noch eine höhere, manchmal etwas nervöse Agilität entgegenzusetzen.
Die gewaltige Kraft der Pass, gepaart mit einer unfasslichen Abbildungsruhe und -stabilität, hat einen extrem hohen Sucht-Faktor, den wir nicht mehr missen wollen: Die XP 30 hat ab sofort Referenz-Status.
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Super-Symmetrie: Patent für Sauberkeit
2004 hatte sich Nelson Pass einen besonderen Geistesblitz patentieren lassen: die Super-Symmetrie (susy). Der Clou dieser Schaltung besteht darin, dass die ankommenden symmetrischen (also Plus- und Minus-) Signale je einen Transistor ansteuern. Diese Transistoren stehen über ihre Fußpunkte und ein Netzwerk von Widerständen in Verbindung. Etwaige Abweichungen von der Symmetrie kommen hier zum Vorschein und treiben die Gegenseite zur sofortigen Korrektur an. Damit stellt Pass für unliebsame Störsignale eine absolute Symmetrie her. In einer Differenzstufe (spätestens an der Box), die nur den Spannungsunterschied zwischen Plus und Minus auswertet, werden die identischen Gleichtakt-Störer dann wirkungsvoll eliminiert.