Testbericht Netzwerkplayer Linn Sneaky DS
- Testbericht
- Datenblatt
- stereoplay
Linn Sneaky Music DS
- Hersteller
- Linn
- UVP
- 1500 €
- Wertung
- 62.0 Punkte
- Testverfahren
- 1.0
- Bewertung
-
- Tester
-
Wären die Ingenieure der schottischen High-End-Schmiede Linn Mathematiker, hätten sie wohl dem gängigen Lehrplan die „Linntegralrechnung" hinzugefügt. Aktuelles Rechenbeispiel: Man nehme die aktuelle Netzwerk-Linie, subtrahiere das aufwendige Gehäuse und einige teure Innereien, addiere Features und eine Endstufe und erhalte in der Summe einen kompakten Netzwerkplayer, der nur noch mit digitalen Daten am vorderen und Lautsprechern am hinteren Ende versorgt werden muss.
Fertig ist die Laube, sagt der leicht versnobte Brite und stellt den Sneaky Music DS in selbige – schließlich gehört der Netzwerkplayer offiziell zu Linns Multiroom-Linie. Was nicht heißen soll, der Sneaky DS tauge nur für „abseitige" Beschallung. Im Gegenteil: Was das kleine, gerade mal 4,5 cm hohe und 35 cm breite Federgewicht an den Ausgängen bereit stellt, hat Zeug zum Schwergewichts-Champion.
© Jan Winkler
Weiter „hinten" auf der Platine sitzt ein D/A-Wandler von Wolfson, der WM 8740 – der einfachere Bruder des Konverters 8741, den Linn im Akurate/Klimax DS einsetzt. Auch im Sneaky hält Linn übrigens wieder an ihrer Einstellung fest, keine digitalen Eingänge anzubieten. Dafür zieren den jüngsten Spross aber jetzt ein optischer und ein koaxialer Digitalausgang.
Anschluss finden beim Sneaky Music DS jetzt auch Lautsprecher. Die mit 2 x 20 Watt spezifizierte Endstufe (TDA 7293 von ST Microelectronics) sollte am besten mit wirkungsgradstarken Schallwandlern zusammenarbeiten, sonst spricht bei höheren Lautstärken schnell die Schutzschaltung an. Wer den Sneaky nur als reine „Quelle" betreiben will, sollte sich bewusst sein, dass der Player eine integrierte digitale Lautstärkeregelung hat. Die steht zum Endstufen- und Ohrenschutz auf 50 von 100 Punkten – wer das im Vorverstärker-Betrieb so lässt, verschenkt Qualität und Rauschabstand. Das „Unity-Gain" liegt, wie bei Linn üblich, bei Stellung „80" – dann verhält sich der Sneaky an den Cinch-ausgängen wie jede andere Hochpegelquelle. Eingestellt wird die Einschalt-Lautstärke per mitgelieferter Konfigurations-Software (mit der sich der Sneaky sogar für Bi-Amping mit einer zusätzlichen, externen Endstufe einpegeln lässt).
© Jan Winkler
Mit CD (Jack Johnson, „Inaudible Melodies“) verlieh der Sneaky der Gitarre einen kompakteren Korpus, ließ sie nicht ganz so anspringend tönen wie der Ayre. Der zog die Saiten etwas deutlicher auseinander, agierte druckvoller und differenzierter, arbeitete leise Übergänge in der Stimme von Jack Johnson besser heraus und zeichnete einen größeren Raum. Bei Barb Jungr („Who Do You Love“) spielte sich der Sneaky in der 24-Bit-Liga schon mal warm und ließ mit einer etwas kantigeren Gesangsstimme etwas das Flair vermissen, das der Ayre der Jazz-Sängerin geben konnte. Mit Carol Kidds „I‘ll Be Tired Of You" wurden die Unterschiede noch deutlicher: eine entspanntere Stimme, ein eigenständigerer Bass und ein rhythmischeres Piano sprachen für den Ayre. Überrascht war stereoplay aber dennoch, wie weit der Sneaky Music DS bei einem Preisunterschied von über 5000 Euro mithalten konnte.
© Jan Winkler
Die beiden lieferten sich ein spannendes Match, durchaus auf Augenhöhe. Der T+A war – auch bedingt durch seine umschaltbaren Filtercharakteristiken – der klar zeichnendere, analytischere der beiden. Der Linn spielte gefälliger, etwas weicher und runder – die Tester formulierten es bei einem Musikstück mit akustischer Gitarre so: „Der T+A hat viel Saiten und wenig Korpus." Will heißen: Es ist letztlich eine Geschmacksfrage, für welchen Player man sich entscheidet – auch, für welche Bedienphilosophie.
Bleibt noch die Frage, wie gut der Sneaky Music DS im Stand-alone-Betrieb klingt – also komplett mit den eigenen Endstufen. „Gar nicht schlecht, die Dinger" war der überraschte Ausruf eines Testers. Und tatsächlich: Die Wiedergabe geriet zwar etwas dunkler als über die Vor/Endverstärker-Referenzen von Thorens, hatte aber einen schönen musikalischen Fluss, klang angenehm entspannt – da fiel nichts auseinander, sondern war alles in sich stimmig – „linntegrativ" sozusagen.
Insofern ist auch die „Linntegral-Rechnung" der Schotten aufgegangen: ein kompakter, schnuckeliger Netzwerkplayer zu einem attraktiven Preis, der mehr ist als ein Einstieg in die digitale Welt der vernetzten Musik und wirklich nicht in der Gartenlaube sein Dasein fristen sollte.
Alle Daten und Testergebnisse zum Linn Sneaky Music DS
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