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Testbericht

Octave Jubilee Monos

Testergebnis
135.0 Punkte
44000 EUR
Testverfahren: 1.0

AUDIO


Joachim Pfeiffer

30. April 2008

Ja, dies ist ein Röhren-Amp. Aber trotzdem ganz anders.

Die Mono-Endstufen Octave Jubilee passen so überhaupt nicht ins Bild audio­philer Röhrenverstärker. Sie wissen schon: diese schnuckeligen Klirr-Amps, bei denen jedes Leistungswatt Argwohn auslöst. Kraftlose Single-Ended-Experimente mit schönem, warmem Klang, bullerigem und nachgiebigem Bass, deren Entwickler wie Gurus angehimmelt werden. So ähnlich schätzt Hofmann diese Szene ein, dazugehören will er nicht. Er sieht sich als Realist, der eine Ahnung davon hat, wie Musik klingen muss. Und diese Ahnung holt er sich mit schöner Regelmäßigkeit in der Oper. „Wenn ich die Energie eines Sinfonieorchesters und ausgebildeter Stimmen im Konzertsaal erlebe, weiß ich um die Limitierungen von HiFi“, sagt der Badener.


Bild vergrößern 665 1000 http://img3.magnus.de/image-r665x1000-C-29b3c865-25148648.jpg Jede Leistungs-Röhre kann individuell gemessen und (notfalls) nachjustiert werden. © Foto: H.Härle
© Foto: H.Härle

Jede Leistungs-Röhre kann individuell gemessen und (notfalls) nachjustiert werden.

Dies gelte in erster Linie für das Tieftonspektrum: Wenn hier ein Verstärker einbreche oder schon so konzipiert sei, dass er diesen Bereich nur streife, dann klafften HiFi-Wiedergabe und Original-Erlebnis im Konzert brutal auseinander. Bei den meisten Röhren-Amps sei das Netzteil einfach zu schwach, in Folge müssten schon untere Grenzfrequenz und Gegenkopplung den instabilen Verhältnissen angepasst werden, so seine Analyse. Daraus resultiere oftmals ein warmer Kuschelklang, der ein Orchester wie eine Karikatur nachzeichne. 

Also gab Hofmann seinen Vorzeige-Amps äußerst stabile Netzteile mit auf den Weg. Nüchtern betrachtet, kommt ja alles, was der Lautsprecher an Schall erzeugt, aus dem Stromnetz. Um realitäts­nahe Dynamik gepaart mit Breitbandigkeit zu schaffen, sind somit potente Puffer, also Elkos vonnöten. In den Jubilee-­Monos stellen sich welche mit 18000 Pikofarad allein für die Endstufe dieser Aufgabe, 14 mal je 470-Pikofarad-Batterien nehmen sich der Treiberstufen in der Hochvolt-Versorgung an. Dabei handelt es sich um wirklich professionelle Typen von Epcos. AUDIO hat mal nachgerechnet: Um 2000 Euro muss Hofmann für diese exquisiten Speicher-Bausteine schon hinblättern. 


Bild vergrößern 692 1000 http://img3.magnus.de/image-r692x1000-C-639980b5-25148651.jpg Jubilee-Mono mit Super-Netzteil und acht 6550er Endröhren. © Foto: H.Härle
© Foto: H.Härle

Jubilee-Mono mit Super-Netzteil und acht 6550er Endröhren.

Hörtest

Der erste (und bislang einzige) Test der Jubilee-Monos erschien im damaligen Sonderheft AUDIOphile, für den Nachfolger im Stammheft gingen jetzt mehr als sieben Jahre ins Land. Sieben Jahre, in denen Hofmann unermüdlich an seinen Referenzen arbeitete, sieben Jahre, in denen – bis auf die äußere Form – sich nahezu alle Bauteile veränderten. Davon profitieren, by the way, auch die Betreiber anderer, weit güns­tigerer Octave-Verstärker. Denn die gewonnenen Erkenntnisse flossen alle in die übrigen ­Serien. Und ich habe auch etwas davon.

Denn klanglich zählen die Monos zum absolut Besten, was ich jemals gehört habe. Damals wie heute sitze ich mit Lothar Brandt im Hörraum, vor uns die  besagte Octave-Kombination. Eine Demo-CD mit einem kristallklar aufgezeichneten Schlagzeug rotiert im CD-Player Accuphase DP-700 – und ich drehe den satten Pegelsteller der Jubilee-Vorstufe nach rechts. Schon mal so gehört? So präzise, so knochentrocken, so farbstark, so urgewaltig? Kollege Brandt schüttelt den Kopf: „Auch noch nicht so laut." Tatsächlich hatten wir das Schlagzeug lauter gehört, als es im Original tönen kann.

Lothar Brandt lässt eine historische Aufnahme aus den 1950er Jahren im Accuphase-Player verschwinden. Beet­hovens Violinkonzert mit Jascha Heifetz erklingt. Alles richtig, meint der Kollege, das hört man so wirklich selten. Angesichts einer solch grandiosen Performance wie der des Octave-Terzetts werden ausgebuffte, vermeintlich kaltschnäuzige Tester irgendwie wieder zu kleinen Jungs mit strahlenden Augen. Das kann HiFi – wenn es gut gemacht ist, wenn es das Original zum Maßstab macht und sich nicht auf audio­philen Trampelpfaden verläuft. Doch halt: Auch auf solchen sind schon prächtige Verstärker entstanden.




Technische Daten und Testergebnisse

Allgemein  
Maße: je B: 28,0 x H: 70,7 x T: 48,4 cm
Gewicht: je 65,0 kg
Features  
Mono-Betrieb nein
Endstufen-Musiksignal-Einschaltautomatik nein
Pegelregler nein
Pegelschalter nein
Pegelanzeige ja
Anschlüsse  
Endstufen-Eingänge asymmetrisch ja
Endstufen-Eingänge symmetrisch ja
Anzahl Lautsprecheranschlüsse 2
Messwerte  
Sinusleistung Stereo an 8 Ohm/4 Ohm 239,0 W/256,0 W
Musikleistung 8 Ohm/ 4 Ohm 263,0 W/308,0 W
Dämpfungsfaktor 100 Hz / 10 kHz
Rauschabstand 109,0 dB(A)
Standby-Verbrauch
Bewertung  
ja Dynamik fast wie im Konzertsaal dank Röhren-untypischer Kraftentfaltung.
nein hohe Leistungsaufnahme auch im Ruhezustand (320 Watt)
Klang Cinch 135
Klang XLR 135
Gesamtklang 135
Verarbeitung überragend
Bedienung gut
Ausstattung gut
Klangurteil überragend 135
getestet in Ausgabe: 5/08


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