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Testbericht Netzwerkplayer Linn Klimax DS

Linn öffnet mit dem Netzwerk-Player Klimax DS das Tor zu neuen Klangwelten

Linn Klimax DS

Hersteller
Linn
UVP
15000.00 €
Wertung
140.0 Punkte
Testverfahren
1.0

Linn Klimax DS
  • +spielt WAV- und FLAC-Dateien
  • +Auflösung bis 192kHz/24Bit
  • +Software steuert auch andere Player
  • +klarer Klang

Im Grunde ist der Klimax DS „nur" ein Netzwerk-Player. Ein Gerät, das in viel billigeren und viel kleineren Versionen schon in etlichen Haushalten zu finden ist. Ein Empfänger, der digitale Musikdaten per Ethernet-Netzwerk erhält, wandelt und an eine Musik-Anlage weitergibt. Eigentlich alles schon längst bekannt, aber trotzdem komplett anders.

Da wäre zum einen der stolze Preis von 15.000 Euro. Zum anderen spielt der Klimax DS keine komprimierte Musik ab. Wer diesen Player an sein Netzwerk hängt, darf gar nicht erst an MP3 & Co. denken. Mit quäkender Download-Beute kann er nichts anfangen, stattdessen will er nur mit WAV- oder verlustfrei komprimierten FLAC-Dateien gefüttert werden. Die schluckt er dann aber in beliebiger Auflösung bis zu 192 Kilohertz Samplingrate und 24 Bit Wortbreite. Auf seiner Rückseite finden sich lediglich Stereo-Ausgänge (symmetrisch und unsymmetrisch) und eine Ethernet-Buchse. Nur noch das Steuerkabel zum Beispiel einer Klimax-Control-Vorstufe findet noch Platz, sonst nichts. Keine Chance, den Klimax DS als externen D/A-Wandler zu missbrauchen – dieser Player soll einzig und allein einem Zweck dienen: Musik aus dem Netzwerk hochwertig wiederzugeben.

Das Gehäuse ist aus einem einzigen Block Aluminium gefräst
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© H.Härle
Das Gehäuse ist aus einem einzigen Block Aluminium gefräst

Die reine Lehre

Diesem Prinzip folgend, besitzt der Klimax DS auch keine eigene Festplatte. Warum sich festlegen auf eine Platten-Variante, wenn sich die IT-Welt ohnehin schneller weiterentwickelt, als je eine HiFi-Firma darauf reagieren könnte? Der Linn-Kunde kann seine Musik speichern, wo er will. Eine freundliche Empfehlung gibt es freilich: Linn setzt auf Network Attached Storage, kurz NAS. Das sind eigentlich nur mehrere Festplatten, geschützt in einem kleinen Gehäuse mit eigenem Betriebssystem, eigener Netzwerkanbindung und Stromversorgung. Ursprünglich entwickelt, um sensible Daten in Rechenzentren unabhängig vom Computer zu sichern, haben sich diese NAS-Platten zum Geheimtipp aller digitalen Jäger und Sammler entwickelt. Sie bieten Speichergrößen bis zu mehreren Terabyte (ein TB entspricht rund 1024 Gigabyte), sind unabhängig vom PC, sichern ihren Inhalt kontinuierlich selbst und kosten nicht die Welt: Für 800 Euro bekommt man schon gut und gerne zwei TB – Platz genug für rund 6000 CDs in unkomprimierter Qualität.

Viel Musik

Das sind natürlich eine Menge Alben, die irgendjemand auch erst mal auf die Festplatten speichern muss. In England gibt es dafür einen eigenen Service, und auch in Deutschland soll ein entsprechender Dienst dem Kunden bald die Digitalarbeit abnehmen. Ebenso wie die Linn-Händler dem künftigen Klimax-DS-Besitzer auch gerne lästige Netzwerkinstallationen ersparen wollen. Benötigte Software und Konfigurationen werden frei Haus eingespielt. Denn so ganz ohne Peripherie kommt der Klimax DS nicht aus. Zu seinem Antrittsbesuch wurde der Netzwerk-Player von einer Eskorte aus NAS-Platte, Router und Miniatur-PC begleitet. Letzterer übernimmt dabei die Aufgaben einer interaktiven Fernbedienung (ist aber nicht im Kaufpreis enthalten).

Praxis: Musikarchiv anlegen und ordnen

Mit der eigens von Linn entwickelten Steuersoftware lassen sich die Alben, Künstler und Playlisten auswählen, die der Klimax DS spielen soll. Noch etwas spartanisch ist die grafische Oberfläche, ohne beliebte Gimmicks wie Albumcover-Anzeige oder Zufalls-Playlisten. Das Programm könnte aber mehrere Netzwerk-Player, auch anderer Marken, in verschiedenen Räumen steuern – solange sie den Standard UPnPAV 2.0 erfüllen. Also einen Klimax DS im Wohnzimmer und beispielsweise eine Roku-Soundbridge im Schlafzimmer. Einheitliche Protokolle machen es möglich. Die CD-Sammlung steht – einmal gesichert – sofort in der ganzen Wohnung zur Verfügung.  Ein Vorteil, den die IT-Welt der Unterhaltungs-Elektronik voraus hat.

Nur Stereo-Ausgänge, nur Netzwerk-Eingang
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© H.Härle
Nur Stereo-Ausgänge, nur Netzwerk-Eingang

Offen für alles

Ohnehin widmet sich Linn bei der Netzwerkphilosophie dem offenen Prinzip. Schließlich soll der Klimax DS ja Musik in jedem Netzwerk der Welt wiedergeben können – auch im AUDIO-Testraum. Nach ein paar Minuten Installation war es dann so weit. Die NAS-Platte summte emsig im Neben-, der elegante Player spielte im Hörraum. Das erste Duell nahm der Klimax gleich mutig mit dem CD-Player Accuphase DP-78 auf. Scheibe gegen Platte, Laufwerk gegen Netzwerk. Der Accuphase war gewohnt detailliert, grundtonstark, farbenprächtig.

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Doch der Linn zauberte einen kristallklaren Klang ohne scharfe Kanten, dafür mit eleganten Linien, immens konturiert und unfassbar genau. Da hallten Becken intensiver, gleichzeitig natürlicher. Und Stimmen gerieten einen Hauch schlanker, aber gleichwohl präsenter. Die erste Hörrunde ging also an den Netzwerk-Player: einfach phänomenal, wie er aus einem simplen Datentresor einen so facettenreichen Klang holen konnte. Man mag jetzt über geheimnisvolle D/A-Wandler im Linn-Player spekulieren, doch Gilad Tiefenbrun hätte dafür nur ein Lächeln übrig: „Es gibt keine Wunder-DACs." Vielmehr gehe es um das Prinzip. Beim legendären Linn LP 12 habe sein Vater ja nicht den Plattenspieler selbst neu erfunden, sondern die Art und Weise, wie der Teller sich drehte und die schwarze Scheibe abgetastet wurde.

Für das bestmögliche Ergebnis aber müssen die Titel bestmöglich von CD ausgelesen werden. Linn empfiehlt dazu übrigens dieselbe Software wie auch AUDIO schon des Öfteren: Exact Audio Copy.

Gruppenbild mit Linn: Gilad Tiefenbrunn (zweiter von rechts), Redakteur Bernhard Rietschel (vorne rechts), Linn-Mitarbeiter Manuel Neitzel (ganz links), Marketing Leiter Thomas Saheicha.

Das Duell - der Hörtest

Der Kampf dieser Prinzipien führte letztlich zum Duell der Titanen: Linn Klimax DS gegen die AUDIO-Referenz von Accuphase, bestehend aus CD-Laufwerk DP-800 und Wandler DC-801. Gibt es eine Revolution in der HiFi-Geschichte? Wird die abstrakte Netzwerk-Welt oder die seit 25 Jahren bestehende Stereo-CD-Technik siegen? Der Kampf der beiden Großmächte begann leise, mit Katie Meluas „Shy Boy" („Piece By Piece“, RTD). Der Linn spielte seine Räumlichkeit aus, die Accuphase-Kombination Kraft und Grundton. Auch bei „King Of The Mountain" von Kate Bush („Aerial“, EMI) gab es ein Kopf-an-Kopf-Rennen: schlanker, dabei detaillierter und eleganter Klang vom Linn, farbenreiches, kräftiges Spiel via Accuphase.

Letztlich brachte die AUDIO „pure music Vol. 4" (Bose) mit dem Adagio der Orgelsinfonie von Camille Saint-Saëns die Entscheidung: ein klares Unentschieden. Beide Kandidaten, der Linn und das Accuphase-Duo, meisterten ihre Aufgaben gleichermaßen souverän. Vielleicht hat Linn nun doch nicht die HiFi-Welt radikal verändert. Aber bewiesen, wie viel audiophile Freude Musik aus der Datenwelt bereiten kann. Natürlich ist der Klimax DS ein teurer Spaß. Aber er bringt uns die unentdeckten digitalen Möglichkeiten ein großes Stück näher.

Alle Daten und Testergebnisse zum Linn Klimax DS

 
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