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Testbericht Test: Netzwerk-Vollverstärker Audionet DNA

Der Netzwerk-fähige Vollverstärker DNA (9600 Euro) von Audionet hat gute Gene: Mit ihm wird der vielversprechende Firmenname nun zum Programm.

Audionet DNA

Hersteller
Audionet
UVP
9600.00 €
Wertung
58.0 Punkte
Testverfahren
1.0
Auszeichnung
stereoplay-Referenz: Audionet DNA
Tester
stereoplay

Audionet DNA
  • +satter Sound
  • +gute Signalverarbeitung

Nach nunmehr 18 Jahren erfüllt sich endlich, was der visionäre Name Audionet schon seit Gründung der Bochumer High-End-Manufaktur ausdrückt: der Brückenschlag zwischen hochwertiger Musikwiedergabe und Netzwerk-­basierter, nahezu unbegrenzter Programmvielfalt mit sofortigem Zugriff. Möglich macht dies die neueste, 9600 Euro teure Audionet-Schöpfung, die nach Art des Hauses ganz ­pragmatisch „Digital Network Amplifier“, kurz DNA, heißt – und bei stereoplay ihr welt­exklusives Debüt feiert.

Vom tatsächlichen Erscheinungsbild dieses „Missing Link“ hatten Thomas Gessler und seine Mannen anno 1994 wohl nur vage Vorstellungen. Klar war allerdings damals schon, dass die hauseigene, wirklich herausragende analoge Verstärkertechnik das Zeug hat, selbst  den heftigsten digitalen Widersachern Paroli zu bieten. So konnten Gessler & Co. der audiophilen Zukunft gelassen entgegentreten. Wen erstaunt es da, dass der DNA im Grunde seines Herzens ein waschechter analoger Vollverstärker ist? Und zwar Größe XXL mit satten 25 Kilo Nettogewicht.

Der DNA machte denn auch bei der Leistungsmessung im stereoplay-Messlabor an 8-Ohm-Lasten stolze 190 Watt und bei 4-Ohm-Abschluss sogar 365 Watt pro Kanal locker – das Ganze bei hoher Bandbreite von 1 Hertz bis über 100 Kilohertz und einem Verzerrungsniveau, das man durchaus als „kaum noch messbar“ bezeichnen kann. Hinter dieser nachdrücklichen Leistungsentfaltung stehen gleich zwei vergossene 700-VA-Ringkerntrafos sowie eine beachtliche Sieb­kapazität von insgesamt 144 000 Mikrofarad als Energiequelle.

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Auch wenn der schwergewichtige Bochumer „Digital Network Amplifier“ heißt, ist er keineswegs nur für eben­solche Tonquellen gedacht. Über vier analoge Hochpegel­eingänge, einer davon elektronisch symmetriert, finden auch klassische Gerätschaften wie CD-Spieler & Co. genügend Anschlussmöglichkeiten. Selbst Vinyl-Liebhaber bleiben beim DNA nicht außen vor: Das optional erhältliche Phono-Board belegt zwar einen Hochpegel­eingang, bietet dafür aber wahlweise MM- oder MC-Betrieb – sogar mit schaltbarer Verstärkung bis zu 70 dB.

Und weil Audionet auch den Lautstärkesteller mit dem anerkannt hochwertigen Präzisions-Widerstandsketten-Chip PGA 2320 von Burr-Brown auf analogem Wege realisierte, besitzt der DNA von Natur aus einen vollständig analogen Signalweg nach allen Regeln der audio­philen Kunst. Das heißt zunächst mal extrem kurze Signalwege durch ultrakompakten Platinenaufbau in Surface-Mounted-Device-(SMD-)Technik, was den DNA zudem ­unempfindlicher gegenüber hochfrequenten Störeinstrahlungen macht.

Praxis: Bi- und Tri-Amping

Allerfeinste Bauteile sind natürlich Ehrensache – so werden die Sieb-Elektrolyt-Kondensatoren im Netzteil speziell für Audionet gefertigt, und die in Japan hergestellten Puffer-Elkos in den Verstärker- und Analogfilterstufen zeichnen sich durch ein Seiden-Dielektrikum aus. Hochwertigste Glimmerkondensatoren aus Indien und bekannt inpulsfeste Folienkondensatoren aus Germany garantieren geringste Verlustwinkel und resonzfreies Verhalten.

Trotz hoher Bandbreite arbeitet der DNA laststabil; so kann er auf Induktivitäten am Ausgang vollständig verzichten – der exzellente Dämpfungsfaktor bleibt damit auch bei ­hohen Frequenzen vollständig erhalten. Die Innenverkabelung mit Drähten, die aus einer Gold-Silber-Legierung gefertigt sind, soll für den letzten klanglichen Schliff sorgen.

Als Netzwerk-tauglicher Verstärker verfügt der DNA ­natürlich über ein umfassendes Digitalabteil, das mindestens ebenso vielseitig wie ausgefuchst ist. In beiderlei Hinsicht profitiert er von der langjährigen Erfahrung, die Audionet im Design und Aufbau digitaler Filter besitzt. Lange bevor die Jitter-Diskussion die D/A-Wandler-Szene aufrüttelte, schenkten die Bochumer diesem Thema besondere Aufmerksamkeit. So hält der DNA das klangtrübende, digitale Taktzittern aus dem Eingangssignal gleich auf mehrfache Weise von den dafür besonders empfindlichen D/A-Wandlerchips fern.

Praxis: Musikarchiv anlegen und ordnen

Den Kern dieser ausgeklügelten Jitter-Firewall bildet eine Regelschaltung, die die eingespeisten Digitaldaten zur Ermittlung der durchschnittlichen Taktrate zunächst mal
in einem Speicherbaustein auffängt. Clou dabei ist der nachfolgende, hochgenaue Quarz­oszillator, der die präzisen Takt­impulse zum Weiterreichen der Samples vorgibt. Seine Grundfrequenz wird mittels Kapazitätsdioden in Abhängigkeit zur durchschnittlichen Taktrate vom Eingangssignal feinjustiert: Puffer-Über- oder Unterlauf ist somit ausgeschlossen, während der Jitter durch die lange Zeitkonstante elegant ­ausgefiltert wird.

Die D/A-Konvertierung im DNA erfolgt stets im 192-Kilo­hertz-Takt, das Upsampling findet vor dem Digitalfilter statt. Hierfür kommt ein leistungs­fähiger Signalprozessor mit Audionet-exklusiven, langjährig auf Frequenz- und Impuls­treue optimierten Filteralgorithmen zum Einsatz. Der nachfolgende Abtastraten-Konverter entkoppelt die D/A-Wandlerchips schließlich vollständig vom digitalen Eingangssignal – etwaiger Jitter hat also absolut keine Chance.

Audionet DNA
vergrößern

Geheimnis gelüftet

Das rote Leuchten im Innern des Netzwerk-Vollverstärkers DNA stammt von unzähligen LEDs, die Audionet in den Spannungsstabilisierungs- und Entkopplungs-Stufen als besonders rauscharme Konstant-Stromquellen einsetzt. 

Allerbeste technische Voraussetzungen also für ein gediegenes digitales Programm­angebot – und das ist beim DNA mehr als üppig: voll UPnP-kompatible Netzwerk-Wiedergabe via WLAN oder Ethernet, ­Internetradio via vTuner-Service, iPod via USB-Port oder bis zu sechs externe Digitaltonquellen über zwei optische oder vier koaxiale S/P-DIF-Eingänge – dabei nicht zu vergessen das analoge, RDS-taugliche UKW-Empfangsteil. 

Ebenso umfangreich wie die gebotene Programmvielfalt sind die Möglichkeiten, den DNA zu bedienen. Direkt, aber nicht sonderlich komfortabel gelingt dies am Gerät selbst über das frontseitige 4-Zeilen-Display. Alles im Griff hat man dagegen mit der optionalen Logitech-Harmony-Fernbedienung, die der User mittels Web-Account sogar online auf die eigene ­Geräte-Peripherie programmieren kann.

Extrem cool, dazu noch ­besonders effizient bedient sich der DNA jedoch über das hauseigene, frei downloadbare Remote Control Panel (RCP), das als Java-Programm auf Apple- und Windows-Computern gleichermaßen läuft. Playlisten aus allen beteiligten Netzwerk-Servern lassen sich damit so komfortabel erstellen wie komplexe Geräte-Setups – beispielsweise das Programmieren der digitalen Equalizer-Sektion oder des umfangreichen Subwoofer-Bassmanagements. Natürlich nimmt der DNA auch Steuerbefehle von UPnP-kompatiblen Commandern entgegen – etwa dem PlugPlayer fürs iPhone. Bereits in Arbeit ist ­zudem ein Audionet-eigenes iPhone-App für den DNA.

Der DNA im Hörtest Sinfonie für mehr als 4000 Bauelemente – so ließe sich der Hörtest mit dem Audionet DNA zusammenfassen. Bereits das rein analoge Metier beherrschte der Amp dermaßen gut, dass selbst hochkarätige Vollverstärker wie der Pathos Logos (56 Punkte) Mühe hatten mitzuhalten. Jener zeichnete zwar akus­tisch etwas breiter und tönte auch eine Spur heimeliger – allerdings auch weniger detailliert und dynamisch spürbar zurückhaltender als der DNA. „Ehrbar gewehrt, aber verloren“, konstatierte stereoplay-Redakteur Dalibor Beric.

Kaufberatung: Top-Speaker um 2.000 Euro

Mit üppigen Leistungsreserven und hoher Dämpfung war der Audionet ein idealer Spielpartner auch für Lautsprecher von großem Kaliber. Kompakte Schallwandler wie etwa die ­Dynaudio Focus 160, die für vollmundige Basswiedergabe etwas mehr Eigenleben, sprich weniger Dämpfung benötigen, spielten am DNA eher schlank, dafür aber umso explosiver.

Auch bei digitaler Netzwerk-Wiedergabe ließ der Bochumer klanggeschmäcklerische Diskussionen gar nicht erst aufkommen. In der Tat tönte der an seine symmetrischen Hochpegel-Eingänge angeschlossene Netzwerker Linn Klimax DS/1 einen Hauch cremiger als das eigene Streaming-Abteil – aber keineswegs besser.

Egal ob Netzwerk- oder Digitalwiedergabe via S/P-DIF: Der DNA begeisterte mit extrem stabilem Fokus und schier atemberauben­der Randschärfe. Mit 24/96-Hi-Res-Kost, etwa dem Fleetwood-Mac-Klassiker „The Chain“, schien er die Musik nachgerade zu materialisieren.

Somit steht fest: Der Audio­net DNA ist amtierender Weltmeister aller Netzwerk-Amps und damit neue stereoplay-­Referenz

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