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CD-Receiver Naim UnitiLite im Test

Der Uniti ist ein Unikum, das unter Bewahrung alter Naim-Tugenden den Anschluss an die Segnungen des 21. Jahrhunderts geschafft hat. Mit der neuen Lite-Version zielen die Briten auf ein breiteres Publikum. Ein Volltreffer?

Naim UnitiLite
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© Hersteller/Archiv

Naim UnitiLite
Gesamtwertung: gut - sehr gut - 71 Punkte
Preis/Leistung: überragend
  • + vielseitig und benutzerfreundlich
  • +Webradio und Streaming-Funktionen
  • +bleibt an komplexer Last stabil und klingt sehr dynamisch und direkt
  • -nicht besonders viel Leistung

Alle, die sich seit mehr als 20 Jahren ernsthaft mit HiFi beschäftigen, kennen Naim Audio noch als die Marke, die gerne mal aus einer Mücke einen Elefanten machte: Wer dem außergewöhnlich direkten, anspringenden Klang erst einmal verfallen war, der stapelte in seinem Hörzimmer neben den üblichen Vor- und Endstufen ganz schnell Batterien von externen Netzteilen, Aktiv-Weichen und so weiter. Mit All-in-One-Anlagen erfand sich die Marke aus Salisbury im 21. Jahrhundert völlig neu. Nun gibt es neben diskreten Lösungen, die schnell mal drei Stapel Elektronik-Racks ausfüllen, auch jene unscheinbaren schwarzen Kästchen, die eine Menge hochkomplexer Komponenten in sich vereinen.

Damit rannte die am Ende des letzten Jahrzehnts eingeführte Uniti-Serie von Anfang an offene Türen ein: Die audiophile Mischung aus CD-Player, Verstärker, RDS-Tuner, iPod- Musiksystem, Internet-Radio und Streaming-Client überzeugte in puncto Klang und Preis. Doch nun legt Naim die Schwelle zum Einstieg in die schöne neue Medienwelt noch etwas tiefer. Der UnitiLite kostet 2.300 Euro und tritt mit nominal 20 Watt weniger pro Kanal an, soll jedoch alle wesentlichen Tugenden des 3.500 Euro teuren Uniti 2 beibehalten.

Statt auf Handarbeit kommt es beim Be- und Entladen der CD aufs Knöpfchen an: Der UnitiLite setzt im Gegensatz zum Vorgänger auf Motorkraft.
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Statt auf Handarbeit kommt es beim Be- und Entladen der CD aufs Knöpfchen an: Der UnitiLite setzt im Gegensatz zum Vorgänger auf Motorkraft.

Light, aber solide

Vom ersten Eindruck her steht dem nichts im Wege: Das geringfügig in Höhe und Tiefe geschrumpfte Full-Size-Gehäuse wirkt mit seiner Pulverbeschichtung und dem grosszügigen Einsatz von Aluminium an Front und Deckel genauso solide wie seine großen Brüder. Wie alle Naim-Komponenten entsteht der Neuzugang in Handarbeit am Stammsitz des Unternehmens in Salisbury unweit von Stonehenge.

Dort pflegte man bisher eine Tradition, die Benutzer in zwei Lager spaltete: Die einen ergötzten sich am typischen Magnetclip zum Arretieren der CD, die anderen nahmen ihn wegen des packenden Klangerlebnisses mehr oder weniger stillschweigend in Kauf. Diesen Zopf haben die Briten bei ihrer Lite-Version ebenso abgeschnitten wie das von Hand zu betätigende, in eine halbmondförmige Schublade integrierte Schwenk-Laufwerk.

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Der neue Abtast-Mechanismus verleibt sich die Silberscheiben mit einer sauber durch Schienen geführten motorbetriebenen Schublade ein. Auch diese Maßnahme dürfte wieder zur Lagerbildung führen: Ob es sich dabei um eine zeitgemäße Komfortsteigerung oder ein Sakrileg vom Schlage der Japanisierung handelt, bleibt dem Auge des Betrachters überlassen. Immerhin lag dem UnitiLite keine Betriebsanleitung im Manga-Stil bei, sondern eine sachlich informative Fibel wie bisher auch.

Ein DAB-Modul gibt es – anders als bei den größeren Unitis – nur als Option. Dadurch konnte der Basispreis um 300 Euro gedrückt werden.

Ungeteilten Beifall finden dürften serienmäßige Features wie WLAN-Fähigkeit oder ein Direktanschluss für iPhone und iPod mit digitaler Tonausgabe. In diesen Punkten unterscheidet sich der Leicht-Beau nicht von seinen großen Brüdern Uniti 2 und SuperUniti.

Der UnitiLite besitzt ein grosszügig dimensioniertes Linear-Netzteil mit Ringkerntrafo und Platinen mit breiten, geschwungenen Leiterbahnen. Nicht zu vergessen ist die Transistor-Endstufe.
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Der UnitiLite besitzt ein grosszügig dimensioniertes Linear-Netzteil mit Ringkerntrafo und Platinen mit breiten, geschwungenen Leiterbahnen. Nicht zu vergessen ist die Transistor-Endstufe.

Keine Einbußen beim Streaming

Das trifft auch für seine Streaming-Fähigkeiten zu: Der UnitiLite kann bis zu 32 Bit/192 kHz verdauen. Der D/A-Wandler Burr Brown PCM 1793 selbst ist allerdings „lediglich“ auf 24 Bit/192 kHz ausgelegt und bekommt solch seltene Studio-Master-Qualität vom Digitalfilter in passende Portionen heruntergetaktet. Lobenswert: Die Entwickler haben ihrem abgespeckten Uniti die gleiche hochwertige DAC-Sektion eingepflanzt, die auch in den teureren Produkten dieser Baureihe ihren Dienst zufriedenstellend verrichtet.

Besonders gute Arbeit leistete der Nischenhersteller auch gerade im Bereich der Software. Hier hat Naim den durch hohe Funktionalität geprägten Minimalismus vergangener Tage auf die neuen Medien übertragen. So wurde ein mit ACC-Dateien ohne Kopierschutz beladener USB-Stick in FAT32-Formatierung nach dem Einstecken klaglos als Klangquelle akzeptiert. Das gelingt nicht einmal bei allen millionenfach verkauften AV-Receivern der großen japanischen Hersteller.

Praxis: Apps fürs Musik-Streaming

Die übersichtlich gestaltete Fernbedienung und das sehr gute mehrzeilige Display leisten einen weiteren Beitrag dafür, dass mit solchen Programmquellen des 21. Jahrhunderts kein Frust aufkommt. Ebenfalls top: Der UnitiLite spielt gapless, reißt also mehrteilige Musikstücke oder die Tracks einer Live-Aufnahme nicht durch Pausen auseinander.

Genauso überzeugend wurde die Integration von iPhone und iPod gelöst. Auch hier geht die Post ab, nachdem der Benutzer sein Apple-Gerät mit dem Standard-Anschlusskabel an den USB-Eingang unter der CD-Schublade angeschlossen hat.

Überraschend guter Klang

Doch nicht nur die Bedienung überzeugt. Auch der Klang überrascht für diese Preisklasse und Gerätekategorie. Selbst bei höherer Datenreduktion – etwa mit AAC-Titeln aus dem iTunes Store, die 128 oder 256 kbit/s verkraften müssen – zeigte der Einteiler schon jenen charakteristischen Naim-Drive.

Das Timing stimmte und ging sofort unter die Haut. Während man im Hochtonbereich einen Mangel an Feinzeichnung und Offenheit gegenüber CD-Klang verzeichnen konnte, gab es bereits mit dem iPhone ohne Vollwertkost einen knackigen und dabei erstaunlich tiefreichenden Bass. Erstaunlich war auch, dass die Phasenlage bewahrt wurde – trotz geringer Datenrate. Auf dem Live-Album „Flickering Flame“ von Roger Waters konnte man deutlich die Q-Sound-Effekte wahrnehmen und bestimmte Phantomschallquellen hinter sich orten. Das gelingt meist nicht einmal mit CD-Wiedergabe.

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Vor der Verwendung der Silberscheibe ist allerdings noch eine Denksportaufgabe zu lösen: Wo befindet sich der Auswurf-Button? Wir wollen Ihnen nicht den Rätselspaß verderben, aber der Vollständigkeit halber sei auf eine Doppelfunktion der Stop-Taste verwiesen.

Nachdem diese Hürde überwunden war, lief der UnitiLite zur Top-Form auf. Stimmen und Naturinstrumente inszenierte er mit einer Farbenpracht, die nicht nur in dieser Klasse ihresgleichen sucht. Dazu kommt wie so oft im Umgang mit Naim-Verstärkern eine Spritzigkeit, die im krassen Widerspruch zu den bescheidenen Leistungsdaten zu stehen scheint. Die Ortung, die bereits mit dem iPhone überzeugte, gewann mit CD nochmals an Stabilität und Plastizität. Doch auch das ließ sich durch Streaming hochauflösender Musik noch steigern. Dieser Klang und diese Vielseitigkeit beantworten die eingangs gestellte Frage eindeutig: ein Volltreffer!

Die Kudos Cardea C 2 spielt gut mit dem Naim UnitiLite zusammen.
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Die Kudos Cardea C 2 spielt gut mit dem Naim UnitiLite zusammen.

Lautsprecher-Tipp: Damit läuft der UnitiLite zur Bestform auf

Naim gehört zu den wenigen Herstellern, die in allen Bereichen einen formidablen Ruf genießen. Daher hätte hier früher an erster Stelle ein Naim-Lautsprecher gestanden. Allerdings hat Naim alle günstigen Boxen aus dem Programm gestrichen, während die kompakte Ovator 200 noch auf sich warten lässt. Doch hier gibt es vor allem zwei Hersteller, deren Boxen eine gehörige Portion Naim-Flair verbeiten: Die Kudos Cardea C 2 (2.900 Euro) empfiehlt sich als Standlautsprecher. Wer nach einer Kompakten sucht, sollte sich die Epos M 12i (800 Euro) oder andere Boxen der beiden Marken anhören. Ansonsten ist der UnitiLite nicht wählerisch, solange keine Extremlautstärken gefragt sind.

Naim UnitiLite - Anschlüsse
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Naim UnitiLite - Anschlüsse

Anschlüsse: Purismus trifft Vielseitigkeit

So klein und schon so smart: Der UnitiLite ist ein Muster an Konnektivität. Naim nutzt den größten Teil der Rückseite für Schalter und Anschlüsse. Der UnitiLite ist sehr vielseitig: Bei den Lautsprechern setzen die Briten wie gewohnt auf ihre Bananenbuchsen, zwei spezielle Stecker liegen bei. Mit der Vier-Pol-DIN-Buchse kann der UnitiLite die Rolle eines Vorverstärkers übernehmen. Neben zwei Analog-Eingängen stehen zwei koaxiale sowie zwei optische Digital-Eingänge bereit. Auf der Frontseite kommen noch ein USB-Eingang für Massenspeicher oder iPod/iPhone-Direktanschluss sowie ein 3,5-mm-S/PDIF-Eingang hinzu. Die Netzwerk-Verbindung lässt sich via Ethernet oder integriertes WLAN herstellen.

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Wenn man bedenkt, wie sehr Naim Traditionspflege betrieben hat, etwa durch Endstufen, die wie die NAP 250 bis zur Jahrtausendwende auf Schaltungskonzepten aus den 70er-Jahren basierten, kann man über den Ausstoß an innovativen Produkten nur staunen. Umso erfreulicher, dass der Benutzer dabei nicht zum Versuchskaninchen verkommt und ausgereifte Lösungen erhält, die das Plug-and-Play-Versprechen einlösen. Die Entwickler schöpfen aus einem Baukasten, der viele neue Digital-Lifestyle-Produkte hervorbringt. Internet-Radio-(vTuner 5) und Wandler-Sektion entsprechen wie viele andere Baugruppen dem Uniti 2 und SuperUniti, die zu Preisen von 3.500 respektive 4.400 Euro erhältlich sind.

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Entsprechend gut ist es um die Netzwerkfähigkeiten bestellt: HiRes-Streaming nach UPnP-Standard (Universal Plug and Play) bis 32 Bit/192 kHz, Ethernet-Anschluss mit 10/100 Mbps sowie integriertes WiFi (802.11b/g/n) lassen keine Wünsche offen. Obgleich das Front-Display beim Streamen aus dem Netzwerk oder bei Musikwiedergabe via USB vom Memory-Stick oder iPhone Interpret und Titelname anzeigt, bietet die kostenlose n-Stream-App für iPad, iPhone und iPod touch noch besseren Komfort – nicht zuletzt dank Cover-Anzeige und Playlist-Erstellung.

 
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